MS-Neudiagnose nach dem 55. Lebensjahr – Nutzen der medikamentösen Behandlung

Fachartikel

Eine nicht zu vernachlässigende Anzahl Betroffener erhält die MS-Diagnose nach dem 55. Lebensjahr – eine neue Studie zeigt den Nutzen einer immunmodulierenden Therapie auch in dieser Population auf.

Hintergrund

In den letzten 20 Jahren konnten verschiedene sehr effektive Therapiemöglichkeiten der MS auf den Markt gebracht werden. Die meisten Zulassungsstudien haben Betroffene lediglich bis zum 55. Lebensjahr untersucht, was die Anwendbarkeit der Studienergebnisse auf die tendenziell zunehmende Anzahl von älteren Betroffenen erschwert.

Aktuelle Studie

In einer Analyse der Daten des französischen MS-Registers wurden 436 MS-Betroffene untersucht, welche zum Zeitpunkt des Krankheitsbeginns (2005-2023) bereits mindestens 55 Jahre alt waren.

Hierfür wurden 218 Betroffene, welche eine immunmodulierende Therapie erhalten hatten, mit 218 unbehandelten Betroffenen mit ähnlichen Krankheitsprofilen (insbesondere gleiches Alter zum Symptombeginn, gleiches Jahr der Diagnosestellung, ähnlicher Schweregrad der Symptome) verglichen.

Es wurde in erster Linie die Dauer bis zum Eintritt eines erneuten Schubes verglichen, ebenfalls das Auftreten einer relevanten klinischen Verschlechterung oder z.B. neuer MRI-Läsionen.

Ergebnisse

Im Durchschnitt waren die Teilnehmenden zum Zeitpunkt des Krankheitsbeginns 59.9 Jahre alt. In der behandelten Gruppe kam es im Durchschnitt nach 7.0 Jahren zu einem erneuten Schub; in der unbehandelten Gruppe nach 5.4 Jahren. Auch MRI-Läsionen traten später auf. Messbare Unterschiede bezüglich Krankheitsverlauf konnten keine nachgewiesen werden.

Fazit

Diese Studie zeigt, dass eine immunmodulierende Therapie auch bei Betroffenen mit Symptombeginn nach dem 55. Lebensjahr effizient Schübe und radiologische Krankheitsaktivität, sichtbar im MRI, verhindert. Dies spricht dafür, auch in dieser Alterskategorie einen Therapiebeginn mit einer immunmodulierenden Therapie zu erwägen.

Welche Therapie am besten geeignet ist, kann diese Studie nicht beantworten. Diese Frage sollte immer im Individualfall und in Abwägung der möglichen Risiken mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden.

Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)

Use of Disease-Modifying Therapies in Patients With Late-Onset Multiple Sclerosis - PubMed
 

Neurology. 2025;105(3):e213744.