Hintergrund
Mehrere Faktoren erhöhen bekannterweise das Risiko, an MS zu erkranken – darunter eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV), ein Mangel an Vitamin D, geringe Sonnenexposition und bestimmte genetische Merkmale (z.B. das Gen HLA-DRB1*1501).
Wie genau diese Faktoren zusammenwirken, ist unklar. Es werden beispielsweise epigenetische Faktoren vermutet. Epigenetik bedeutet, dass unsere Gene durch äussere Einflüsse wie Ernährung, Stress, Infektionen oder Sonnenlicht an- oder ausgeschaltet werden können, ohne dass sich die eigentliche Erbinformation (die DNA) verändert. Diese «Schalter» steuern also, wie aktiv bestimmte Gene sind, und können beeinflussen, ob Krankheiten entstehen oder nicht.
Aktuelle Studie
In zwei Studien aus Australien («Ausimmune») und Schweden («EIMS») wurden Blutproben von insgesamt 346 MS-Betroffenen und 487 gesunden Kontrollpersonen untersucht. Dabei analysierten Forschende sogenannte epigenetische Veränderungen.
Ergebnisse
Die bekannten Risikofaktoren (EBV, wenig Sonne, niedriger Vitamin-D-Spiegel und das HLA-Gen) waren einzeln und gemeinsam mit einem höheren MS-Risiko verbunden. In beiden Studien zeigten sich zwei bestimmte Gruppen von epigenetischen DNA-Veränderungen, die einen Teil (bis zu 50%) der Verbindung zwischen diesen Risikofaktoren und MS erklärten. Diese Veränderungen betrafen vor allem Gene, die an der Immunabwehr und an Entzündungsprozessen im Nervensystem beteiligt sind, etwa Signalwege rund um Interferone und B-Zell-Aktivität.
Fazit
Epstein-Barr-Virus, niedriger Vitamin-D-Spiegel, geringe Sonnenexposition und das HLA-DRB1*1501-Gen wirken offenbar über gemeinsame epigenetische Mechanismen zusammen und tragen so zum Ausbruch von MS bei. Das Verständnis dieser gemeinsamen molekularen Wege könnte künftig helfen, MS-Risiken besser einzuschätzen und neue Behandlungsansätze zu entwickeln.
Link zur Studie
Annals of Neurology. Published online October 10, 2025
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