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Tierisch gute Freunde: Shirley, Moritz & Edith

Ich bin Edith Stauffer. Geboren am 6. Juni 1967. Mutter von 5 Kindern. Die Diagnose MS habe ich seit 2007. Da ich, seit ich 35 Jahre alt bin, eine Niereninsuffizienz mit Dialysepflicht habe, war die Diagnose MS für mich mehr eine Erleichterung: Denn nun wusste ich, woher die Sehstörungen, Missempfindungen, Beinschwächen und andere Symptome kamen.

Als Mutter von 5 Kindern habe ich bis zur Dialyse Nachtwache gemacht und war tagsüber doch für die Kinder da. Es war sicherlich streng, doch habe ich alle Aufgaben sehr gerne gemacht. Heute schaue ich gerne zurück, aber hauptsächlich vorwärts.

Jeder Tag bringt eine neue Herausforderung - und wenn alles einigermassen aufgegangen ist, bin ich zufrieden.

Sport hat mich schon in der Kindheit begleitet und Bewegung suche ich noch heute. Ob Reiten, Tennis, Leichtathletik, Ski fahren, Turnen im Turnverein, alles habe ich ausgekostet. Vor 15 Jahren kam noch ein Halbmarathon dazu.

Vieles geht heute nicht mehr… aber nun habe ich 4 Enkel, die mich ab und zu auf Trab halten.

Und wer sind deine tierischen Freunde?
Meine tierischen Freunde sind Shirley und Moritz, zwei lustige, immer aufgestellte, schmusige, liebste und treuste Sheltie-Hunde (Shetland Sheepdogs).

Shirley kam vor bald 8 Jahren zu mir und meinem Mann. Damals starb unser Collie und wir haben lange überlegt, ob es Sinn macht und ob es dann auch geht, einen neuen jungen Hund aufzunehmen. Shirley zeigte sich beim Züchter keinem Besuch und deshalb war sie noch als letzte zurückgeblieben. Zu mir kam sie sofort und so war völlig klar, sie gehört zu uns.

Eine der besten Entscheidungen im Nachhinein, die wir machen konnten. Es kam wieder Leben, Freude, Spass ins Haus und ich bekam eine Tagesstruktur. Ein Jahr später kam Moritz wie durch ein Wunder auch zu uns, eigentlich wollten wir gar keinen zweiten Hund.

Ich habe mit Shirley vor 7 Jahren begonnen Agility zu machen. Als ich damit anfing, konnte ich wegen eines Schubs kaum gehen und schnell wurde mir nachgesagt: «Schon wieder kommt jemand in den Verein, der nicht rennen mag». Dies wurde mir dann nach Jahren gesagt. Zwischenzeitlich wissen auch die meisten, dass ich MS habe. Da Shirley grosse Freude am Agility hat, spornt sie mich immer wieder an weiterzumachen. Schon viele Male wollte ich aufgeben, da ich einfach so viel Kraft und Energie, sowohl körperlich als auch geistig aufbringen muss. Zweimal nahmen wir an der Schweizermeisterschaft teil und einmal konnten wir uns sogar fürs Finale qualifizieren.

Ich bin fest überzeugt, dass ich wegen meinen Hunden über mich hinauswachse und mein Körper gefordert ist. Ohne die beiden hätte ich wohl oft die Kraft nicht.

Wie habt ihr zueinander gefunden?
Shirley hat mich ausgesucht, da sie zu mir gekommen ist und sonst keinen sehen wollte. Liebe auf den ersten Blick… Moritz haben wir zunächst online bei der Züchterin gesehen, von der wir bereits den ersten Sheltie hatten. Sie meinte, dass Moritz perfekt zu Shirley und uns passen würde. Er war allerdings noch sehr klein, es gab eine Menge Konkurrenz, weil viele ihn haben wollten. Für die Züchterin gab es aber nur zwei Optionen: Moritz selbst zu behalten oder in unsere Obhut zu geben. So kamen wir zu unserem zweiten tollen Freund für Leben.

Wirken sich deine Tiere positiv auf deinen Alltag mit MS aus? Welche körperlichen und psychischen Vorteile bringt dir euer Zusammenleben?
Auf jeden Fall. Ich habe durch sie eine Tagesstruktur und darf (manchmal: muss) zwei Mal am Tag mit ihnen spazieren gehen. Manchmal gibt es einen längeren Spaziergang, manchmal kürzer, manchmal langsam, manchmal schneller. Die Hunde motzen nicht und sind einfach immer voll dabei. Ohne meine Hunde wäre ich nicht jeden Tag, bei jedem Wetter, draussen in Bewegung.

Mit dem Agility habe ich auch viele neue Kontakte geschlossen, was für die Psyche auch eine Wohltat ist.

Meine tierischen Freunde sind jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde bei mir. Durch sie fühle ich mich nie allein, durch sie lerne ich, jeden Tag zu nehmen und zu geniessen, wie er kommt.

Gibt es auch Probleme und Sorgen?
Ja sicherlich macht man sich Sorgen, vor allem wenn ein Schub akut ist. Ich bin da wohl ein Verdrängungskünstler und hoffe, dass es einfach immer wieder gut kommt. Da wir schon wegen meiner Dialyse nicht weit weg reisen können, sind die Urlaube immer mit unseren Hunden geplant. Auch nimmt meine Mutter die Hunde gerne mal für zwei, drei Tage. Da sie aber auch bald 80 wird, macht mir das schon Sorgen, wie lange sie das noch kann.

Doch mein Motto ist: Es gibt für alles eine Lösung, vor allem für alles, was einem wirklich wichtig ist.

Kannst du anderen Betroffenen ein Haustier empfehlen? Welche Voraussetzungen müssen für eine Partnerschaft definitiv erfüllt sein?
Unbedingt. Ein Haustier, zu dem man eine enge Bindung hat, öffnet das Herz. Man gewinnt einen echten Freund, Lebensfreude und viele fröhliche Augenblicke. Ich profitiere körperlich und seelisch davon.

Prioritäten zu setzen ist für die Partnerschaft wichtig. Zuerst kommen meine Hunde, die müssen raus und wenn dann noch was anderes drin liegt ist das gut, wenn nicht, ist es auch okay. Tiere brauchen Zeit und Zuwendung. Dann ist es sicher wichtig, dass jemand da ist, wenn es halt mal nicht geht.

Ich könnte mir das Leben ohne meine Shelties nicht mehr vorstellen. Sie erfüllen meine/unsere Tage mit viel Freude. Wichtig ist natürlich, der Partner, der Lebenspartner sollte auch mithelfen und Freude daran haben.

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