Aktuelle Schwerpunkte

Aktuelle Schwerpunkte

Woran wird geforscht? Welche neuen Erkenntnisse gibt es rund um MS? Hier stellen wir Ihnen einige Ansätze vor.

Erfreulicherweise läuft die medizinische Forschung rund um MS auf Hochtouren. Viele Studien testen immer wieder neue Substanzen, wobei aktualisierte Erkenntnisse laufend mit einbezogen werden.

Der Schwerpunkt der MS-Forschung liegt dabei im Bereich der Neuroimmunologie. In diesem Forschungsgebiet werden die Zusammenhänge zwischen dem Immun- und dem Nervensystem untersucht. Ob das Immunsystem primär bei Beginn der Erkrankung oder sekundär (als Folge einer unbekannten Schädigung) «falsch» aktiviert wird, ist bislang nicht sicher zu beantworten.

Zusätzlich sollen ab dem Jahr 2015 vermehrt multidiziplinäre Forschungsprojekt gefördert werden und auf diese Weise einen Anreiz für Projektanträge aus anderen Forschungsdisziplinen mit dem Fokus Multiple Sklerose zu schaffen.

Damit MS eines Tages heilbar wird, braucht es vielseitige Ansatzpunkte in der Forschung und gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. Hier stellen wir Ihnen einige Ansätze vor.

  • Beeinflussung der Antigenpräsentation und der T-Zellaktivierung

    Man geht davon aus, dass die Entzündungskaskade bei MS dadurch aktiv gehalten wird, indem sogenannte Antigen-präsentierende Zellen eine andere Gruppe von Zellen des Immunsystems (die T-Zellen) immer wieder stimulieren.

    Dies geschieht über einen «Steckkontakt» von verschiedenen Oberflächen-Eiweissen auf diesen Zellen. Würde diese Aktivierung gezielt verhindert, könnte die Entzündungs-Lawine erst gar nicht losgehen.

  • Blockierung der B-Zellaktivierung

    B-Zellen sind die Zellen des Immunsystems, welche bei Fehlleitung auch Antikörper gegen körpereigene Eiweisse produzieren. Die B Zellen sollen deshalb daran gehindert werden, Antikörper - gegen z.B. Myelin - zu produzieren, weil sie damit an der Zerstörung von Nervenzellen mitwirken.

  • Kontrolle an der Blut-Hirn-Schranke

    Gehirn und Rückenmark sind normalerweise vor unerwünschten Besuchern geschützt: Die Blut-Hirn-Schranke (die Wand der Blutgefässe im Gehirn und Rückenmark) kontrolliert den Durchgang von Zellen und Molekülen wie bei einem Check-in am Flughafen.

    Bei MS wandern trotzdem autoaggressive T-Zellen aus dem Blutkreislauf in einem mehrstufigen Prozess (Rollen, Adhäsion, Migration) über die Blut-Hirn Schranke in das zentrale Nervensystem aus und tragen dort zur Gewebezerstörung bei. Ziel vieler Untersuchungen ist es, einen oder mehrere dieser Schritte und damit den Zugang selbstzerstörerischer Immunzellen zu unterbinden.

  • Beeinflussung von Makrophagen

    Makrophagen sind weisse Blutkörperchen, die u.a. Krankheitserreger «fressen» und anschliessend abtöten können. Sie werden daher Fresszellen genannt und spielen bei der MS eine zentrale Rolle, da sie die Isolationsschicht (Myelinhüllen) der Nervenfasern «auffressen». Bisher gibt es keine therapeutische Strategie, die selektiv auf diesen Zelltyp abzielt.

  • Axonale Degeneration

    Neuroprotektive Medikamente sollen die Zerstörung der Nervenfasern (Axonale Degeneration) verhindern. Neurotrophe Faktoren - Moleküle, die das Nervenwachstum fördern - werden eingesetzt, da sie auch entzündungshemmende Eigenschaften besitzen.

  • Strategien der Demyelinisierung

    Zur Reparatur des Nervengewebes soll die Neubildung von Myelinhüllen angekurbelt werden: Zum einen durch Aktivierung der körpereigenen myelinbildenden Zellen (Oligodendrozyten), und zum anderen durch Transplantation anderer Zellen. Für letzteres werden verschiedene Zelltypen getestet, darunter auch Stammzellen.

  • Neue Immunsuppressiva und Immunmodulatoren

    Präparate mit grösserem therapeutischem Potential sollen wirksamer sein, weniger Nebenwirkungen auslösen, über lange Zeit verträglich und einfach in der Verabreichung sein (z.B. Tablettenform). Viele verschiedene Substanzen - neue sowie bewährte aus anderer Anwendung - werden derzeit klinisch getestet. Dazu gehören auch Statine und Geschlechtshormone.

  • Kohortenstudie

    Bei einer Kohortenstudie wird eine Gruppe von Menschen mit einer bestimmten Krankheit ausgewählt und in regelmässigen Abständen über einen längeren Zeitraum nach festgelegten Methoden untersucht und dokumentiert.

    Die Schweizerische MS Kohortenstudie (SMSC) beinhaltet alle 6 oder 12 Monate ein Gespräch und eine Untersuchung, die sich nicht von einer Routinevorstellung beim behandelnden Neurologen unterscheiden. Zusätzlich findet eine Blutentnahme und falls aus medizinischer Sicht sinnvoll, auch eine (jährliche) speziell für eine bessere Vergleichbarkeit standardisierte MRI Untersuchung statt.

    Ziel der SMSC ist es, eine sehr gut charakterisierte Gruppe von circa 1'000-2'000 MS Betroffenen über einen langen Zeitraum regelmässig zu untersuchen: Man möchte systematisch und standardisiert Daten zum Befinden, Blutproben und MRI Daten sammeln und für zukünftige (Unter-) Projekte speichern und auswerten. Durch die angestrebte Dauer der Studie über mindestens 10 Jahre möchte man mehr über die sehr unterschiedlichen Verläufe der Erkrankung zwischen verschiedenen Patientinnen, aber auch die verschiedenen Krankheitsphasen innerhalb einer Person erfahren.

    Die Beurteilung der Sicherheit und des Nutzens neuer MS Medikamente sind weitere Hauptziele.

    Seit Beginn der Studie im Juni 2012 bis Dezember 2017 wurden 1'308 MS-Betroffene in den beteiligten Kliniken in die SMSC eingeschlossen, insgesamt wurden 5'242 Studienvisiten absolviert und die Rate der Patienten, die aus der Studie ausgeschieden sind liegt mit 8.5% sehr tief. Insgesamt konnten so bisher über 130'000 Einzelproben gesammelt und 3'064 standardisierte MRI Untersuchungen durchgeführt werden. Die resultierenden langfristigen Resultate werden einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der MS liefern.