Zwei neue MS-Diagnosen pro Tag in der Schweiz

Das Schweizer MS Register

Die Gesamtzahl der MS-Betroffenen in der Schweiz wurde erst kürzlich auf 18'000 Personen geschätzt. Nun liegt eine Schätzung vor, die sich auf die Neudiagnosen von MS bezieht. Die neue Studie des Schweizer MS Registers zeigt, dass doppelt so viele Menschen in der Schweiz pro Jahr neu eine MS-Diagnose bekommen wie in der letzten Erhebung geschätzt und ordnet ein, was das für die Zukunft bedeutet.

Wie viele Menschen erkranken in der Schweiz neu an MS?
Die letzte Studie zur Anzahl Neudiagnosen liegt bereits fast 40 Jahre zurück. Bei dieser Schätzung aus den 80er-Jahren ging man bislang von einer neuen MS-Diagnose pro Tag aus. Gemäss der neuesten Schätzung erhielten zwischen 2017 und 2021 im Schnitt fast zwei Personen täglich neu eine MS-Diagnose. Genauer hat die Hochrechnung eine Bandbreite zwischen 620 und 710 Neudiagnosen pro Jahr ergeben und es wird davon ausgegangen, dass die präzise Zahl in diesem Bereich liegt.

Die Analyse liefert noch keine eindeutige Aussage zu Langzeittrends. Dies kann erst in einigen Jahren abschliessend beurteilt werden, da die untersuchte Zeitspanne dafür länger sein muss.

Wie wurde die Anzahl der MS-Neuerkrankungen geschätzt?
Die Schätzung beruht auf einer vom Schweizer MS Register entwickelten Methode, bei der Registerdaten mit Informationen über den Bezug von MS-Medikamenten kombiniert werden. Mithilfe dieser unterschiedlichen Datenquellen erfolgte eine Hochrechnung. Die Registerdaten spielen dabei eine wichtige Rolle, denn sie schliessen Menschen mit einer neuen MS-Diagnose ein, unabhängig davon, ob sie sich medikamentös behandeln lassen oder nicht.

Was können wir über die neuen MS-Betroffenen sagen?
Abgesehen von der Anzahl, ermöglicht die Analyse auch wertvolle Erkenntnisse über die Merkmale der Menschen, welche die MS-Diagnose neu erhalten:

Wo steht die Schweiz im internationalen Vergleich?
Die Anzahl neuer MS-Diagnosen aus der Schweiz lässt sich gut in den europäischen Kontext einordnen. Sie ist vergleichbar mit den Zahlen aus Frankreich und Italien, liegt jedoch leicht unter denen der nördlicheren Länder wie Schweden oder Dänemark. Wie in anderen Studien bleiben auch die Zahlen aus der Schweiz über die letzten Jahre hinweg in etwa gleich. Beim Geschlechtervergleich zeigen sich ebenso bekannte Muster: Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Und Männer sind bei der Diagnose tendenziell älter.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Zukunft?

Gemäss der neuen Studie erhalten jeden Tag zwei Personen diese einschneidende Diagnose. Und auch wenn die Anzahl Neudiagnosen pro Jahr stabil bleiben sollte, wird die Anzahl MS-Betroffener in der Schweiz nicht abnehmen. Grund dafür ist die allgemein steigende Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung, wodurch auch MS-Betroffene älter werden. Es scheint zudem, dass zunehmend auch ältere Personen von einer MS-Neudiagnose betroffen sind. Dies stellt das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen und es ergeben sich neue Forschungsfragen: Wie entwickelt sich die Krankheit im Alter? Welche Auswirkungen haben altersbedingte Begleiterkrankungen auf die MS? Und wie sprechen ältere Menschen auf verschiedene MS-Behandlungen an?

Welche Fragen bleiben?
Trotz neuer Erkenntnisse zur Häufigkeit von neuen MS-Betroffenen, gibt es weiterhin offene Fragen. Zum Beispiel, wie sich die Anzahl der Neudiagnosen und somit auch die Gesamtzahl der Schweizer MS-Betroffenen langfristig entwickelt, ob es regionale Unterschiede innerhalb der Schweiz gibt und was mögliche weitere Ursachen und Risikofaktoren für die Erkrankung sind.

Das Schweizer MS Register und die Schweizerische MS-Gesellschaft bedanken sich herzlich bei allen Teilnehmenden, die mit ihrem Engagement zu dieser Hochrechnung beigetragen haben.

Sind Sie schon Teil der Forschungsgemeinschaft?
Die aktive Teilnahme von möglichst vielen MS-Betroffenen am MS Register ist entscheidend, um neue Erkenntnisse zur MS gewinnen zu können. Die Anmeldung ist jederzeit möglich. Wir freuen uns über Ihre Nachricht an ms-register@ebpi.uzh.ch

Text/// Stefania Iaquinto ist seit anfangs 2023 Doktorandin beim Schweizer MS Register. Mit ihrer Forschung möchte sie die Verbreitung von MS in der Schweiz umfassender verstehen, um langfristig zur besseren Versorgung von Betroffenen beizutragen und mehr Bewusstsein für MS in der Gesellschaft zu schaffen.

Das Schweizer MS Register wurde von der Schweiz. MS-Gesellschaft auf Wunsch von Betroffenen initiiert, um ihre Perspektive in die Forschung einzubringen. Ausgeführt wird das Citizen Science-Forschungsprojekt von der Universität Zürich. Gemeinsam mit MS-Betroffenen untersuchen Forschende verschiedene Fragestellungen, stets mit dem Ziel, zu einer Verbesserung der Lebensqualität MS-Betroffener beizutragen.