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Vater sein und die MS - ich bin da!

Im Frühling an einem Samstagmorgen, 9 Uhr, die Koffer gepackt, Rollstuhl eingeladen, Hotel gebucht und Tickets gekauft, kurz nach Höhe Brünigpass: «Papa, können wir bei der nächsten Tankstelle anhalten?»

Und dann kommts: «Papa es geht nicht, fahren wir zurück?». Ja sicher, kein Problem. Die MS hat sich mit Nachdruck bemerkbar gemacht, das Weekend im Tessin ist gestrichen.

Wie leid es mir für meine Tochter tut. Ein Schlag ins Gesicht, wieder einmal abbrechen, traurig zurückfahren. Und ich kann meiner Tochter nicht helfen, keine Chance etwas zu tun.

Vater werden ist einfach, Vater sein ist schwer, wir haben es aber versucht - und ich war da!

Im Spätsommer, an einem Sonntagnachmittag, 14:30 Uhr, Airport Neapel, im Süden von Italien, Ankunftsterminal.

Und da kommt sie angerollt, mit ihrem Hund Sky. Ganz alleine im Rollstuhl und ohne Begleitperson, für zweiwöchige Ferien im zweiten Heimatland. Mein Herz schlägt voller Freude.

Vater werden ist einfach, Vater sein ist schön - und ich war da!

Die Diagnose MS vor 10 Jahren war ein harter Schlag. Das war keine Verletzung oder leichte Krankheit, bei der ein Vater mehr oder weniger tröstend, unterstützend helfen kann und es wieder gut kommt.

Nein, als Vater ist man bei dieser Krankheit völlig hilflos, traurig und verunsichert. Man muss selber lernen mit dem Leid der eigenen Tochter umzugehen, die eigenen schweren Gedanken zu verdrängen, einen eigenen Weg finden, um zu helfen wenn es nötig ist und von der eigenen Tochter gewünscht wird.

Es ist schwierig - und doch kann ich die Kraft finden um Vater zu sein, einfach Vater sein, einfach immer wieder versuchen, mit meiner Tochter etwas zu unternehmen und zu erleben.

Ich bin Vater - und ich bin da!


Lattmann & Luana: ER war selfmade Himmelsstürmer und dirigierte als Aviatik-Manager eine Flotte von Business-Jets, ehe die MS ihm ein temporäres Grounding bescherte. SIE schlug als Jugendliche Belinda Bencic auf dem Tennis-Court, jetzt wehrt sie sich tagtäglich gegen den Versuch der MS, sie in die Knie zu zwingen. Oliver R. Lattmann (55) und Luana Montanaro (28) schreiben aus völlig unterschiedlichen Perspektiven über eine Sache: Ihre MS. Wie und wo sie im Alltag auf Verständnis und Solidarität treffen. Oder auch nicht. Und welche Hindernisse und Tabus ihnen rund um die unheilbare Krankheit MS in der Welt draussen (noch immer) begegnen. Lattmann & Luana sind #MiteinanderStark und unser Autoren-Team für den Welt MS Tag 2021.

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