Beeinflusst das Geschlecht die Wirksamkeit von MS-Medikamenten?

Fragen an Robert Hoepner und Marine Massy

Was ist die Hypothese Ihres Projekts?

Wir vermuten, dass MS-Medikamente bei Frauen und Männern unterschiedlich wirken. Erste Hinweise zeigen, dass bestimmte Medikamente – wie Fingolimod – bei den Geschlechtern nicht gleich wirksam sind. Diese Unterschiede könnten auch bei anderen MS-Therapien bestehen. Unser Ziel ist es, diese Zusammenhänge systematisch zu untersuchen, um die Behandlung für Menschen mit MS gezielter und wirksamer zu gestalten.

Wie gehen Sie vor, um Ihre Hypothese zu prüfen?

Unsere Forschung erfolgt in zwei Schritten:

1. Analyse grosser Datenbanken: Wir untersuchen internationale Daten zu MS-Therapien, insbesondere zu Nebenwirkungen und Schüben. So möchten wir herausfinden, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medikamentenwirkung gibt. Dabei beziehen wir auch Daten aus den nationalen MS-Registern der Schweiz und Österreichs mit ein.

2. Untersuchung biologischer Mechanismen: Basierend auf den Ergebnissen aus Schritt 1 wählen wir zusammen mit den MS-Betroffenen im Rahmen eines MS Infoabends ein spezifisches Medikament aus, um im Labor zu erforschen, welche biologischen Prozesse für die Unterschiede in der Wirksamkeit verantwortlich sind. Dabei arbeiten wir eng mit MS-Betroffenen zusammen, um ihre Bedürfnisse in die Forschung einzubeziehen

Was soll sich dank Ihrem Projekt verändern, und für wen?

Unser Ziel ist es, MS-Therapien gezielt auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen. Wenn wir verstehen, welche Medikamente für Frauen oder Männer besser geeignet sind, können wir von Anfang an besser angepasste Therapien anbieten, das Risiko von Therapieversagen reduzieren, und Nebenwirkungen verringern.

Ebenfalls liefert unser Projekt für Ärztinnen und Ärzte wertvolle Erkenntnisse, um die beste Therapieentscheidung für ihre Patientinnen und Patienten zu treffen. Insgesamt trägt unser Ansatz zur Weiterentwicklung der personalisierten Medizin für MS bei.

Was bereitet Ihnen beim Forschen besondere Freude?

Besonders motivierend ist, dass unsere Arbeit einen direkten Einfluss auf das Leben von MS-Betroffenen haben kann. Zudem ist die enge Zusammenarbeit mit der MS-Community für uns sehr wertvoll, da sie uns hilft, die relevantesten Forschungsfragen zu stellen. Die Erkenntnisse aus unserer Forschung eröffnen neue Möglichkeiten für massgeschneiderte MS-Therapien – ein wichtiger Schritt hin zu individuell abgestimmten Behandlungen.

Beschreiben Sie Ihren Werdegang:

Marine Massy – Ich bin Doktorandin in den biomedizinischen Wissenschaften und habe eine grosse Leidenschaft für die MS-Forschung. Besonders interessiere ich mich für die biologischen Mechanismen hinter der Wirksamkeit von MS-Medikamenten. Durch meine Arbeit mit grossen Datensätzen habe ich erste Hinweise auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen entdeckt. Diese Erkenntnisse haben mich motiviert, dieses Forschungsprojekt zu entwickeln. Ich freue mich sehr, meinen ersten Forschungsantrag gemeinsam mit meinem Doktorvater, PD Dr. med. Robert Hoepner, einzureichen. 

Robert Hoepner – Mich motiviert sehr meine tägliche klinische und wissenschaftliche Arbeit mit Menschen mit Multipler Sklerose,, den anderen Forschern sowie den Studierenden. Hier besser zu verstehen, was zur Erkrankung beiträgt und diese somit individueller – sprich besser behandelbar – zu machen, treibt mich an. Begeisterung finde ich hierbei insbesondere im Vernetzen unterschiedlicher Forschungsansätze und Datenqellen, um dieselbe Frage aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und somit möglichst präzise und mit wenig Belastung für die Studienteilnehmenden zu beantworten. 

Unser Team vereint Fachwissen aus der Patientenversorgung und der Grundlagenforschung mit klinischer Datenanalysen – eine ideale Kombination, um neue Wege für eine personalisierte MS-Therapie zu finden.