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An der Aare

«Was ist mit meinen Beinen los, meine Güte, ich kann mich kaum mehr fortbewegen». Meine Kolleginnen vom Turnverein versuchen mich zu stützen, aber die Beine versagen ihren Dienst. Zum Glück ist die nächste Sitzbank ganz nahe.

Wacklig sehe ich mich um und versuche, irgendwie schlau zu werden. Meine Kolleginnen finden, ich hätte einen Nerv eingeklemmt und versuchen, meine Beine zu massieren. Ohne spürbaren Erfolg! 

Wir befinden uns mitten in einem Naturschutzgebiet und der nächste Treffpunkt, ein Restaurant, befindet sich in etwa 5 Kilometer Entfernung. Da ist guter Rat teuer!

Da, nach ein paar Minuten fährt doch plötzlich ein roter Personenwagen durch diese autofreie Gegend. Zögernd winke ich dem Fahrer und versuche so auf mich aufmerksam zu machen. Freundlicherweise hält er an und fragt, ob er helfen könne. Ich stottere etwas von einem schmerzenden Knie und frage um eine Mitfahrt. Gerne nimmt er mich mit, bis zu dem besagten Restaurant.

Während der Fahrt erklärt er mir, dass seine Familie seit Jahrzehnten berechtigt sei, zum eigenen Fischerhäuschen an die Aare zu fahren.

Beim Restaurant frage ich ihn, was ich ihm schuldig sei, doch er lehnt jede Bezahlung ab.

Während ich im Gartenrestaurant über mein Erlebnis nachdenke, beschleichen mich ungute Gefühle.

Nach und nach treffen auch meine Kolleginnen ein und erkunden sich nach meinem Befinden. Es geht wieder etwas besser, und zum Glück wartet das Schiff auf uns.

Zu Hause lässt mir das Vorgefallene keine Ruhe. Eine Kollegin, eine Kinesiologin, rät mir, mich von einem Neurologen untersuchen zu lassen.

«Es ist Multiple Sklerose», ruft mir die Ärztin in den Computertomographen. Für mich bricht eine Welt zusammen und die Tränen fliessen in Strömen. «Warum rufen Sie mir so was Schreckliches noch während der Untersuchung zu?», frage ich. Ihre Antwort lautet, sichtlich erleichtert: «Ich hatte die Befürchtung, Sie hätten einen Hirntumor.»

Seither sind 20 Jahre vergangen. Nach der ersten schlimmen und verzweifelten Zeit fasste ich mit Hilfe meiner Familie langsam wieder Mut. Das Leben geht weiter.

Die zuversichtliche Lisbeth*

Lisbeth ist 67 Jahre alt. Im Alter von 46 bekam sie die Diagnose MS. Endlich hatten die Gehbeschwerden einen Namen. Heute ist die Laufzeit mit Stöcken auf 15 bis 20 Minuten beschränkt, Spasmen und Gleichgewicht sind auch Themen, die Aufmerksamkeit verlangen, aber mit grosser Dankbarkeit blickt sie auf ein erfülltes Leben zurück, mit vielen Hochs und einigen Tiefs.

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