Hintergrund
Nach dem Absetzen von Fingolimod kann es bei einem Teil der Menschen mit MS zu einer erneuten Krankheitsaktivität kommen. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bisher nur unvollständig verstanden. Das Forschungsteam untersuchte daher, ob das Geschlecht dieses Risiko beeinflussen könnte.
Aktuelle Studie
Das Team kombinierte dazu verschiedene Ansätze: die Analyse von acht Studien mit insgesamt 2'579 MS-Betroffenen, Daten aus zwei grossen Melderegistern für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (Pharmakovigilanz), ein experimentelles Mausmodell sowie die Untersuchung menschlicher Hirnbiopsien.
Ergebnisse
Frauen hatten insgesamt ein höheres Risiko für eine Krankheitsreaktivierung nach dem Absetzen von Fingolimod. Dieses Ergebnis zeigte sich sowohl in den publizierten Studien als auch in den Pharmakovigilanz-Registern. Im Mausmodell war die Krankheitsreaktivierung bei weiblichen Tieren ebenfalls stärker ausgeprägt. Die Analysen deuten zudem darauf hin, dass eine unterschiedliche Regulation des Rezeptors S1PR1, der an der Wanderung bestimmter Immunzellen beteiligt ist, zu diesem Unterschied beitragen könnte.
Fazit
Das weibliche Geschlecht könnte somit ein Risikofaktor für eine Reaktivierung der MS nach dem Absetzen von Fingolimod sein. Ein besseres Verständnis dieser Unterschiede könnte zukünftig dazu beitragen, die Überwachung und den Wechsel der Therapie individueller zu gestalten.
Studienergebnisse im Kontext
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass es bei allen Frauen nach dem Absetzen von Fingolimod zu einer Krankheitsreaktivierung kommt. Vielmehr könnte das Geschlecht einer von mehreren Faktoren sein, die bei einem Therapieabbruch oder -wechsel berücksichtigt werden sollten. Weitere Studien sind notwendig, um die beobachteten Mechanismen zu bestätigen und ihre Bedeutung für die individuelle Behandlung zu klären.
Diese Forschungsarbeit wurde mit finanzieller Unterstützung der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft durchgeführt. Weitere Informationen zum Projekt.
Link zur Studie
Higher disease reactivation risk in women after fingolimod withdrawal
Publiziert in: Acta Neuropathologica Communications, 2026