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Interview: «Die Welt geht nicht unter, auch wenn man einmal aus dem Hamsterrad austritt»

Einem ganz grossen Publikum ist er als Tatort-Kommissar «Reto Flückiger» bekannt. Nachdem er die Rolle zehn Jahre gespielt hat, verabschiedet sich Stefan Gubser 2019 von ihr. Auch, um Zeit für neue, spannende Ideen zu haben. Eine davon: Erzähler von «Babar, dem kleinen Elefanten» beim Benefizkonzert der MS-Gesellschaft.

Herr Gubser, 2019 kommt das Aus für Kommissar «Reto Flückiger». Freude. Trauer. Welches Gefühl überwiegt?
Eindeutig Freude, da ich wieder mehr Zeit habe, um mich um andere Projekte zu kümmern. Nach 10 Jahren ist es Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Zehn Jahre «Tatort». Was war die witzigste Szene, die wir nie gesehen haben, weil sie rausgeschnitten wurde?
Jean Pierre Cornu, der meinen Chef spielte, und ich sind zwei ziemliche Lachwurzen, wie wir im Theater sagen. Wenn man etwas übermüdet ist, kann es leicht passieren, dass man wegen irgendeinem Blödsinn einen Lachanfall bekommt. Uns ist es zweimal passiert, dass wir eine grössere Pause machen mussten während der Dreharbeiten, da wir ständig losgeprustet haben vor Lachen, sobald die Kamera lief.

Ein Tatort-Kommissar mit Multipler Sklerose: Eine denkbare und reizvolle Rolle für Sie?

Eine Rolle mit einem Handicap zu spielen ist einerseits reizvoll, beinhaltet aber andererseits auch, dass man dies sehr gut vorbereitet und recherchiert. Das Wichtigste dabei ist, dass man diesen Menschen dann auch wirklich gerecht wird.

In welcher Literatur-Verfilmung würden Sie gerne mitspielen?

«Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert» von Joel Dicker. Nur wurde das Buch leider schon verfilmt. (lacht)

Ihr Märchenbuch «Di gschtifleti Gans»: Nur ein kurzer Ausflug in die Welt der Bücher oder eine Option für die Zukunft?

Ich habe die Märchen nur mit meiner Frau übersetzt und sie nachher auf eine CD eingelesen. Als Autor tauge ich nicht, das sollen die machen, die es können, wie zum Beispiel eben Joel Dicker.

Würden Sie Ihrer Tochter Stefanie eine Schauspieler-Karriere empfehlen?
Ich habe sie ihr in jungen Jahren ausgeredet. (lacht)

Im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen: Glaube, Philosophie, Menschen... Was hilft Ihnen?
Ich meditiere jeden Tag 20 Minuten, das hilft schon mal einiges.

Bereuen Sie, eine bestimmte Chance im Leben nicht genutzt zu haben?

Wenn überhaupt, bereue ich höchstens, dass ich als 12-Jähriger mit Klavierspielen aufgehört habe, weil ich zu faul zum Üben war.

Wenn Sie ab morgen einen komplett neuen Job ausüben müssten, was wäre ihr Wunschberuf?

Früher wollte ich immer Astronaut werden, heute würde ich wohl eher Medizin studieren und Hausarzt werden. Ich glaube, das ist ein sehr erfüllender Beruf, auch wenn man damit vermutlich nicht gerade reich wird – was man übrigens von einem Schauspieler hierzulande auch nicht behaupten kann. (lacht)

Was würde auf Ihrer Bucket-List der letzten fünf Dinge stehen, die Sie erleben möchten?
Mit einem Offroadcamper in Alaska durch die Wildnis gondeln, Geschichte studieren, mit einem Segelboot den Pazifik durchqueren, mit einer Top-Produktion im Madison Square Garden auftreten und in einem Film von Marc Forster mitspielen… Man darf nie aufhören zu träumen. (lacht)

Gibt es die ganz grosse Liebe?

Definitiv ja, kommt nur darauf an, was man darunter versteht. Und wie gross die Bereitschaft ist, einen Menschen so zu akzeptieren, wie er ist.
 
Sie waren auf einem Frachtschiff unterwegs, segelten mehrere Monate um die Welt. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Die Welt geht nicht unter, auch wenn man einmal aus dem Hamsterrad austritt – kann ich jedem nur empfehlen. (lacht)

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