Verlaufstherapie

Verlaufstherapie

Erfahren Sie mehr zu aktuellen Therapien und was der Unterschied zwischen immunmodulierend und immunsupprimierend ist.

Die Verlaufs- oder Langzeittherapie erfolgt mit Medikamenten, welche das Immunsystem beeinflussen und darauf abzielen, Schübe zu reduzieren sowie den Krankheitsverlauf und damit einhergehende Beeinträchtigungen zu mildern.

Die Medikamente zur Langzeittherapie werden in Form von Spritzen, Tabletten, Kapseln oder Infusionen verabreicht.

Die Verlaufstherapie erfolgt mit immunmodulierenden oder immunsupprimierenden Medikamenten, welche den Krankheitsverlauf mildern.

Immunmodulierend bedeutet, dass die Medikamente das Immunsystem verändern, während immunsupprimierende Medikamente die Funktionen des Immunsystems unterdrücken.

Aus den Erkenntnissen der letzten Jahrzehnte sind die derzeit empfohlenen Medikamente in der Schweiz: (Beta-Interferone, Glatirameracetat, Dimethylfumarat, Teriflunomid, Peginterfern Beta-1a, Fingolimod, Alemtuzumab, Natalizumab und Mitoxantron) für den Einsatz bei der MS entwickelt worden. Dennoch ist die Wirkungsweise der aktuell genutzten Medikamente nicht in allen Details bekannt.

Behandlung bei Multipler Sklerose

Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS) strebt das Reduzieren von Schüben, das Senken von Krankheitsaktivität sowie die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs und der Behinderungszunahme an. Ziel der Basistherapie - auch Verlaufstherapie genannt - ist es, die MS bestmöglich zu stoppen. Verschaffen Sie sich hier eine Therapie-Übersicht der in der Schweiz eingesetzten krankheitsverlaufsbeeinflussenden Medikamente.

  • Alemtuzumab (Lemtrada®)

    Die Therapie führt zu einem Abbau der im Blutkreislauf zirkulierenden T- und B-Zellen, die auch für den schädigenden Entzündungsprozess bei MS verantwortlich sind. Klinische Studien haben gezeigt, dass beim Einsatz von Alemtuzumab ca. 50% der Schübe (im Vergleich zu Rebif®) reduziert und die Behinderungszunahme verlangsamt wurde.

    MS-Info «Lemtrada®»

  • Beta-Interferone (Avonex®, Betaferon®, Rebif®)

    Beta-Interferone (IFN-ß) werden auch von unserem Körper gebildet. Es sind Immunmodulatoren, die bestimmte Entzündungsvorgänge unterdrücken können.

    Die in der Schweiz zugelassenen ß-Interferon-Produkte unterscheiden sich in Form und Zeitpunkt der Applikation. Je nach Präparat werden sie ein- bis mehrmals wöchentlich als Spritze verabreicht.

    MS-Info «Avonex®» (Interferon Beta-1a)

    MS-Info «Betaferon®» (Interferon Beta-1b)

    MS-Info «Rebif®» (Interferon Beta-1a)

  • Dimethylfumarat (Tecfidera®)

    Tecfidera® aktiviert in den Zellen unseres Körpers den Teil des Abwehrsystems, der gegen oxidativen Stress (Zellgifte) und Entzündungen vorgeht. Dadurch werden die entzündlichen Reaktionen verringert, zudem werden die natürlichen Abwehrkräfte des Zentralnervensystems gegen den MS-typischen Angriff auf diese Zellen gefördert. Die Therapie reduziert die Schübe um etwa 50% und ist bei der schubförmigen MS bei Erwachsenen zugelassen. Die Therapie wird als Tablette 2x täglich eingenommen. Zu der Behandlung gehören standardisierte, regelmässige Kontrolluntersuchungen.

    MS-Info «Tecfidera®»

  • Fingolimod (Gilenya®)

    Fingolimod bewirkt eine Anreicherung weisser Blutkörperchen (Lymphozyten) im Lymphknoten und reduziert die frei zirkulierenden im Blut. Dementsprechend können die Zellen auch nicht mehr ins Gehirn gelangen und dort Entzündungen hervorrufen. Fingolimod reduziert die Schübe um etwa 50% und ist bei der schubförmigen MS zugelassen. Es wird einmal täglich als Tablette eingenommen. Zu der Behandlung gehören standardisierte, regelmässige Kontrolluntersuchungen, um allfälligen Nebenwirkungen vorzubeugen.

    MS-Info «Gilenya®»

  • Glatirameracetat (Copaxone®, Glatiramyl®)

    Glatirameracetat ist einem Bestandteil der Isolierschicht der Nervenfasern ähnlich und unterdrückt bestimmte Entzündungsvorgänge. Dieser Wirkstoff gehört, wie auch die ß-Interferone, zu den Immunmodulatoren.

    Die in der Schweiz zugelassenen Glatirameracetat-Produkte unterscheiden sich in Form und Zeitpunkt der Applikation. Je nach Präparat werden sie ein- bis mehrmals wöchentlich als Spritze verabreicht.

    MS-Info «Copaxone®»

    MS-Info «Glatiramyl®»

  • Mitoxantron (Novantron®)

    Mitoxantron wurde als Chemotherapeutikum bereits bei verschiedenen bösartigen Krebserkrankungen (u.a. Leukämie) eingesetzt, bevor es bei schwer behandelbarer Multipler Sklerose erfolgreich getestet wurde. Mitoxantron darf nur bei schwerem Verlauf verschrieben werden. Aufgrund seiner gravierenden Nebenwirkungen auf das Herz darf es nur unter Berücksichtigung einer begrenzten Lebens-Gesamtdosis verabreicht werden.

    MS-Info «Behandlung bei Multipler Sklerose»

  • Natalizumab (Tysabri®)

    Natalizumab verhindert, das Immunzellen die Blut-Hirnschranke überwinden und Entzündungsvorgänge auslösen. Durchschnittlich werden etwa 2/3 der Schübe reduziert und die Zunahme der Behinderung verlangsamt. Natalizumab wird eingesetzt, wenn ß-Interferone nicht ausreichend wirken. Bei schwerem schubförmigem Verlauf der MS kann Natalizumab jedoch auch bereits als Ersttherapie eingesetzt werden.

    Das Präparat wird alle 28 Tage mittels Infusion in die Vene verabreicht. Eine Therapiesitzung dauert etwa 2 Stunden und wird medizinisch überwacht. Mit der Behandlung werden standardi-sierte, regelmässige Kontrolluntersuchungen durchgeführt.

    MS-Info «Tysabri®»

  • Ocrelizumab (Ocrevus®)

    Anwendungsbereich bei  Erwachsenen mit aktiver schubförmiger MS, sowie mit primär progredienter Verlaufsform. In der Folge werden die Krankheitsaktivität und das Fortschreiten der Behinderung reduziert.

    Nebenwirkungen sind Infektionen der oberen Atemwege (z.B. Bronchitis) und des Magen-Darmtraktes. Infusionsbedingte Reaktionen, z.B. Juckreiz, Hautausschlag, Fieber, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Blutdruckabfall sowie schwerwiegende Atemprobleme. Senkung der Anzahl bestimmter Immunabwehrzellen und damit verbundene reduzierte Immunabwehr.

    Ocrevus® Infusionen sollen unter unmittelbarer und engmaschiger Aufsicht von erfahrenem, medizinischem Fachpersonal verabreicht werden. Zur Vorbeugung von unerwünschten Infusionsreaktionen werden vorgängig zusätzliche Medikamente verabreicht. Mindestens 6 Wochen vor Therapiebeginn sind die Prüfung von Hepatitis B Antikörpern und allfällige Impfungen angezeigt.

    MS-Info «Ocrevus®»

  • Peginterferon Beta-I a (Plegridy®)

    Plegridy® mit dem Wirkstoff Peginterferon wird bei der schubförmigen MS eingesetzt. Er ist vergleichbar mit Interferon Beta-I a, wird jedoch im Köper verlangsamt abgebaut. Plegridy® führt zu einer Schubreduktion und beeinflusst den Krankheitsverlauf positiv.

    MS-Info «Plegridy®»

  • Teriflunomid (Aubagio®)

    Teriflunomid wirkt hemmend auf die Vermehrung bestimmter Blutzellen. Durch diese Reduktion gelangen weniger Zellen in das zentrale Nervensystem und entzündliche Vorgänge werden reduziert. Teriflunomid ist bei der schubartig verlaufenden MS zugelassen, wird als tägliche Tablette eingenommen und reduziert ca. 35% der Schübe. Zu der Behandlung gehören standardisierte, regelmässige Kontrolluntersuchungen.

    MS-Info «Aubagio®»


  • Autologe Stammzelltherapie

    Die autologe Stammzelltherapie (aHSCT) ist im Rahmen einer Registerstudie zugelassen und ergänzt das Spektrum der MS-Behandlung. Dies Verfahren wird aufgrund der Risiken bei MS in Einzelfällen angewandt. Dabei wird das Überschiessend reagierende Immunsystem beseitigt, um dann aus körpereignen Blutstammzellen ein neues aufzubauen. Es wird erwartet, dass das Immunsystem danach keine Autoimmunreaktion mehr aufweist.

    Die Behandlungs-Kriterien sind:

    • Aggressive/hoch-aktive schubförmige MS; Nicht-Ansprechen auf mindestens eine hoch-wirksame zugelassene Therapie
    • Nicht deutlich über 50 Jahre alt
    • Nachweis der Krankheitsaktivität (Schübe, Behinderungszunahme, neue MRI Läsionen) in den letzten 2 Jahren, besonders im letzten Jahr
    • Krankheitsdauer nicht deutlich länger als 10 Jahre
    • Keine medizinischen Kontraindikationen
    • Behinderungsgrad von EDSS 6.5 oder weniger. Falls Rollstuhlpflichtig und dies erst vor Kurzem eingetreten ist, kann die Behandlung diskutiert werden.
    • aHSCT kann auch bei progressiven Verlaufsformen in Betracht gezogen werden