Sprech- und Schluckstörungen bei MS

Wenn das Schlucken schwerfällt oder die Stimme zittrig wird, kann das den Alltag belasten. Etwa 30 bis 40 Prozent aller MS-Betroffenen entwickeln im Krankheitsverlauf Schluckstörungen. Diese betreffen insbesondere ältere Personen, die bereits lange mit MS leben und einen fortgeschrittenen Krankheitsverlauf zeigen. Bei etwa 44 Prozent treten zudem Sprechstörungen auf.

Wie äussern sich Sprech- und Schluckstörungen bei MS?

Erste Anzeichen von Schluckstörungen werden oft nicht direkt mit MS in Zusammenhang gebracht, Sprechstörungen hingegen schon. Betroffene sollten daher einzelne Symptome mit ihrer Neurologin oder ihrem Neurologen besprechen.

Sprechstörungen (Dysarthrien) zeigen sich, wenn die Bewegungen von Lippen, Zunge, Kiefer, Gaumen oder Kehlkopf nicht mehr ausreichend kräftig oder koordiniert gesteuert werden können. Dadurch kann die Aussprache undeutlich sein. Die Stimme kann langsamer, leiser, zittrig oder monoton klingen. Auch die Atemsteuerung beim Sprechen und die Sprachmelodie können beeinträchtigt sein.

Das Sprachvermögen ist selten betroffen

Während das physische Sprechen bei MS-Betroffenen oft beeinträchtigt ist, sind Störungen des Sprachvermögens zwar möglich, bei Menschen mit MS aber eher selten. Gemeint ist damit die Kommunikation an sich mit Wörtern, Grammatik und ihrer Bedeutung.

Wenn Sprachschwierigkeiten bestehen, bestehen häufig auch Probleme mit der geistigen Leistungsfähigkeit, zum Beispiel mit gewissen Gedächtnisfunktionen. Betroffene haben dann Schwierigkeiten, Sätze zu verstehen oder sich etwas zu merken, sobald die Sätze komplexer werden.

Schluckstörungen (Dysphagien) entstehen, wenn die am Kauen und Schlucken beteiligten Muskeln und Nerven nicht mehr ausreichend kräftig oder koordiniert arbeiten. Beim Schlucken müssen Nahrung und Flüssigkeit sicher vom Mund über den Rachen in die Speiseröhre transportiert werden. Gleichzeitig muss sich der Kehlkopf kurzzeitig verschliessen, damit nichts in die Luftröhre gelangt. Schluckstörungen äussern sich oft durch:

  • Probleme beim Kauen und Schlucken gewisser Nahrungsmittel und Flüssigkeiten
  • Häufiges Verschlucken oder Husten beim Essen und Trinken
  • Eine gurgelnde (feuchte) oder veränderte Stimme nach dem Schlucken
  • Sehr lange Essenszeiten oder unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Wiederkehrende Lungenentzündungen, weil Nahrung in die Atemwege gelangt

Warum kommt es zu Sprech- und Schluckstörungen bei MS?

Sprech- und Schluckstörungen bei MS entstehen überwiegend durch entzündliche Herde im Gehirn, oft im Hirnstamm. Diese Herde beeinflussen die Steuerung und Koordination der Muskeln im Hals und Rachen, wodurch das Schlucken und auch die Artikulation beeinträchtigt werden.


Wie werden Sprech- und Schluckstörungen diagnostiziert?

Zur Diagnose von Schluckstörungen werden klinische Untersuchungen, spezielle Fragebögen und Schlucktests gemacht. Bei Bedarf kommen eine endoskopische und videofluoroskopische Untersuchung zum Einsatz. 

Sprechstörungen werden unter anderem durch sprachtherapeutische beziehungsweise logopädische Testverfahren beurteilt.

Das Problem: Schluckstörungen werden im Frühstadium oft übersehen oder nicht als typisches MS-Symptom erkannt. Zudem befürchten MS-Betroffene und deren Angehörige, dass sie wegen den Schluckstörungen, zu püriertem Essen «verurteilt» werden. Dabei gibt es zwischen normaler und pürierter Kost sehr viele Zwischenstufen und vielfältige Essensanpassungen, die die Lebensqualität erhöhen können.

Die Diagnose erfolgt oft erst sehr spät

Sprach-, Sprech- oder Schluckstörungen bei Menschen mit MS werden oft erst spät erkannt. Eine gezielte Diagnostik, gefolgt von einer entsprechenden Therapie, kann allerdings dabei helfen, besser damit umzugehen und das Leben etwas leichter zu machen.

Wie werden Sprech- und Schluckstörungen behandelt?

Logopädie (Schlucktherapie)

Bei Sprech- und Schluckstörungen sind Logopädinnen und Logopäden eine gute Anlaufstelle. Sie bringen Betroffenen Schlucktechniken bei, die den Alltag erleichtern. Sie zeigen sinnvolle Sitz- und Körperhaltungen, die das Schlucken vereinfachen und kennen ausserdem geeignete Sprech- und Atemübungen, die dabei helfen, die Muskulatur zu stärken und zu kontrollieren, sowie die Beweglichkeit, Koordination, Sensibilität und Atem-Stimm-Kontrolle zu verbessern.

Anpassung der Nahrung

Bei Schluckstörungen ist es oft sinnvoll, auf trockene, krümelige, gemischt-konsistente oder sehr faserige Speisen zu verzichten.  Auch eine geeignete Temperatur von Speisen und Getränken kann das Schlucken je nach Beschwerden erleichtern. Vielen Betroffenen hilft es zudem, wenn die Nahrung weicher oder püriert zubereitet wird. Auch das Andicken von Flüssigkeiten kann in bestimmten Situationen das Verschlucken verhindern. 

Damit Betroffene weiterhin ausreichend Kalorien und Nährstoffe zu sich nehmen und Freude am Essen und Trinken behalten, ist eine professionelle Ernährungsberatung sinnvoll.

Kommunikationshilfsmittel

Bei fortgeschrittenen Sprechstörungen werden Hilfsmittel wie Sprachcomputer oder spezielle Kommunikations-Apps eingesetzt, um die Betroffenen im Alltag zu unterstützen.


Welche Folgen können Sprech- und Schluckstörungen haben?

Schluckstörungen führen oft dazu, dass Essen und Trinken kein Genuss mehr sind. Viele Betroffene meiden gemeinsames Essen oder Restaurantbesuche. Im schlimmsten Fall sind die Störungen so stark ausgeprägt, dass Betroffene nicht mehr ausreichend essen und trinken – und so das Risiko für eine Mangelernährung steigt.

Gelangt Flüssigkeit oder Nahrung regelmässig in die Luftröhre anstatt in die Speiseröhre, kann daraus ausserdem eine gefährliche Lungenentzündung entstehen. 

Die Schweiz. MS-Gesellschaft unterstützt Betroffene und Angehörige

Schluck- und Sprachstörungen können den Alltag auf vielfältige Weise verändern. Gespräche oder gemeinsame Essen, die früher selbstverständlich waren, erfordern plötzlich mehr Konzentration, Geduld oder Unterstützung. Mühe beim Schlucken, eine undeutliche Aussprache oder die Sorge, sich zu verschlucken und nicht verstanden zu werden, können dazu führen, dass Betroffene sich weniger zutrauen und soziale Kontakte oder Aktivitäten vermeiden, die ihnen eigentlich Freude bereiten. Das kann Betroffene und auch Angehörige verunsichern und belasten.

Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, Unterstützung zu erhalten. Genau deshalb begleitet die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft Menschen mit MS und deren Angehörige fachlich und mit praktischen Tipps und berät persönlich. Erfahren Sie mehr über unsere vielfältigen Entlastungs- und Beratungsangebote oder kontaktieren Sie uns persönlich.

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