Neue MS-Diagnosekriterien

Blickpunkt Forschung

Die McDonald-Kriterien für die Diagnose der Multiplen Sklerose wurden 2024 grundlegend angepasst, um eine frühere und zugleich genauere Diagnose zu ermöglichen.

Interaktive Webseite: 

Eine Forschungsgruppe der Universität Basel (Leitung PD Marcus D'Souza, PD Athina Papadopoulou, Dr. med. Ilaria Callegari, Dr. rer. nat. Jakob Kel) hat die neuen Kriterien digital visualisiert. 

Ziel ist es, die komplexen neuen Kriterien einfacher zu vermitteln und eine schnellere Überprüfung zu ermöglichen. 

Diese Webseite steht ab sofort allen Neurologinnen und Neurologen weltweit kostenlos zur Verfügung: McDonald Criteria – Global MS Research with the Neurostatus – EDSS


Webinar:

Für Interessierte bietet die MS-Gesellschaft zudem am 16. Juni 2026 ein Webinar zum Thema McDonald-Kriterien an. Info & Anmeldung: McDonald-Kriterien – Früher erkennen, besser behandeln 


Wichtigste Neuerungen der Anpassung 2024:

  • Der Sehnerv als weiterer, 5. Diagnoseort:
    Der Sehnerv kann nun als zusätzliche anatomische Region genutzt werden, wenn dort typische Läsionen nachweisbar sind.
  • Radiologisch isoliertes Syndrom (RIS):
    Ein RIS kann nun unter bestimmten Bedingungen (zunehmende Läsionen über die Zeit, typischer Befund der Lumbalpunktion, typischer MRI-Befund) als frühe Form von MS gewertet werden, was entsprechende Behandlungsmöglichkeiten erlaubt.
  • Spezifische Befunde im MRI (Zentralvenenzeichen und paramagnetische Randläsionen) erhöhen die diagnostische Genauigkeit.
  • Kappa-Freie Leichtketten (kFLC) in der Lumbalpunktion gelten als gleichwertige Alternative zu oligoklonalen Banden
  • Einheitliche Kriterien:
    Für Kinder, Erwachsene und ältere Menschen sowie für schubförmige und progrediente Verlaufsformen gelten dieselben diagnostischen Grundsätze.
  • Besondere Vorsicht bei älteren Betroffenen: 
    Zusätzliche Punkte (z. B. passende Ergebnisse von in der Lumbalpunktion, Rückenmarksläsionen, Zentralvenenzeichen im MRI) sollten vorhanden sein, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

Fazit

Die angepassten McDonald-Kriterien von 2024 ermöglichen eine schnellere und präzisere MS-Diagnose über alle Altersgruppen und Krankheitsformen hinweg. Durch den Einsatz moderner MRI-Techniken und neuer Laborparameter soll die Diagnose weltweit vereinheitlicht und das Risiko von Fehl- oder Spätdiagnosen deutlich reduziert werden.

Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)

Diagnosis of multiple sclerosis: 2024 revisions of the McDonald criteria. 

The Lancet, Neurology. 2025;24(10):850-865.