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Pasta, Glace, Abenteuer: Ein Tag im Kindercamp

7.44 Uhr: Eine der letzten ruhigen Minuten im jk-Haus Zweierhof in Schönenberg ZH. 7.45: Kinderhände hämmern das Intro zu «Pirates of the Carribean» in eine Klaviertastatur. Der heutige Weckruf für 30 Kinder und 8 Betreuungspersonen im Kindercamp 2019.

Die Kids, zwischen 7 und 16 Jahre alt und zum grössten Teil aus der Deutschschweiz, könnten unterschiedlicher kaum sein. Von einem freien Bauernhof hinter Luzern mit Säuli, Hasen, Meerschweinchen, wie er stolz erzählt, kommt der eine, aus dem 15. Stock eines Zürcher Hochhauses die andere. Archäologin will Layla werden, Landmaschinenmechaniker Nicolas, YouTuberin Sandra und Marvin erst mal gar nichts. Was alle vereint: Sie haben ein Elternteil, das an Multipler Sklerose erkrankt ist.

Ist MS ein Thema unter den Jungs und Mädchen im Camp? «Nur manchmal», sagt Leonie und schaut für einen Moment ernst, «wenn jemand Neues kommt.» Oder vielleicht, wenn man vor dem Einschlafen noch mit der besten Kollegin flüstert. Davon ab: Zöpfe, Bauchweh, Rap und Stylingtipps… für alle Fragen und Geheimnisse sind Jasmina, Milena und Svenja da, die Leiterinnen. Auch zu MS. Aber es geht in erster Linie darum, den Kids zusammen mit den fünf freiwilligen Helfenden eine unbeschwerte, coole Woche Abenteuer zu schenken. Für viele der Kinder ist der kostenfreie Aufenthalt ein Ferienersatz, eine Chance, den oft von der Krankheit des Elternteils geprägten Alltag hinter sich zu lassen. Umgekehrt werden die Eltern entlastet, können sich eine Auszeit gönnen.

Langeweile ist ein Fremdwort

7.46 Uhr: Sobald das Klavier verstummt, verwandelt sich das stille Haus in einen summenden Bienenkorb, geht es treppauf, treppab, mischt sich Gelächter und Geschirrgeklapper in der Frühstücksvorbereitung. So wie sich die schlichten, aber gemütlichen Zimmer leeren, so füllt sich die rustikale Stube, in der alle Mahlzeiten eingenommen werden. Um 8.15 Uhr steht das Frühstück auf dem Tisch, ist das erste «Ämtli» der heute verantwortlichen Gruppe erledigt. Natürlich gibt es Regeln. Manche sind Standard, wie die Finken-Pflicht, andere, wie «keine Gegenstände aus den Fenstern werfen»,  beruhen wohl auf früheren Erfahrungen. Und es braucht klare Ansagen, wie die von 8.45 Uhr. «Treffpunkt zum Fussball, Basketball, Breakdance um Viertel nach Neun vor dem Haus, bitte alle mit Sonnencreme, Kappe und gefüllter Wasserflasche.»

Läuft. Pünktlich geht es los und 9.30 lauschen alle den fachkundigen Instruktionen ihrer sportlichen Betreuungspersonen. Aber gechillt geht es zu. Was man von Dominik in der Zweierhof-Küche nicht behaupten kann. 11 Uhr wirft er die vier Platten des überdimensionierten Herds an, schliesslich sind ab 12 Uhr jede Menge löwenhungrige Mäuler zu stopfen. Fünf Kilo Pasta sind dazu nötig, zusätzlich 2,5 Kilo Fleisch und Unmengen an Tomatensosse. Vegetarische Sosse und Pesto nicht zu  vergessen.  Gut, hat der Koch schon beim Militär für 600 Menschen Leckeres auf die Teller gezaubert.

Nach dem erfolgreichen Z’Mittag vergeht der Rest des Tages wie im Flug. Urban Golf begeistert alle den Nachmittag über, zum Z’Nacht überzeugen Salate, Olma-Bratwürste und marinierte Poulet-Flügeli vom Grill. Den kulinarischen Abschluss bildet das Dessert, heute wettergerecht ein Glace. Es versüsst auch ein wenig den temporären Abschied von den Handys, die zu Gunsten einer guten Nacht eingesammelt werden. 22 Uhr gehen die Lichter aus. Und das Kopfkino an. Bestimmt träumt jemand von der Badi, die am nächsten Tag kühles Highlight sein wird.

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