Optische Kohärenztomographie und MS-Progression

Fachartikel

Die frühzeitige Messung und Feststellung der schubunabhängigen, schleichenden Krankheits-Verschlechterung (Progression) bei MS ist schwierig – die Nutzung der sogenannten optischen Kohärenztomographie (OCT) könnte hierbei helfen.

Hintergrund

Verschlechterungen bei MS-Betroffenen können ausserhalb eines Schubes auftreten. Diese langsame, schleichende Progression genau zu messen, ist nur eingeschränkt möglich, obwohl die frühzeitige Feststellung für die Therapiefestlegung und Entwicklung neuer Therapien sehr wichtig ist. 

Es handelt sich bei der OCT um eine einfach und schnell durchzuführende Untersuchung der Netzhaut, mit der interessante und informative Einblicke in das zentrale Nervensystem gewonnen werden können (die Netzhaut gehört trotz ihrer Lage im Auge zum zentralen Nervensystem). Es gibt gute Daten zur Verbindung zwischen OCT und zukünftiger Krankheitsaktivität (Schübe, MRI-Läsionen) und Schweregrad der Behinderungen.

Aktuelle Studie

In dieser österreichischen Studie wurden 210 MS-Betroffene erfasst. Es wurde ein OCT nach einer Therapieumstellung sowie eine weitere Vergleichsuntersuchung mehr als ein Jahr später durchgeführt. 

Es wurde analysiert, wie viele Betroffene eine Progression erlitten haben, und ob es Zusammenhänge mit den OCT-Messungen gab. Insbesondere wurde die Verkümmerung verschiedener Schichten der Netzhaut gemessen. Untersucht wurden die relevanten Schichten pRNFL (peripapilläre retinale Nervenfaserschicht) und GCIPL (Ganglienzellschicht und innere plexiforme Schicht).

Ergebnisse

23.8 % der Teilnehmenden (50 Personen) hatten im Verlauf eine Progression. Bei den von Progression betroffenen Teilnehmenden zeigte sich im zeitlichen Verlauf eine zunehmende Verkümmerung der relevanten Schichten der Netzhaut im Vergleich zu Teilnehmenden ohne Progression. Dies war insbesondere bei den Personen der Fall, die im MRI keine Hinweise auf akute Entzündungen hatten. Bei diesen Personen verdünnte sich die peripapilläre retinale Nervenfaserschicht um 0.84% pro Jahr und die GCIPL-Schicht um 0.52% pro Jahr, während in der Vergleichsgruppe diese Werte bei 0.35% und 0.52% lagen.

Fazit

Diese und weitere Studien zeigen den steigenden Stellenwert regelmässiger OCT-Untersuchungen zur besseren und individualisierten Krankheitseinschätzung bei MS, besonders im Hinblick auf die Progression. 

Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)

Association Between Retinal Layer Atrophy With Clinical and Radiologic Progression in People With Relapsing Multiple Sclerosis

Neurology. 2025;105(8):e214069