Schwindel bei MS

Schwindel ist ein häufiges, jedoch unspezifisches Symptom bei Multipler Sklerose, das sich sehr unterschiedlich zeigen kann – von einem leichten Unsicherheitsgefühl, zu Gangunsicherheit bis hin zu starkem Drehschwindel.

Wie tritt Schwindel bei MS auf?

Schwindel als ein Erstsymptom

Rund 21 Prozent der Betroffenen gaben in einer Umfrage des Schweizer MS Registers an, dass Schwindel eines der ersten Symptome ihrer Krankheit war. 

Da das Gleichgewichtszentrum im Hirnstamm sehr sensibel ist, können bereits erste Entzündungen ausreichen, um Schwindel auszulösen.

Schwindel als Symptom während eines akuten Schubs 

Schwindel kann auch ein Leitsymptom eines MS-Schubs sein. Im Rahmen eines MS-Schubs können Schwindelsymptome neu auftreten oder sich deutlich verstärken und in der Regel länger als 24 Stunden anhalten. 

Schubbedingter Schwindel wird oft von anderen Symptomen wie Doppelbildern oder Augenzittern begleitet.

Als Dreh- oder Schwankschwindel

Schwindel kann in unterschiedlichen Formen auftreten:

  • Drehschwindel ist die stärkste Form von Schwindel, bei der Betroffene eine tatsächliche Bewegungstäuschung erleben. Es fühlt sich für sie an, als würde sich die Umgebung karussellartig drehen. Drehschwindel verursacht deshalb oft Übelkeit und Erbrechen. Viele Betroffene berichten auch von unwillkürlichem Augenzittern (Nystagmus).
  • Schwankschwindel ist eher eine Unsicherheit der Körperhaltung. Es fühlt sich für Betroffene an, als stünden sie auf einem schwankenden Schiff. 

Manche Betroffene erleben den Schwindel auch als eine Art Benommenheit. Diese Form ist medizinisch besonders schwer einzuordnen. Viele Betroffene beschreiben den Schwindel als «Watte im Kopf». Sie fühlen sich unsicher oder haben das Gefühl, kurz vor der Ohnmacht zu stehen. Dieses Gefühl könnte auch eine Auswirkung von Fatigue sein. 

Welche Ursachen hat der Schwindel?

Durch Entzündungen im zentralen Nervensystem

Eine häufige Ursache von Schwindel bei MS sind Entzündungsherde beziehungsweise Läsionen im zentralen Nervensystem, vor allem im HirnstammKleinhirn und in den vestibulären Verbindungsbahnen.

Die vestibulären Verbindungsbahnen leiten Gleichgewichtsinformationen vom Innenohr an den Hirnstamm, das Kleinhirn sowie an die Augenmuskelkerne und das Rückenmark weiter, um eine stabile Sicht, eine aufrechte Körperhaltung und eine präzise Koordination der Bewegungen im Raum zu ermöglichen.

Als Leitsymptom bei einem akuten MS-Schub 

Da die Myelinschicht der Nerven während eines Schubs akut geschädigt wird, gerät die Informationsübermittlung zwischen dem Innenohr und dem Gehirn oft so stark durcheinander, dass das Gehirn die Signale nicht mehr korrekt interpretieren kann. Betroffene erleben dann das Gefühl, die räumliche Orientierung zu verlieren.

Auch Wärme kann Schwindel bei MS verursachen (Uhthoff-Phänomen)

Das Uhthoff-Phänomen beschreibt eine vorübergehende Verschlechterung neurologischer Symptome wie Schwindel, die durch eine erhöhte Körpertemperatur (z. B. durch Hitze, Sport oder Fieber) ausgelöst wird. Es handelt sich um eine Art «Pseudoschub», bei dem keine neuen Entzündungen entstehen, sondern die Nervenleitung temporär beeinträchtigt ist. 

Durch eine erhöhte Körpertemperatur können die Nervenimpulse, die Gleichgewicht steuernden Befehle, schlechter weitergeleitet werden. Das Gehirn erhält dadurch unvollständige oder verzögerte Informationen über die Körperlage, was zu plötzlichem Schwindel oder Unsicherheit führen kann. 

Sobald der Körper wieder abkühlt, verschwindet der Schwindel meist. 

Als Begleiterscheinung

Schwindel kann auch als Begleiterscheinung von anderen MS-bedingten Symptomen auftreten:

  • Bei Fatigue und Muskelschwäche: Wenn der Körper extrem erschöpft ist oder die Beine schwach werden, fühlen sich Betroffene oft benommen oder unsicher auf den Beinen, was häufig als Schwindel beschrieben wird.
  • Bei Sehstörungen: Schwindel entsteht oft dann, wenn das Gehirn widersprüchliche Informationen erhält. Bei MS kann eine Sehnerventzündung oder eine Störung der Augenbeweglichkeit (wie das Zittern der Augen) dazu führen, dass die visuellen Signale nicht mit dem Gleichgewichtssinn übereinstimmen. Das Gehirn versucht dann, diese widersprüchlichen Informationen zu verarbeiten, was Betroffene als Schwindel wahrnehmen können.

Als medikamentöse Nebenwirkung

Medikamente gegen Spastik, Schmerzen oder Fatigue können als Nebenwirkung Schwindel verursachen.

Wie wird MS-bedingter Schwindel behandelt?

Schwindel kann auch andere Ursachen haben, weshalb eine neurologische bzw. ärztliche Abklärung notwendig ist – insbesondere, wenn der Schwindel länger anhält. 

Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege, Schwindel zu behandeln: 

  • Akutbehandlung (bei einem Schub): Wenn der Schwindel bei einem MS-Schub auftritt, wird dieser oft mit hochdosiertem Kortison behandelt.
  • Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Stärkung des Gleichgewichts können Schwindel lindern.
  • Medikamente: Bei Bedarf werden Medikamente gegen die Übelkeit oder für die Behandlung des Schwindels  eingesetzt.
  • Akutmassnahmen: Bei plötzlichem Schwindel können das Fixieren eines Punktes und tiefes Durchatmen helfen.

Die Schweiz. MS-Gesellschaft unterstützt Betroffene und Angehörige

Schwindel kann die Lebensqualität massiv beeinträchtigen und den Alltag erheblich einschränken: Das ständige Gefühl von Unsicherheit führt oft dazu, dass einfache Dinge wie Einkaufen oder Spaziergänge herausfordernd sind. Die ständige Angst vor Stürzen oder plötzlichen Schwindelattacken kann psychisch belasten. 

In solchen Situationen ist es wichtig, nicht allein zu sein. Die MS-Gesellschaft ist deshalb jederzeit eine Anlaufstelle für Betroffene und auch Angehörige – mit umfassenden Entlastungs- und Beratungsangeboten persönlich oder am Telefon.

0844 674 636

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