Corina war unser drittes «Gesicht der MS». Hier schenkt sie uns den ein oder anderen Einblick, wie sich ihr Leben seit Dezember 2019 entwickelt hat. Wie damals, in ihren eigenen Worten, ungefiltert, ohne Skript.
Corina, Du im Hier und Jetzt 2026: Wie würdest du dich in einem, oder auch zwei, drei Sätzen beschreiben?
Ich bin Mami von zwei wunderbaren Jungs. Lebe nun seit 15 Jahren mit der Diagnose MS. Ich versuche, ein fröhlicher, lustiger und positiver Mensch zu sein.
Wie hat sich «deine» MS seit dem Porträt in «Gesichter der MS» verändert?
Leider nicht so positiv. Die Fatigue und der Brain Fog sind immer Teil meines täglichen Kampfs. Auch mit Medikamenten. 2025 bekam ich noch zusätzlich die Diagnose Morbus Basedow. Und 2026 hatte ich plötzlich «stromartige» Nervenschmerzen im Gesicht, die mir den Boden unter den Füssen weggezogen haben. Danach wurde die Diagnose Trigeminusneuralgie gestellt. Und dazu kamen noch Spastiken im Kaumuskel. Auch dafür muss ich Medikamente nehmen. Aber dank diesen geht es mir so viel besser.
Wie gehst du im Kopf und mit dem Herz damit um?
Das werde ich vielleicht in dem nächsten Rückblicks-Beitrag in einigen Jahren beantworten können. Hier und heute kann ich es nicht, da ich es wirklich nicht weiss. Ich mache einfach weiter.
Was sind privat/beruflich die grössten Veränderungen seitdem?
Ich habe 2022 meinen ersten Sohn bekommen und 2024 den zweiten. Ich liebe es, Mutter zu sein. Und meine Familie, mit meinem Mann und unserem Hund macht mich sehr glücklich. Ich arbeite immer noch in einem 10- bis 20%-Pensum. Auch dies tut mir gut.
Hättest du etwas viel früher tun sollen? Oder lassen?
Oh ja – und zwar, mich nur auf mich und meine Familie zu konzentrieren. Und Menschen, die mir guttun. Und mehr auf meinen Körper hören, wenn dieser «STOPP» sagt. Und ja, er sagt sehr oft «STOPP». Aber dies habe ich mehr oder weniger akzeptiert.
An meinem Spiegel im Bad hängt ein Text: «Vergleiche dich nicht mit gesunden Menschen!»
Der Text hat mir sehr geholfen. Vor allem in der Rolle als Mutter. Da ich mich oft verglichen habe mit anderen. Auch mit Freunden. Nun habe ich dies voll akzeptiert. Und es geht mir viel besser!
Auch mit meinem Sohn rede ich über die MS. Da er mich oft fragt, warum ich nicht Auto fahren kann. Da habe ich ihm erklärt, dass das wegen meiner MS nicht geht. Weil die meine Augen schlecht macht! Da hat er gesagt: «Oh,so blöd. Aber mit dem Zug fahren isch au cool».
Mit nun einigen Jahren mehr Lebenserfahrung. Welchen Rat hast du heute für jemand, der ganz frisch die Diagnose MS bekommen hat?
«Egal wie lang die dunklen Seiten des Lebens andauern – kein Zustand bleibt für immer. Es wird wieder hell.»
Was macht dir heute Angst in Bezug auf die MS? Was gibt dir Hoffnung?
Angst macht mir natürlich die Trigeminusneuralgie. Und, dass meine Augen noch schlechter werden könnten. Aber Hoffnung gibt mir, dass ich – trotz allem, was mir die MS nimmt - ich trotzdem eine Familie habe, Kinder und einen Hund.
Wenn du heute 3 Wünsche frei hättest. Was würdest du dir wünschen?
Dass meine Familie immer Gesund bleibt. Dass mein Hund der älteste Hund der Welt wird. Dass wir chronisch kranken Menschen nie aufgeben werden zu kämpfen!
Daumen gedrückt, für alle deine Wünsche. Vielen Dank für dieses Wiedersehen, liebe Corina.
Rückblick: «Gesichter der MS: Corina Nüssli» (Dezember 2019)
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