Detail

Immunmodulierende Therapien bei RRMS-Betroffenen

Welche Erfahrungen machen MS-Betroffene mit einer immunmodulierenden MS-Therapie? Mit dieser Frage beschäftigt sich die aktuelle Monatsgrafik.

Vorgehensweise

Insgesamt wurden 668 Datensätze von Teilnehmenden des Schweizer MS Registers mit einer schubförmigen MS ausgewertet. Die Daten wurden zwischen Februar 2020 und April 2021 erhoben.

Zunächst wurde analysiert, wie viele Personen keine, eine kontinuierliche, oder eine neu gestartete Therapie erhalten. Als kontinuierliche Therapie wurde gewertet, wenn ein Medikament vor länger als 6 Monaten gestartet wurde und es zwischendurch keine Unterbrüche gab. Therapien, welche innerhalb der letzten 6 Monate starteten, wurden in die Gruppe «Neue Therapien» aufgenommen.

Während zwei Drittel der an der Umfrage teilnehmenden Personen mit RRMS eine kontinuierliche immunmodulierende Therapie erhalten, haben 12.6% kürzlich eine neue Therapie begonnen und 20.8% stehen aktuell unter gar keiner immunmodulierenden Therapie.

Unterschiedliche Charakteristika

Die grösste Gruppe stellt jene der kontinuierlichen Therapien dar. In dieser Gruppe wurde am wenigsten häufig über Schübe in den letzten 6 Monaten berichtet (8%). Insgesamt berichteten 28% aller Personen dieser Gruppe über unerwünschte Therapienebenwirkungen.

Dem gegenüber stehen Personen, welche in den letzten 6 Monaten ein Medikament neu begonnen haben. Diese Gruppe umfasst sowohl Personen, welche die allererste Therapie gestartet haben, sowie jene, bei denen ein Therapiewechsel vorgenommen wurde. Durchschnittlich haben diese Personen häufiger über MS-Schübe im letzten halben Jahr berichtet (33%). Diese Zahl darf aber nicht zwingend als Hinweis auf die Therapiewirksamkeit gewertet werden. Einerseits waren Schübe bei vielen vorher unbehandelten Personen wohl die Indikation für eine erste MS-Therapie. Andererseits war bei Personen mit vorgängiger Therapie ein Schub möglicherweise der Auslöser für einen Medikamentenwechsel. Gleiches gilt auch für die höhere Nennung von Nebenwirkungen (54%). Diese unterwünschten Therapiewirkungen waren möglicherweise dafür verantwortlich, dass innerhalb der letzten 6 Monate ein Medikament gewechselt wurde.

In der dritten Gruppe der Betroffenen ohne Therapie befinden sich einerseits Personen, welche schon lange die MS Diagnose haben (und allenfalls «austherapiert» sind, das heisst, keine guten Therapieoptionen mehr haben), sowie Personen mit einer relativ neuen MS-Diagnose. Insgesamt berichteten 17% der Personen in dieser Gruppe über Schübe in den letzten 6 Monaten.

Noch keine Garantie für Erfolg und beschwerdefreies Leben

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Mehrheit der Personen mit schubförmiger MS eine «stabile» Therapie erhält, wobei stabil als eine Dauer von mehr als 6 Monaten definiert wurde. Trotzdem stellen diese immunmodulierenden Therapien noch keine Garantie für ein beschwerdefreies Leben dar. Beispielsweise wurden relativ häufig unerwünschte Therapiewirkungen berichtet. Zudem kommt es – wenn auch relativ selten – zu Therapieunterbrüchen und Umstellungen, zum Beispiel aufgrund von Schüben unter Therapie.

Es ist und bleibt also wichtig, die Therapie-Erfahrungen von MS-Betroffenen systematisch zu sammeln und zu analysieren. Durch die regelmässige Erhebung von Informationen zu MS-Therapien und dem Therapieerfolg, leistet das MS Register seit 5 Jahren einen wichtigen Beitrag dazu.

Eine Therapie-Übersicht der in der Schweiz eingesetzten krankheitsverlaufsbeeinflussenden Medikamente finden Sie auf der Webseite der Schweiz. MS-Gesellschaft: Verlaufstherapie. Ebenfalls bietet die Schweiz. MS-Gesellschaft zu den entsprechenden Themen Beratungen und Dienstleistungen an.

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