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MS-Forschung: Neues Verfahren zur Früherkennung von Sehstörungen

Sehstörungen, bedingt durch die Entzündung eines Sehnervs, gehören zu den häufigen Symptomen einer Multiplen Sklerose. Ein neu entwickeltes hoch empfindliches MRT-Verfahren könnte helfen, Sehstörungen in Zukunft viel genauer zu nachzuweisen. Die Schweiz. MS-Gesellschaft hat das Forschungsprojekt finanziell unterstützt.

Sehstörungen, verursacht durch die Entzündung eines Sehnervs, gehören zu den bei einer Multiplen Sklerose (MS) häufig auftretenden Symptomen. In vielen Fällen stellen sie das erste Anzeichen der Erkrankung dar. Bei mikroskopischen Gewebeuntersuchungen finden sich MS-typische Veränderungen aber nicht nur im Sehnerv, sondern oft auch in bestimmten Bereichen des Gehirns, die ebenfalls am Sehvorgang beteiligt sind. Dies unabhängig davon, ob es einmal zu einer Sehnerventzündung (Optikusneuritis) gekommen war oder nicht.

Aktuell werden die Strukturen der vorderen Sehbahnen (Sehnerven und bestimmte, am Sehvorgang beteiligte Hirnbereiche) bei der Diagnose und den Verlaufskontrollen einer MS nicht systematisch mittels bildgebender Techniken wie der Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht. Einer der Gründe dafür ist, dass das bisher eingesetzte MRT-Verfahren nicht empfindlich genug war, um solche Veränderungen auch zuverlässig abzubilden.

Hoch empfindliches MRT entwickelt

Am Neurozentrum der italienischen Schweiz in Lugano hat PD Dr. med. Emanuele Pravatà zusammen mit Kolleginnen und Kollegen ein neues MRT-Verfahren konzipiert, das 3D-2T-STIR-ZOOMit. Dieses ist sehr viel empfindlicher als das Bisherige. Im Rahmen eines von der Schweiz. MS-Gesellschaft und anderen Geldgebern unterstützten experimentellen Forschungsprojekts wurden mit diesem Verfahren 48 Personen mit MS und 19 gesunde Kontrollpersonen untersucht. Bei der Auswertung des Bildmaterials konnten die Forschenden feststellen, dass das neue, hoch empfindliche MRT-Verfahren in der Lage war, eine sehr viel höhere Anzahl an Veränderungen in den vorderen Sehbahnen nachzuweisen, als das bisher verwendete. Sie wurden dabei auch bei Betroffenen fündig, die keine zu den Veränderungen passenden Symptome aufwiesen sowie bei Betroffenen, die bisher noch keine Entzündung des Sehnervs durchgemacht hatten. Die Auswertung des Bildmaterials der gesunden Kontrollpersonen ergab zudem, dass das Risiko, mit der neuen Methode zu einem falschen Untersuchungsresultat zu kommen, sehr gering war.

Frühere Diagnose und bessere Verlaufskontrolle

Da neben der MS noch weitere Erkrankungen zu Veränderungen in den vorderen Sehbahnen führen können, ist die Forschergruppe der Meinung, dass der Einsatz des 3D-2T-STIR-ZOOMit dazu beitragen könnte, rascher die richtige Diagnose zu stellen und so auch früher die passenden Therapie einzuleiten. Bevor diese Option jedoch den Patienten angeboten werden kann, sind weitere Forschungen erforderlich; im Moment ist sie nur im Rahmen von Forschungsstudien verfügbar. Daneben könnte das Verfahren bei Personen mit bestätigter MS-Diagnose dazu eingesetzt werden, den Verlauf der Erkrankung genauer zu überwachen und so nötigenfalls die Behandlung anzupassen.

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