Grundsätzlich können sich MS-Betroffene impfen lassen. Nach dem heutigen Wissensstand sind viele Impfungen ohne Bedenken anwendbar. Was gilt es bei einer Impfung von MS-Betroffenen zu beachten? Was ist zu berücksichtigen, wenn Sie unter einer MS-Therapie stehen? Was sollten Sie und Angehörige wissen, damit Sie vor Infektionskrankheiten geschützt sind?
Impfungen
Erfahren Sie mehr über empfohlene Impfungen nach dem heutigen Wissenstand.
Aktuelle Impfempfehlung: Covid-19 und Saisonale Grippe
Impfungen sind sicher
Unterschiedliche Impfstoffe und ihre Auswirkungen auf MS und das Auftreten von MS-Schüben wurden untersucht. Aktuelle Studien zeigen keinen Zusammenhang zwischen Impfungen und dem Auslösen von MS oder Krankheitsschüben.
Impfschutz für MS-Betroffene ist wichtig!
Breitet sich im Körper ein Bakterium (zum Beispiel von Keuchhusten) oder ein Virus (Grippe) aus, führt das zu einer heftigen und unkontrollierten systemischen Entzündungsreaktion im Körper. Solche Infektionen erhöhen das Risiko für einen akuten MS-Schub deutlich. Zudem kann das dadurch ausgelöste Uhthoff-Phänomen zur Verschlechterung von neurologischen Symptomen führen. Die Schutzimpfung hingegen simuliert kontrolliert eine Infektion - und die Reaktion darauf bleibt lokal begrenzt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt MS-Betroffenen mit einer immunsuppressiven Therapie
Viele MS-Therapien beeinflussen das Immunsystem, sie vermindern die Funktion des Immunsystems. Diese sogenannten immunsuppressiven Therapien führen dazu, dass Betroffene ein erhöhtes Infektionsrisiko haben – deshalb ist ein vollständiger Impfschutz besonders wichtig.
→ Ein vollständiger Impfschutz hilft, Infektionskrankheiten und mögliche Komplikationen zu vermeiden.
Impfwirkung unter immunsuppressiver Therapie
Unter einer Behandlung mit Immunsuppressiva kann bei Totimpfstoffen oder gentechnisch erzeugten Impfstoffen der Impferfolg ausbleiben. Bei Lebendimpfstoffen besteht geringe Gefahr, dass diese die Infektionskrankheit selbst auslösen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den bestmöglichen Impfschutz?
Impfstatus rechtzeitig überprüfen
Idealerweise wird der Impfstatus bereits bei der Diagnose und vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie überprüft und dokumentiert, und Impfungen, wenn nötig, ergänzt. Auch Auffrischungsimpfungen sollten regelmässig kontrolliert werden.
Totimpfstoffe
Totimpfstoffe können in der Regel auch unter einer immunsuppressiven Therapie verabreicht werden. Dazu gehören beispielsweise Impfungen gegen Grippe, Covid-19, Zecken (FSME), Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A und B sowie Typhus und Tollwut. Die Immunantwort und damit der Impfschutz kann jedoch vermindert sein. Wenn möglich, sollten diese Impfungen zwei bis vier Wochen vor Beginn einer solchen Therapie erfolgen.
Lebendimpfstoffe
Die Impfung mit Lebendimpfstoffen wird sehr sorgfältig geplant, da sie abgeschwächte Erreger enthalten. Dazu gehören beispielsweise Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), Varizellen oder Gelbfieber. Während einer immunsuppressiven Therapie sind Lebendimpfstoffe kontraindiziert. Sie müssen deshalb rechtzeitig und in Absprache mit den behandelnden Fachpersonen geplant werden. Auch vor Reisen ist eine frühzeitige reisemedizinische Beratung wichtig.
Wann sollte nicht geimpft werden?
- Während eines Schubs
- Während einer Kortison-Therapie
- Während einer Therapie mit Immunsuppressiva (betrifft Lebendimpfstoffe)
Besprechen Sie Ihren individuellen Impfplan vertrauensvoll mit Ihrer Neurologin oder Ihrem Neurologen – so können Sie Ihre Sicherheit erhöhen und den bestmöglichen Impfschutz erhalten.
Cocooning: Angehörige schützen
Angehörige und weitere enge Kontaktpersonen können dazu beitragen, Menschen unter immunsuppressiver Therapie zu schützen. Dieses Prinzip wird «Cocooning» genannt (vom englischen Wort «cocoon», sich einkapseln). Besonders wichtig ist ein aktueller Impfschutz im Umfeld, beispielsweise gegen Masern. So lässt sich das Risiko verringern, dass Infektionskrankheiten übertragen werden.
Saisonal bedingte Infektionen
In der kalten Jahreszeit steigt das Risiko für Infektionen wie die echte Grippe (Influenza) und Covid-19. MS-Betroffene sollten sich dagegen schützen. Aus neurologischer Sicht sind beide Impfungen unbedenklich. Besprechen Sie anstehende Impfungen am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, auch mit Blick auf Ihre MS-Therapie.
Impfung gegen Influenza und Covid-19
Der Medizinisch-wissenschaftliche Beirat empfiehlt die Impfung gegen die Influenza und das Coronavirus insbesondere für:
- MS-Betroffene ab 65 Jahren
- MS-Betroffene, die immunsuppressive Medikamente erhalten
- MS-Betroffene mit hohem Behinderungsgrad
- MS-Betroffene mit weiteren Erkrankungen, die das Risiko für einen schweren Verlauf eines Atemwegsinfektes erhöhen
In diesen Fällen werden die Kosten durch die Grundversicherung übernommen. Die Impfungen gegen Covid-19 und Influenza sollten vorzugsweise zwischen Oktober und Dezember erfolgen.
Kostenübernahme in der Grundversicherung
Impfungen sind seit dem 1. Januar 2026 von der Franchise befreit. Darin berücksichtigt sind die im Schweizerischen Impfplan empfohlenen Basisimpfungen sowie jene für die Risikopatienten.
Weiterführende Hinweise des Bundesamts für Gesundheit BAG:
Impfprinzipien und Empfehlungen für erwachsene Personen mit neuroimmunologischen Erkrankungen