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SwissCovid - ein Zukunftsmodell für sichere Gesundheits-Apps?

Gemäss verschiedener Download-Statistiken war die SwissCovid-App im Jahr 2020 die beliebteste App. Wobei «beliebt» wohl relativ ist. SwissCovid ist die App zur digitalen Kontakt-Nachverfolgung des Bundesamtes für Gesundheit. Und eigentlich würden wir lieber auf die App (und die ganze Corona-Pandemie) verzichten. Trotzdem nutzen mittlerweile 1.9 Millionen Menschen in der Schweiz (und gemäss einer noch laufenden Umfrage 65% aller Teilnehmenden des Schweizer MS Registers) die SwissCovid App und leisten damit einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung.

Immer mehr fügt sich nämlich ein Gesamtbild zusammen, das die Benutzung von SwissCovid tatsächlich Wirkung zeigt und dazu beiträgt, Übertragungsketten schneller zu unterbrechen. Eine Studie hat gezeigt, dass durch die App gewarnte Kontaktpersonen von Corona-Infizierten im Durchschnitt einen Tag früher in Quarantäne gehen als Kontakte ohne Warnung. Eine weitere Untersuchung im Kanton Zürich hat gezeigt, dass im September vergangenen Jahres 170 Personen nach Erhalt einer SwissCovid-Warnung eine Quarantäne-Empfehlung erhalten haben. Dieser Wert entspricht etwa 5% aller Personen, welche durch das Kontakt-Tracing des Kantons in Quarantäne gesetzt wurden. Zudem wurden etwa 30 Personen nach einem Alarm der SwissCovid-App positiv auf das Coronavirus getestet. Das heisst, im besten Fall konnten durch SwissCovid - zusätzlich zu den bestehenden Massnahmen - innerhalb eines Monats 30 Infektionsketten unterbrochen und 170 Personen mit signifikanten Ansteckungsrisiken gewarnt werden.

Diese Zahlen zur Wirkung mögen nicht sehr eindrücklich erscheinen. Man muss sich aber vor Augen führen, dass ohne Bekämpfungsmassnahmen eine mit Corona infizierte Person im Durchschnitt 2-3 weitere Personen ansteckt, die wiederum 2-3 weitere Personen anstecken. Das heisst, wenn eine Übertragungskette schnell unterbrochen wird, so können bestenfalls mehrere zukünftige Übertragungen verhindert werden. Dies macht den Beitrag der SwissCovid App zur Pandemiebekämpfung durchaus relevant.

Die SwissCovid App ist auch aus einem anderen Blickwinkel eine interessante Entwicklung. Sie steht für eine neue Art von Apps, welche Daten möglichst nur lokal speichert und deren Weitergabe auf das absolut Notwendige reduziert. Die Begegnungen mit anderen SwissCovid-Nutzern werden ausschliesslich auf dem eigenen Gerät gespeichert und nach 14 Tagen gelöscht. Einzig im Falle eines positiven Corona-Tests, und nur mit Zustimmung des Nutzers, werden Zahlencodes weitergeleitet, damit der Alarm ausgelöst werden kann. Natürlich: 100% Sicherheit gibt es nie. Aber SwissCovid ist ein spannendes Modell für mögliche zukünftige Apps und Anwendungen, welche funktional sind, aber den Schutz der Privatsphäre in den Vordergrund stellen.

Leider kann man das von vielen Alltags-Apps nicht behaupten. Deshalb beobachtet die Digitale Begleitgruppe der Schweiz. MS-Gesellschaft die aktuellen Entwicklungen genau, speziell im Bereich der MS-Apps. Dabei stehen gerade auch Fragen des Datenschutzes und der Datenhoheit im Vordergrund. Ein wichtiges Ziel sieht die Begleitgruppe darin, MS-Betroffene auf wichtige Punkte aufmerksam zu machen, denen vor der Nutzung einer neuen App Beachtung geschenkt werden sollte. Mehr Informationen dazu folgen im Laufe der nächsten Monate.

Quellen (29.01.2021):
www.20min.ch 
www.news.uzh.ch
www.bag.admin.ch
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