Mein Name ist Karin und Samojeden faszinieren mich schon über 33 Jahre. Diese majestätischen Hunde, mit ihrem strahlend weissen Fell und den treuen Augen, hatten mein Herz erobert, und ich wusste, wenn ich je einen Hund habe, wird es ein Samojede sein. Aber beruflich hatte ich einfach zu wenig Zeit für einen Schlittenhund.
Doch das Leben hatte seine eigenen Pläne für mich. Im Jahr 2003 bekam ich die Diagnose MS, und so «hatte ich plötzlich Zeit» für einen Hund, da ich krankheitsbedingt sehr schnell nicht mehr arbeiten konnte.
Über die Jahre hinweg wurde ich zu einer leidenschaftlichen Vertreterin für die Rasse und trat einem Verein bei, wo ich aktiv Tierschutz betreiben konnte.
Doch das Schicksal hatte erneut andere Pläne. Im September 2018 erkrankte ich an FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, übertragen wird die Krankheit durch den Stich einer infizierten Zecke; die Redaktion). So schwer, dass ich nichts mehr machen konnte, nicht mal mehr atmen. Doch ich gab nicht auf. Mit unermüdlichem Training und der Unterstützung meiner Familie, meiner Freunde, meinem Fesi und der «Samojede in Not»-Familie kämpfte ich mich teilweise zurück.
Und wer ist dein «tierischer Freund»?
Aktuell lebt Bijeli bei uns und er ist unser fünfter Samojede. Ich liebte und liebe alle unsere Samojeden, aber mein absoluter Seelenhund war mein Fes. Er lebte 10 Jahre bei uns. Fes war ein Notfellchen aus Spanien, und durch die Misshandlungen, die er erleiden musste, hatte er schwere körperliche Einschränkungen, unter anderen zwei Bandscheibenvorfälle und Spondylose. Ich glaube, durch unsere körperlichen Einschränkungen hatten wir eine ganz spezielle Verbindung.
Wie habt ihr zueinander gefunden?
Da ich bei Samojede in Not e.V. aktiv in der Vermittlung tätig bin und wir Samojeden aus ganz Europa retten. Fes wurde uns als Notfellchen gemeldet, da ist er mir damals sofort in mein Herz gesprungen.
Wirkt sich dein Tier positiv auf deinen Alltag mit Multipler Sklerose aus? Welche körperlichen und psychischen Vorteile bringt dir euer Zusammenleben?
Absolut, meine Jungs haben mich jahrelang vor dem Rollstuhl bewahrt, da ich jeden Tag mit ihnen 12 bis 14 Kilometer spazieren gegangen bin, bis zu der Zeit, als ich durch die FSME eine inkomplette Tetraparese erlitt und in den Rollstuhl kam.
Jetzt geht mein Mann mit unserem Bijeli und ich begleite sie im E-Rolli.
Ausserdem ist er, und alle Samojeden davor, enorm wichtig für meine psychische Gesundheit. Egal, ob die Vorgänger oder auch jetzt Bijeli, sie bringen mir bedingungslose Liebe entgegen - und das ist unbezahlbar.
Gibt es auch Probleme, Sorgen?
Auch wenn es mal Probleme gibt, sind sie da, um gelöst zu werden. Da ich ein sehr positiv denkender Mensch bin, geniesse ich das Hier und Jetzt und mache mir prinzipiell keine Sorgen.
Kannst du anderen MS-Betroffenen (d)ein Haustier empfehlen? Welche Voraussetzungen müssen für eine funktionierende «Partnerschaft» definitiv erfüllt sein?
Ich würde auf jeden Fall anderen MS-Betroffenen zu einem Haustier raten. Die einzige Voraussetzung für mich ist der absolute Respekt vor dem Tier und die Bereitschaft, die Bedürfnisse des Tieres über die eigenen zu stellen.
Immer gesucht: «Tierisch gute Freunde»
- Du liest und magst unsere Serie «Tierisch gute Freunde»?
- Du hast selbst einen tierisch guten Freund? Oder sogar mehrere?
- Hund? Katze? Pferd? Nager? Fische? Ganz was anderes?
- Und du möchtest anderen Menschen erzählen, wie ihr zusammen der MS trotzt?
Dann schreib uns eine Mail mit dem Betreff «Tierisch gute Freunde» an: redaktion@multiplesklerose.ch
und wir schicken dir zum Kennenlernen ganz unverbindlich den Fragebogen zu (das sind aktuell schmale 6 Fragen). Du kannst dann in aller Ruhe überlegen, ob du mitmachen möchtest.
Liebe Grüsse, deine Redaktion
P.S. Du magst/kannst nicht mitmachen, kennst aber jemanden, der gerne dabei wäre? Oder gut geeignet Dann erzähl’ es einfach weiter…