Frühzeitiger Einsatz hoch-effizienter Therapien schützt auch MS-betroffene Kinder langfristig
Blickpunkt Forschung
Hintergrund
MS beginnt bei Kindern zwar seltener als bei Erwachsenen, verläuft aber oft besonders entzündlich und kann schon in jungen Jahren zu kognitiven und körperlichen Einschränkungen führen. Hochwirksame Antikörpertherapien werden zunehmend eingesetzt, sind für Kinder jedoch in vielen Ländern nur eingeschränkt zugänglich.
Aktuelle Studie
Forscher analysierten Daten von 277 Kindern und Jugendlichen mit einem Ausbruch der MS vor dem 18. Lebensjahr. Die Daten stammen aus internationalen MS-Registern. Verglichen wurden Betroffene, die eine hochwirksame Therapie (Natalizumab, Ocrelizumab oder Rituximab) bereits zwischen 12 und 17 Jahren erhielten, mit Betroffenen, die erst im Alter von 20 bis 22 Jahren damit begannen.
Ergebnisse
Kinder und Jugendliche mit frühem Therapiebeginn zeigten im jungen Erwachsenenalter eine deutlich schwächere Behinderungszunahme: Die Zunahme der Behinderung war durchschnittlich um 0,53 EDSS-Punkte geringer als bei späterem Therapiebeginn.
Besonders ausgeprägt war der Vorteil bei Betroffenen mit bereits vorhandenen Einschränkungen: Bei ihnen konnte das Risiko einer weiteren Verschlechterung deutlich reduziert werden.
Fazit
Die Ergebnisse sprechen dafür, hochwirksame MS-Therapien nicht unnötig hinauszuzögern. Ein früher Einsatz im Jugendalter kann die langfristige Krankheitsentwicklung günstig beeinflussen und spätere Behinderungen einschränken.
Studienergebnisse im Kontext
Die Studie unterstützt den aktuellen Trend, bei Kindern mit MS früh auf hochwirksame Therapien zu setzen, statt zunächst weniger wirksame Medikamente zu verwenden. Sie liefert Hinweise darauf, dass ein früher Therapiebeginn nicht nur Schübe reduziert, sondern auch langfristig vor Behinderungen schützt. Gleichzeitig betonen die Autoren, dass die langfristige Sicherheit dieser Therapien weiterhin sorgfältig überwacht werden muss.
Link zur Studie
Publiziert in: Neurology, 2026