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ECTRIMS: Das Schweizer MS Register am grössten Wissenschaftskongress zu Multipler Sklerose

Zwischen dem 10. und dem 13. September 2019 fand einer der weltweit wichtigsten Kongresse zur MS-Forschung in Stockholm statt. Etwa 10'000 Teilnehmende aus der ganzen Welt tauschten während drei Tagen die neusten Erkenntnisse zur Entstehung und Behandlung von MS aus. Mittendrin: Das Schweizer MS Register.

PD Dr. Viktor von Wyl, Leiter Schweizer MS Register, am Ectrims Kongress in Stockholm

Das Schweizer MS Register war am Kongress mit insgesamt drei Arbeiten vertreten. Dies ist nicht selbstverständlich, denn alle gezeigten Projekte durchlaufen ein Auswahlverfahren aufgrund wissenschaftlicher Kriterien durch die Kongress-Organisatoren.

Bei einem der drei Projekte ging es um das Thema des Erstdiagnose-Gesprächs, welches unter der Leitung von Dr. Christian Kamm am Luzerner Kantonsspital durchgeführt wurde. Für MS-Betroffene ist das Gespräch, in dem die Diagnose gestellt wird, ein sehr einschneidender Moment. Aus diesem Grund wurden in einer früheren Umfrage des MS Registers die Teilnehmenden nach positiven, beziehungsweise   negativen Aspekten beim Diagnosegespräch befragt. Mithilfe dieser Daten war es Dr. Christian Kamm möglich aufzuzeigen, dass die Zufriedenheit mit dem Erstdiagnose-Gespräch steigt, wenn dafür genügend Zeit eingeplant wurde (20 Minuten oder mehr), Angehörige anwesend waren und gemeinsam über mögliche Therapieoptionen entschieden wurde.

Ein weiteres Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Schweiz. MS-Kohortenstudie entstanden. Es untersucht, inwiefern neue Biomarker (also messbare Merkmale), wie beispielsweise Serum Neurofilamente zur Messung von Beschädigungen bei Nervenzellen, auch mit der von Betroffenen selbst wahrgenommenen Lebensqualität zusammenhängen. Die Analyse zeigt, dass bei 66 Personen, welche sowohl im MS Register wie auch in der Kohortenstudie teilnehmen, höhere Biomarker-Werte auch mit einer verminderten Lebensqualität einhergehen. Dies ist nicht überraschend, denn mit fortschreitender MS nehmen auch die Beschädigungen an den Nervenzellen und die MS-Symptome zu. Dieses Ergebnis bestätigt somit auch frühere Ergebnisse, dass die Bestimmung von Serum Neurofilamente tatsächlich hilfreich für die klinische Praxis sein könnte.

Die dritte Studie, welche in Zusammenarbeit mit Dr. Anke Salmen vom Inselspital Bern durchgeführt wurde, nutzte die Daten von 1360 Register-Teilnehmenden.

Dabei wurde untersucht, inwiefern die Häufigkeit von Einschränkungen der Gehfähigkeit (einem typischen MS-Symptom) oder die Entstehung von zusätzlichen Erkrankungen (Komorbiditäten) wie Bluthochdruck oder Diabetes durch das Alter, beziehungsweise durch die Dauer der MS-Erkrankung beeinflusst werden. Es zeigte sich, dass die Häufigkeit von weiteren Erkrankungen in erster Line durch die Alterung, nicht aber durch die Dauer der MS beeinflusst werden. Im Gegensatz dazu hängen Einschränkungen der Gehfähigkeit hauptsächlich mit der Dauer der MS-Erkrankung zusammen, aber nur bedingt mit dem Alter.  Diese Erkenntnisse sind für behandelnde Ärzte wichtig: Denn mit zunehmendem Alter können bei MS-Betroffenen weitere Erkrankungen auftreten, die zwar nicht direkt eine Folge der MS sind, aber die Behandlung erschweren können.

Die drei präsentierten Arbeiten stiessen auf grosses Interesse. Im Abschlussvortrag des Kongresses wurde das Projekt zur Alterung und Komorbiditäten gar als Highlight erwähnt. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Schweizer MS Register auf einem guten Weg ist.

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