Autologe Blut-Stammzelltransplantation
Die autologe hämatopoetische Stammzelltransplantation (aHSCT) ist in der Schweiz zur Behandlung schwerer Verläufe der MS zugelassen und ergänzt das Spektrum der MS-Therapien.
Die aHSCT wird bei MS aufgrund der Risiken der Behandlung nur bei Einzelfällen angewandt. Dabei wird das überschiessend reagierende Immunsystem zerstört, um dann aus körpereignen Blut-Stammzellen ein neues Immunsystem aufzubauen. Dadurch soll das Risiko für erneute Entzündungsreaktionen gegen eigenes Gehirn- und Rückenmarksgewebe deutlich und dauerhaft reduziert werden.
Betroffene, die mit aHSCT behandelt werden, werden pseudonymisiert in einem Schweizer Register («aHSCT-in-MS») erfasst und deren Verlauf dokumentiert
Kriterien für die Eignung zur aHSCT
- Nachweis von Entzündungsaktivität der MS in Form von Schüben, Behinderungszunahme und/oder neuen und/oder Kontrastmittel-aufnehmenden Läsionen in den letzten 1 bis 2 Jahren trotz konventioneller hochwirksamer immunmodulierender Therapie.
- Schubförmige Verläufe sprechen deutlich besser an als Verläufe mit primärer oder sekundärer Progression. Dennoch kann in gut begründeten Einzelfällen mit primärer oder sekundärer Progression eine aHSCT in Betracht gezogen werden.
- Alter: möglichst unter 45 Jahren. In gut begründeten Einzelfällen kann eine aHSCT auch bis zu einem Alter von 50 Jahren erwogen werden. Ein jüngeres Alter ist jedoch günstiger.
- Krankheitsdauer: möglichst weniger als 10 Jahre
- Behinderungsgrad: möglichst weniger als EDSS 6.0
- Keine internistischen/medizinischen Kontraindikationen
- Betroffene müssen einwilligen, während 5 Jahren nach der Transplantation am Schweizer Register «aHSCT in-MS» teilzunehmen.
Abklärung und Durchführung
Die Eignungsabklärung für eine aHSCT muss interdisziplinär durch MS-erfahrene Neurologinnen und Hämatologen an spezialisierten Zentren erfolgen. Schweizer Zentren garantieren zuverlässige Qualitätsstandards und bieten die nötige Nachsorge.
In der Schweiz führen gegenwärtig die folgenden 4 Zentren diese Abklärung und Therapie durch:
- Universitätsspital Zürich
- Klinik Hirslanden Zürich
- Kantonsspital Aarau
- Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV, Lausanne)