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Ein Herz und eine Seele

Im September 2018 erblickte ein kleines Lebewesen das Licht der Welt. Wie es der Zufall wollte, wurde meine Mutter darauf aufmerksam. Viele kleine Hundewelpen, Mischlinge, wunderschön und süss.

Wir spielten damals schon lange mit dem Gedanken, noch einen zweiten Hund bei uns zu haben, weil ich in der Reha sehr positiv auf die Hundetherapie reagiert hatte. So ein Hund würde mir Halt geben, ich hätte einen Verbündeten, müsste Verantwortung übernehmen und käme so jeden Tag an die frische Luft. Und unser Westie (West Highland White Terrier) hätte eine Spielgefährtin. Eine win-win-Situation für alle.

So kam es, dass wir zur Züchterin gefahren sind. Kaum angekommen, rannte ein kleiner Welpe direkt zu mir und wollte nicht mehr weg. Wie man so schön sagt: Es war Liebe auf den ersten Blick. Sicher, alle Welpen waren süss und zutraulich. Aber für mich war die Sache klar, ich wollte nur diese kleine, braun-weisse Hündin. Sie war zum Glück noch nicht vergeben. Ein Entscheid den ich nie bereuen werde! Seit dem 21. Oktober 2018 lebt Sky nun bei mir. Wir sind ein Herz und eine Seele, unzertrennlich! 

Ich nehme Sky, wenn immer möglich, überall hin mit. So kam es auch, dass ich mit ihr das erste Mal mit dem Rollstuhl alleine nach Neapel geflogen bin. Weil sie nicht so gross ist, durfte ich sie zu mir auf den Schoss nehmen. Die Ferien mit ihr waren unvergesslich schön. 

Durch die Anwesenheit von Sky geht es mir vor allem auch psychisch besser. Sie ist extrem feinfühlig, spürt wenn es mir nicht gut geht und spendet mir mit ihrer Anwesenheit viel Trost. 

Wir sind ein unschlagbares Team. Es ist unglaublich, wie viel Treue und Solidarität so ein kleines Lebewesen einem schenken kann. Sky gibt mir viel Kraft und ist immer an meiner Seite. Es ist ihr egal, dass ich im Rollstuhl sitze. Wenn sie zu mir will, dann steht sie auf die Hinterbeine, so dass ich sie zu mir hochheben kann. Dann sitzt sie auf meine Beine und bleibt ruhig. So rollen wir gemeinsam durch Thun.

Leider ist auch sie körperlich angeschlagen, weshalb sie oft in die Tierklinik gehen muss. Mit nur 2 1/2 Jahren musste sie schon drei Mal operiert werden. Einmal wurde sie Opfer eines Hundehassers, ein anderes Mal hatte sie vor kurzem eine schlimme, akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung. Aber sie ist eine Kämpferin. Wie ich. Und solche Erlebnisse schweissen uns noch viel mehr zusammen. 

Ein Leben ohne Sky können wir uns alle nicht mehr vorstellen. Am Wochenende besuche ich mit ihr oft meine Nonna. Auch für sie ist Sky eine Art Therapie-Hund. «Skyli», wie ich sie auch oft nenne, ist super lieb und extrem feinfühlig. Aber sie ist auch ein richtiger Wirbelwind und hält mich ziemlich auf Trab. Es muss immer etwas laufen bei ihr, spielen, Gassi gehen, die Katze ärgern. Die interessiert das jeweils herzlich wenig. Es ist kostbar ihnen zuzuschauen. Manchmal wenn ich mir etwas im TV anschaue, dann schaut Sky mit - kein Witz. Sobald ein Tier zu sehen ist, springt sie förmlich in den Fernseher hinein. Ich krieg mich vor Lachen dann nicht mehr ein. Aber wenn sie müde ist, dann will sie immer kuscheln und sucht extrem meine Nähe. Diese Momente schenken auch mir sehr viel Liebe.

Es ist mir unheimlich wichtig, dass es Sky gut geht und sie ein glücklicher Hund ist. So ein treues Lebewesen wie sie ist, so etwas findet man extrem selten. Wir gehen durch dick und dünn. 

Ich werde immer für Sky da sein und setze alles daran, dass es ihr gut geht. Auch Tiere können solidarisch sein, ich persönlich denke, manchmal sogar noch solidarischer als ein Mensch. Bei Sky gibt es keine Tabus, sie sieht mich als ihr Frauchen, Rollstuhl hin oder her. Auch schlechte Phasen können wir mit Hilfe meiner Mutter überstehen. Sky bleibt auf mich fixiert, auch wenn sie eine Zeit lang nicht mit mir, sondern mit meiner Mutter oder meiner kleinen Schwester Gassi geht. Wenn ich dann jeweils in die Reha nach Basel muss, bricht es mir immer das Herz. Mich von ihr zu verabschieden, fällt mir unheimlich schwer.

Die Nähe zu Sky ist unbeschreiblich wichtig für mein Leben. Sie gibt mir das Gefühl, gebraucht zu werden, ein Gefühl, das ohne eine Arbeitsstelle oft nicht da ist. Ihre liebevolle Art, aber auch ihre wilde Seite gehören zu ihr, für mich ist sie perfekt, genauso, wie sie ist. Sie bringt mich so oft zum Lachen und lässt so die Sonne in mein Herz scheinen.

Sky und ich, wir haben uns gesucht und gefunden. Es kommt mir so vor, als seien wir für einander bestimmt. Auch wenn ich nicht zu 100% weiss, wie es sich anfühlt, selber Kinder zu haben, so habe ich trotzdem sehr starke Gefühle für Sky, irgendwie auch so ähnlich wie eine Mutter.

Sky ist mein Leben, sie macht mich zu einem besseren Menschen. Wir sind ein Dreamteam, ein Herz und eine Seele, für immer unzertrennlich! Ich liebe sie von ganzem Herzen! 

Luana


Lattmann & Luana: ER war selfmade Himmelsstürmer und dirigierte als Aviatik-Manager eine Flotte von Business-Jets, ehe die MS ihm ein temporäres Grounding bescherte. SIE schlug als Jugendliche Belinda Bencic auf dem Tennis-Court, jetzt wehrt sie sich tagtäglich gegen den Versuch der MS, sie in die Knie zu zwingen. Oliver R. Lattmann (55) und Luana Montanaro (28) schreiben aus völlig unterschiedlichen Perspektiven über eine Sache: Ihre MS. Wie und wo sie im Alltag auf Verständnis und Solidarität treffen. Oder auch nicht. Und welche Hindernisse und Tabus ihnen rund um die unheilbare Krankheit MS in der Welt draussen (noch immer) begegnen. Lattmann & Luana sind #MiteinanderStark und unser Autoren-Team für den Welt MS Tag 2021.

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