Verschwommenes Sehen, Augenschmerzen, Farbsehstörungen, reduzierte Sehschärfe oder Doppelbilder: Sehstörungen sind ein häufiges Symptom der Multiplen Sklerose. Sie können zu Beginn der Erkrankung oder im weiteren Verlauf auftreten – und den Alltag stark beeinträchtigen.
Sehstörungen bei MS
Sehstörungen gehören oft zu den Erstsymptomen der MS
Viele MS-Betroffene nennen Sehstörungen als eines ihrer ersten Symptome. Sie berichten zum Beispiel von verschwommenem Sehen, unkontrollierten Augenbewegungen oder Blitzen im Sehfeld. Grundsätzlich kann eine Sehstörung das erste Anzeichen einer MS sein, aber auch andere Ursachen haben. Sollten Sie erste Symptome bemerken, suchen Sie am besten zunächst eine Augenärztin oder einen Augenarzt auf.
Wie äussern sich Sehstörungen bei MS?
Häufige Symptome sind:
- Nachlassen der Sehschärfe: Die verminderte Sehschärfe kann nur ein Auge oder beide Augen betreffen und kann von Schleier- oder Nebelsehen begleitet sein.
- Schmerzen: Häufig ziehen oder schmerzen die Augen, besonders wenn sie bewegt werden.
- Unkontrolliertes Augenzittern (Nystagmus): Beim Blick zur Seite wandert ein Auge oft unvollständig nach innen, während das andere Auge ganz nach aussen schaut und dort unkontrolliert zittert.
- Verminderte Farbwahrnehmung: Betroffene nehmen Farben oft blasser oder ausgewaschen wahr.
- Verminderte Kontrastwahrnehmung: Kontraste lassen sich schwerer erkennen. Bestimmte Lichtverhältnisse können das Sehen zudem beeinträchtigen.
- Doppelbilder (Diplopie): MS kann die Augenmuskeln beeinflussen, wodurch die Augen nicht mehr richtig ausgerichtet sind. Betroffene sehen dann oft Doppelbilder, die häufig von Schwindelgefühlen oder Gleichgewichtsstörungen begleitet werden.
- Gesichtsfeldausfälle: Das sind unregelmässige blinde Flecken, bei denen bestimmte Bildteile fehlen.
- Lichtphänomene: Betroffene nehmen Blitze in ihrem Gesichtsfeld wahr.
Wie lange dauern die Sehstörungen an?
Augensymptome treten häufig einseitig und plötzlich auf und stehen oft in einem Zusammenhang mit einem MS-Schub. Sie können unterschiedlich intensiv sein und den Alltag der Betroffenen teils stark beeinträchtigen. Eine Rückbildung nach dem Schub ist möglich.
Die Dauer kann von Schub zu Schub variieren – zwischen einigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen.
Warum kommt es bei MS oft zu Sehstörungen?
Sehstörungen bei MS entstehen meist durch eine Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis). Durch die Entzündung können die Signale zwischen den Augen und dem Gehirn nicht vollständig übertragen werden.
Wärme als Auslöser für Sehstörungen (Uhthoff-Phänomen)
Sehstörungen können sich durch Wärme, zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung, heissem Wetter oder Fieber, verstärken. Dahinter steckt das sogenannte Uhthoff-Phänomen: Die Wärmeeinwirkung führt zu einer vorübergehenden Verschlechterung der Symptome, weil die Leitfähigkeit bereits geschädigter Nervenfasern durch Wärme weiter beeinträchtigt wird.
Wie werden Sehstörungen diagnostiziert?
Für eine Diagnose sind augenärztliche und neurologische Untersuchungen notwendig:
- Sehtests (augenärztliche Untersuchung) zur Prüfung von Sehschärfe, Farbwahrnehmung und Gesichtsfeld
- Bildgebende Verfahren zur Erkennung entzündlicher Veränderungen
- Visuell evozierte Potenziale zur Überprüfung der Signalübertragung zwischen Auge und Gehirn
Auch weitere neurologische Zusatzuntersuchungen können sinnvoll sein.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
In vielen Fällen klingt die Sehnerventzündung von selbst ab. Im Verlauf eines Schubes wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt auch Kortison verschreiben, um die Entzündung zu verringern.
Bei starken Sehstörungen können ausserdem Hilfsmittel, wie Augenklappen bei Doppelbildern, Spezialbrillen, Spezialbildschirme oder vergrössernde Hilfen eingesetzt werden.
Was können Betroffene tun?
- Ausreichend schlafen: Ein geregelter Schlafrhythmus fördert eine gesunde Augenfunktion.
- Stress vermeiden, Entlastungspausen einlegen: Stress kann Schübe begünstigen. Legen Sie daher regelmässig Entlastungspausen ein, um Ihre Augen zu entlasten und Ihr Nervensystem zu beruhigen.
- Lichtverhältnisse anpassen: Mit einer guten Beleuchtung können Ihre Augen leichter scharf sehen.
- Hilfsmittel nutzen: Vergrösserungshilfen oder Kontrastfilter können den Alltag ebenfalls erleichtern.
- Unterstützung suchen: Wenn Sehstörungen den Alltag beeinträchtigen, kann das verunsichern und frustrieren. Lassen Sie sich unterstützen – von Ihrer Familie oder professionellen Anlaufstellen.
Die MS-Gesellschaft unterstützt Betroffene und Angehörige
Verschwommenes Sehen, Doppelbilder oder eine verminderte Farbwahrnehmung können alltägliche Aufgaben, wie Lesen, Autofahren oder Kochen, erschweren und nicht nur zu Unsicherheit, sondern auch zu Frustration führen. Gerade wenn sich die Sehfähigkeit plötzlich verändert, kann das belastend sein.
In solchen Situationen ist es wichtig zu wissen, dass Sie nicht allein sind. Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft steht Betroffenen und ihren Angehörigen mit Informationen, Beratung und Austauschmöglichkeiten zur Seite. Zudem können Ihnen Wege der Finanzierung von Hilfsmitteln und lebenserleichternde Massnahmen aufgezeigt werden. Die Schweiz. MS-Gesellschaft ist da, um neue Wege im Umgang mit den Beschwerden zu finden.
Erfahren Sie mehr über unsere umfassenden Dienstleistungs- und Entlastungsangebote oder kontaktieren Sie uns persönlich.
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