Hintergrund
Für die Behandlung von MS ist es wichtig, frühzeitig zu erkennen, bei wem die Erkrankung voraussichtlich schneller fortschreitet. Neben MRI-Untersuchungen gewinnen Blut-Biomarker und Untersuchungen der Netzhaut zunehmend an Bedeutung, da sie Hinweise auf Nervenschäden im zentralen Nervensystem liefern können.
Aktuelle Studie
Forscher aus Basel untersuchten im Rahmen der Schweizerischen MS-Kohortenstudie (SMSC) 261 MS-Betroffene. Sie analysierten den Blutmarker GFAP (ein Zeichen für Schädigung oder Aktivierung von Stützzellen im Gehirn) sowie die Dicke bestimmter Netzhautschichten mittels OCT. Anschliessend wurde geprüft, ob diese Marker mit der späteren Entwicklung von Behinderungen zusammenhängen.
Ergebnisse
Höhere GFAP-Werte gingen mit einem stärkeren Verlust von Nervenzellen und Nervenfasern in der Netzhaut einher. Menschen mit dünnerer Netzhaut und gleichzeitig erhöhten GFAP-Werten zeigten die stärkste Zunahme von Behinderung im Krankheitsverlauf. Die Kombination beider Marker sagte die zukünftige Krankheitsentwicklung besser voraus als jeder Marker für sich allein. Der Unterschied entsprach über fünf Jahre etwa einer klinisch relevanten Verschlechterung von rund 0,5 EDSS-Punkten (EDSS: Skala zur Erfassung des Behinderungsgrads).
Fazit
Die Kombination aus Bluttest (GFAP) und Netzhautmessung (OCT) könnte künftig helfen, Betroffene mit erhöhtem Risiko für eine Krankheitsverschlechterung früher zu erkennen und Therapien gezielter einzusetzen.
Studienergebnisse im Kontext: Die Ergebnisse sprechen dafür, verschiedene Biomarker miteinander zu kombinieren, um die Prognose bei MS zu verbessern. Da sowohl Bluttests als auch OCT-Untersuchungen relativ einfach durchzuführen sind, könnten sie künftig eine wichtige Rolle bei der individuellen Risikobewertung und bei Studien zu neuroprotektiven Therapien spielen. Allerdings sind weitere Langzeitstudien nötig, bevor die Methode routinemässig und breit in der klinischen Praxis eingesetzt werden kann.
Link zur Studie
Publiziert in: Neurology, Neuroimmunology & Neuroinflammation, 2026