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Mallorca

Die Diagnose MS stellte mein Leben buchstäblich auf den Kopf. Wie würde das enden? Ich hatte einen Mann und vier Kinder im Alter von 10 – 16 Jahren.

Für meine Kinder war die Diagnose nicht so schlimm. Sie wussten jetzt, warum ich nicht so schnell und weit gehen konnte. Ein Sohn meinte sogar: «Mami, wenn du nicht so schnell gehen kannst, dann siehst du dafür mehr!». Aber mein Mann machte sich natürlich Sorgen.

Der Frauenverein unserer Gemeinde organisierte jedes Jahr einen Bildungstag für Frauen. Das Thema damals war «Lebe besser, denke positiv». Ich dachte, das wäre doch was für mich. Es wurde ein gelungener Tag mit vielen guten Inputs und in angenehmer Gesellschaft. Am Ende der Tagung erzählte ich der Kursleiterin mein Schicksal. «Komm doch mit unserer Gruppe in den Osterferien für 5 Tage nach Mallorca. Dort werden wir das Thema vertiefen und es wird dich aufbauen.»

Zu Hause fragte ich meinen Mann, ob er sich so etwas vorstellen könnte. Zu meiner Überraschung schlug er vor, mit der ganzen Familie mitzukommen. Die Kinder und auch wir freuten uns über unsere erste Flugreise.

Das Seminar fand nur am Vormittag statt. Der Nachmittag war für Badeferien am geheizten Pool gedacht. Für die jüngeren Kinder wurde gleichzeitig ein Kinderprogramm angeboten und mein Mann machte mit den Grossen Velotouren. So waren alle bestens aufgehoben.

Für die Kursteilnehmer stand vor dem Frühstück Yoga am Strand auf dem Programm. Natürlich wollte ich auch dabei sein. Am ersten Morgen marschierten alle zügig zum Strand hinunter und ich humpelte natürlich weit hinterher. Keine schöne Erfahrung, aber selber schuld. Ich hätte es vorher sagen müssen.

Auf dem Rückweg bot mir ein junger Mann seine Hilfe an. Ich durfte mich bei ihm «einhängen». Dann erzählte ich ihm mein Schicksal. Um mich ein wenig zu trösten, erzählte er mir, dass er auch in einer schlimmen Lebensphase sei. Seine Frau hätte einen andern und sei mit dem kleinen Sohn bereits ausgezogen. Auch keine schöne Geschichte.

Im Laufe der Woche wurden noch viele Schicksale ausgetauscht und am Ende musste ich zugeben, dass es in jedem Leben Herausforderungen gibt, die gemeistert werden müssen.

Die zuversichtliche Lisbeth*

Lisbeth ist heute 67 Jahre alt. Im Alter von 46 bekam sie die Diagnose MS. Endlich hatten die Gehbeschwerden einen Namen. Heute ist die Laufzeit mit Stöcken auf 15 bis 20 Minuten beschränkt, Spasmen und Gleichgewicht sind auch Themen, die Aufmerksamkeit verlangen, aber mit grosser Dankbarkeit blickt sie auf ein erfülltes Leben zurück, mit vielen Hochs und einigen Tiefs.
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