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Ein anderer Mensch, ein besserer Mensch?

Die letzten drei Jahre habe ich wahnsinnig viel gelernt, in dem Mass, wie ich meine Psyche, meine Vergangenheit und meine MS begriffen habe. Ein immenser Lernfaktor.

In meinem Alter, 50 plus, heute, ich bin froh und dankbar, dass ich diese Erfahrungen mit der MS machen durfte, sie hat mir sehr viel genommen, aber sie hat auch mir auch sehr viel gegeben. Persönlich viel gegeben.

Ich muss es so sagen: Die MS hat mich zu einem besseren Menschen gemacht.

Ich war kein schlechter Mensch, ich habe nichts Schlechtes getan. Ich konnte jedem ins Gesicht schauen. Ich habe niemanden betrogen, belogen, niemandem etwas weg genommen. Aber ich möchte nicht mehr der sein, der ich mit 25 oder 35 war.

Ich hatte auch Charakterzüge, die rückblickend nicht vorteilhaft waren. Die sicher auch für die Partnerschaften nicht von Vorteil waren, da hatte ich auch meinen Beitrag geleistet, dass die in die Hosen gingen.

Hätte ich meinen Erfahrungsschatz von heute mit 25 gehabt, wäre vieles anders gelaufen, beruflich wie privat… Aber ich hatte ihn nicht.

Deshalb muss ich der MS dankbar sein, für den «Lebens-Schatz», die Summe der Erfahrungen, die ich ohne MS ganz sicher nicht gemacht hätte. Ich wäre nicht an dem Punkt, an dem ich heute bin…  

Von daher hat die MS auch sehr, sehr, sehr viel gute Seiten gehabt. So schlimm die MS psychisch reinhaut und zerstörerisch wirken kann – sie kann sogar die Basis sein, dass du zum Zombie wirst - genauso aufbauend kann sie auch sein.

Meine Wertschätzung für das Leben ist grösser geworden. Wenn man die MS hat, kommt man an einen Punkt, an ein Ziel, das man sonst nicht erreicht hätte. Mit der MS kann ich umgehen, mit einem Hirntumor wäre ich aus dem Rennen. Vorgestern hat mich ein Bekannter angerufen. Schlaganfall. Ich würde nicht tauschen wollen, da habe ich gerne meine MS.

Oliver R. Lattmann


Lattmann & Luana: ER war selfmade Himmelsstürmer und dirigierte als Aviatik-Manager eine Flotte von Business-Jets, ehe die MS ihm ein temporäres Grounding bescherte. SIE schlug als Jugendliche Belinda Bencic auf dem Tennis-Court, jetzt wehrt sie sich tagtäglich gegen den Versuch der MS, sie in die Knie zu zwingen. Oliver R. Lattmann (55) und Luana Montanaro (28) schreiben aus völlig unterschiedlichen Perspektiven über eine Sache: Ihre MS. Wie und wo sie im Alltag auf Verständnis und Solidarität treffen. Oder auch nicht. Und welche Hindernisse und Tabus ihnen rund um die unheilbare Krankheit MS in der Welt draussen (noch immer) begegnen. Lattmann & Luana sind #MiteinanderStark und unser Autoren-Team für den Welt MS Tag 2021.

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