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60 Jahre Hilfe für MS-Betroffene

Samstag, 1. Juni 2019 war die BernExpo Schauplatz der 60. Mitgliederversammlung der Schweiz. MS-Gesellschaft. Die Jubiläumsveranstaltung bewegte sich in einem gelungenen Spannungsbogen aus Fakten, Feiern, Rückblick auf Geleistetes – aber auch Vorschau auf zukünftige Herausforderungen. 

Gratulationen und Grussbotschaften

Präsidentin Prof. Dr. Rebecca Spirig eröffnete den Gratulationsreigen: 60 Jahre, das sei allein schon ein Grund, ein Fest zu feiern. Zumal es zusätzlich eine Reihe von Dingen zu zelebrieren gäbe, die 2018 besser geworden seien. Die organisatorischen Abläufe zum Beispiel, um Spendengelder noch effizienter einsetzen zu können. Oder das MS-Register, das immenses Wissen bereitstelle. Direktorin Patricia Monin gratulierte auch und gab einige ihrer Highlights preis: 60 Jahre und die Mitgliederversammlung an sich, vor allem aber auch den Erwerb des SQS-Siegels. Nach Aussen ein Qualitätsbeweis, nach Innen eine Quelle vieler Erkenntnisse. Oder die laufende Rosen-Spendenaktion zum Welt MS Tag, mit der man zukunftsweisend digitales Neuland betreten hat. Die «fünffache Frauenpower» komplettierten von der Regionalgruppenkommission Florence Malloth, Rafaela Zysset und Therese Lüscher.  60 Jahre Herzblut und Energie, 60 Jahre, in denen man viel erreicht habe. Grund, ein wenig stolz zu sein, innezuhalten, bescheiden zu feiern – um sich dann mit ungebrochenem Elan neuen Herausforderungen zu stellen.

Konzentrierte Arbeit

Der statutarische Teil war geprägt von Harmonie und dem spürbaren Wunsch, dem geselligen Teil zügig näher zu kommen. Präsidentin Rebecca Spirig beschrieb die SMSG als finanziell in guten Händen und zukunftsorientiert. Quästor Dr. Gilles de Weck attestierte, die Gesellschaft erreiche mit den vorhandenen Mitteln sehr viel für Betroffene mit MS und dankte den Mitarbeitenden und den Mitgliedern für Ihr Vertrauen. Alle Traktanden wurden von der Versammlung einstimmig angenommen, «so schnell wie noch nie», wie Rebecca Spirig mit einem Augenzwinkern feststellte.

Zeit zu feiern

Chef de Cuisine René FMaeder von der Gilde etablierter Schweizer Gastronomen und seine Crew zauberten Regionales auf die Teller der Versammelten und dann kam der feierliche Moment, an dem das 400-fache Klingen von Cupli-Gläsern den Saal füllte. Manch eine/r wischte sich da verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Zu «Happy Birthday» von Stevie Wonder wurde auf die letzten 60 Jahre angestossen. Sich feiern lassen durften auch fünf Regionalgruppen: Seit 20 Jahren engagieren sich Arc-en-Ciel und Berner Seenland, seit sogar 40 Jahren Payerne, Einsiedeln und Biennen. Allen Regionalgruppen wurde von Therese Lüscher und Florence Malloth ein riesiges Dankeschön ausgesprochen. Sie waren, sind und werden immer ein ganz wichtiger Bestandteil im Kampf gegen MS sein.

Herausforderungen am Horizont

Der folgende «Round Table», von Moderator Lukesch als «geballte Ladung an Knowhow» vorgestellt, griff aktuelle medizinische und gesellschaftliche Fragen auf, die die Mitglieder bewegen. Fatigue, Spasmen/Schmerzen, Forschungsfortschritte: Vorstandsmitglied Professor Andrew Chan betonte, MS sei die Krankheit der 1000 Gesichter.  Aber jeder noch so kleine Erkenntnisgewinn führe näher zum Ziel: «Ich erkenne, welches der 1000 Gesichter sich bei einem bestimmten Patienten zeigt. Und ich weiss, welche Therapie die beste für dieses Gesicht ist.» Fortschritt sei auch, Lebensqualität zu verbessern. Dr. Christoph Lotter, Vizedirektor, erläuterte einen der Gesamtwirtschaft geschuldeten Trend, Spenden-Budgets zu prüfen. Für die Schweiz. MS-Gesellschaft, die sich zu 80% aus Spenden finanziert, eine Herausforderung. Die nicht dadurch kleiner wird, dass auf dem zunehmend kompetitiven Spendenmarkt neue, international agierende Player unterwegs sind. Fragen gab es auch zur Rolle des Staates. Leistungsverträge hätten sich historisch entwickelt, erläuterte Patricia Monin, würden gegenwärtig aber neu verhandelt. «Daumen drücken» könne nichts schaden. Therese Lüscher betonte final nochmals den Beitrag der RGs: Das seien keine «Jammergruppen», im Gegenteil, die Krankheit sei ganz selten Thema, im Zentrum ist die positive Alltagsbewältigung.

Ausgezeichnet

Abschluss der Versammlung war die Verleihung der MS-Preise: Claude Vaney, Jury-Präsident, beschrieb die Qual der Wahl, aus vielen Bewerbern die Preisträger auszuwählen. Gut, habe man mittlerweile drei Kategorien zu vergeben. In der Kategorie «Betroffene» wurde Martina Tomaschett ausgezeichnet, die sich seit langem in der Regionalgruppe Graubünden einbringt. Bescheiden rief sie den Gästen zu: «Ihr alle hättet den Preis verdient». In der Kategorie «Angehörige» wurden Fanny und Niggi Bräuning gewürdigt. Die Filemacherin portraitierte in «Immer und ewig» ihre Eltern, die es sich trotz aller Einschränkungen der MS nicht nehmen liessen, eine Europa-Reise anzutreten. «Wir reisen jetzt seit 52 Jahren, daran kann uns auch die MS nicht hindern.» In der Kategorie «Benefizveranstaltungen» gewannen Aurélie Cavin und Sabine Blatti, Organisatorinnen der gut besuchter Gala SEP'ossible!, deren Erlöse MS-Betroffenen zu Gute kommen. Zwei junge Menschen, eine Wahl mit Symbolwert. Damit es besser wird. Auch die nächsten 60 Jahre.

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