Spastik gehört zu den häufigsten Symptomen bei Multipler Sklerose: Über 50 Prozent der Betroffenen leiden im Laufe ihrer Krankheit an schmerzhaften Muskelverkrampfungen, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Erfahren Sie hier, warum es bei MS zu Spastiken kommt und was Betroffene tun können.
Spastik bei MS
Was ist eine Spastik?
Eine Spastik ist eine erhöhte Muskelspannung, die nicht mit einer gewöhnlichen Muskelverkrampfung zu verwechseln ist, die zum Beispiel beim Sport auftritt. Denn eine Spastik kann Muskeln dauerhaft angespannt lassen, quasi versteifen, schwächen oder gar lähmen und auch in Form von schmerzhaften Muskelkrämpfen auftreten. Sie ist oft Ursache von massiven Einschränkungen der Beweglichkeit.
Bei vielen Menschen mit MS führen die Spastiken zu andauernden Schmerzen und Muskelkrämpfen. Einige Betroffene berichten auch von Spastik bedingten schwerwiegenden Schlafstörungen, einer lähmenden Müdigkeit oder Blasenstörungen. In vielen Fällen sind bei einer Spastik ganze Muskelgruppen betroffen.
Wie entsteht eine Spastik bei MS?
Bei Multipler Sklerose entstehen Spastiken durch Schäden an den Nervenleitungen im zentralen Nervensystem (ZNS). Durch die Schäden werden Signale gestört und Befehle an die Muskulatur oder Informationen von aussen (z. B. Wärme oder Kälte) falsch umgesetzt.
Grundsätzlich können Spastiken spontan und ohne klaren Reiz auftreten oder von einem bestimmten Reiz ausgelöst werden, zum Beispiel, wenn der nackte Fuss den kühlen Boden berührt. Auch Infektionen, eine wunde Druckstelle auf der Haut, Verstopfung oder Schmerzen können eine Spastik verstärken oder sogar auslösen.
Wie wird eine MS-bedingte Spastik diagnostiziert?
Eine MS-bedingte Spastik wird von einer Neurologin oder einem Neurologen im Rahmen einer klinischen Untersuchung diagnostiziert.
Um den genauen Grad der Spastik zu erfassen, wird die sogenannte Ashworth-Skala eingesetzt. Mit ihr wird der Widerstand in sechs Stufen bewertet: von keinem Anstieg des Muskeltonus (Spannungszustand der Muskulatur) bis zur Muskelsteifigkeit.
Wie wird eine Spastik behandelt?
Eine Spastik kann auf verschiedenen Wegen behandelt werden. Dazu gehören:
- Physiotherapie: als gezielte Bewegungstherapie
- Therapeutisches Reiten:(Hippotherapie) wenn der Rumpf betroffen ist
- Lagerungspositionen: Sie unterstützen die richtige Positionierung beim Sitzen und im Bett und unterstützen so, dass sich die Spastik möglichst nicht verschärft, sich die Muskeln nicht verkürzen und es nicht zu Druckstellen kommt.
Medikamente: Antispastika hemmen die gestörte Nervenreizleitung im ZNS und reduzieren oder verhindern eine übermässige Muskelspannung. Auch cannabishaltige Medikamente können bei einigen MS-Betroffenen zu einer guten Spastik-Reduktion führen.
Trotz vielseitiger Ansätze ist es nicht immer möglich, Spastik vollständig zu behandeln. Eine Behandlung ist dennoch wichtig, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Physiotherapie-Übungen für zu Hause
Physiotherapie kann die Spastikkontrolle verbessern. Sie dient der Mobilisation, Dehnung und Verbesserung der Koordination. Eine gezielte Anleitung durch eine MS-spezialisierte physiotherapeutische Fachperson kann sehr hilfreich sein. Betroffene können Übungen auch zu Hause durchführen.
Die Schweiz. MS-Gesellschaft unterstützt Betroffene und Angehörige
Eine MS-bedingte Spastik kann den Alltag erheblich erschweren – vor allem, wenn Bewegungen zunehmend Kraft kosten oder alltägliche Aufgaben nur noch eingeschränkt möglich sind. Viele Betroffene sind deshalb zeitweise oder dauerhaft auf Unterstützung angewiesen. Auch für Angehörige kann die körperliche und psychische Belastung im Umgang mit einer Spastik gross sein. Ein gezieltes Kinaesthetics-Training kann bei pflegerischen Tätigkeiten, speziell bei der Mobilisation, Entlastung bringen.
In diesen Situationen ist die Schweiz. MS-Gesellschaft für Sie da – mit vielfältigen Entlastungs- und Beratungsangeboten oder persönlich am Telefon.
In unserem PDF «Spastik und Schmerzen» bei MS finden Sie ausserdem alle Informationen verständlich aufbereitet.