Luana im Wunderland

MS-Geschichten

Sie ist 33, Mutmacherin, Botschafterin, MS-Preisträgerin 2016, Love-Ride-Eagle 2024, Ex-Tennis-Talent, Kickerin, mit-Delfinen-Schwimmerin, unerschrockene MS-Betroffene und vor allem auch: Fan des FC Thun. Als solche ist sie jetzt (darf man das sagen? Ja, darf man) zusammen mit den Fussballern zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Schweizer Meister geworden.

Ein historischer Moment – und definitiv wert, in einem kleinen Interview festgehalten zu werden.  

Luana – du und der FC Thun: wann hat es «gefunkt» und wie lange geht das schon mit euch?
Mit vier Jahren war ich das erste Mal an einem Match des FC Thun. Je älter ich wurde, desto öfter besuchte ich die Spiele, damals noch im ehrwürdigen Lachenstadion. Dass ich je ein Teil vom Klub, vom Team sein werde, hätte ich mir nie erträumt. Der Ursprung dieser engen Beziehung, so wie ich sie heute haben darf, war eine Begegnung mit dem damaligen Präsidenten «Märk» Lüthi. 

Er erfuhr von meiner Geschichte und organisierte ein Treffen und Trikot mit dem damaligen Spieler Beni Lüthi. Ab diesem Zeitpunkt vertiefte sich unsere Verbindung immer mehr. Ich schrieb oft vor den Spielen eine Nachricht ans Team, einige Spieler haben mich im Spital besucht, nach den Spielen schenkten sie mir ihre Trikots oder schickten Post in die Reha. Sie sendeten mir auch schon persönliche Videonachrichten und wir mach(t)en auch schon Fotos mit dem ganzen Team. 

Vier ganz besondere Erlebnisse werde ich nie vergessen: der Spitalbesuch von fünf Spielern. Als ich den MS-Preis gewonnen habe, wurde ich bei der Preisübergabe von mehreren Videobotschaften meiner Lieblingsspieler überrascht. Vor kurzem durfte ich in die Garderobe der Spieler (dies ist ganz besonders, weil sonst nur Spieler/Staff hineindürfen) und wir machten ein Gruppenfoto. Und dann der absolute Wahnsinn: An der Geburtstagsfeier, als ich 25 Jahre alt wurde, überraschte mich die ganze (!) Erste Mannschaft: sie haben die Party gecrasht und haben für mich gesungen. 

Was mich auch besonders berührt: egal welche Spieler, Trainer, Präsident etc. da sind, unsere tiefe Verbundenheit und enge Beziehung bleibt immer bestehen, egal wer im Team/Staff ist. Das bedeutet mir unbeschreiblich viel und gibt mir unendlich viel Kraft, Mut, Hoffnung, Freude.

Bevor wir zu den Höhepunkten kommen: FC-Thun Fan zu sein, war vielleicht nicht immer ganz leicht. Gab es auch Tief- und Rückschläge?
Ich sage immer, dass man einen echten Fan dann erkennt, wenn es dem Verein nicht gut geht. Fan sein, wenn alles rund läuft, ist immer einfach. Ein Tiefschlag der letzten Jahre war der bittere Abstieg in der Saison 2019/2020. Da sass ich in Tränen auf der Tribüne. Rückschläge waren die Barrage-Niederlagen, vor allem die gegen GCZ, als diese in der Nachspielzeit das Siegtor erzielten. Das war auch sehr traurig und niederschmetternd. Aber die Liebe zum Klub blieb natürlich immer bestehen.

Wie und wo hast du die Meisterschaft des FC Thun miterlebt? 
Ich war in der Stockhorn Arena beim Public Viewing, da haben sie das Spiel St. Gallen-Sion auf den LED-Screens gezeigt (dessen Ausgang über die Meisterschaft entschied; die Redaktion). Es waren viele Fans dort, auch viele Kinder - die Stimmung war sehr schön. Tele Bärn hat mich die letzten vier Spiele begleitet, gefilmt und Interviews gemacht. Mein Vater und meine Schwester waren auch da, wir waren, bzw. sind alle überwältigt und haben uns mit Freudentränen in die Arme genommen.

Wie hast du gefeiert? 
Zuerst im Stadion. Die 1. Mannschaft war auch dort. Viele von ihnen haben mich umarmt. Alle haben die Mannschaft gefeiert, Spieler und Trainer wurden einzeln aufgerufen. Danach bin ich in die Stadt auf den Rathausplatz. Dieser platzte aus alles Nähten. Das Team kam etwas später. Danach haben wir gemeinsam gesungen, getanzt und ausgelassen gefeiert. 

Leider konnte ich nicht so lange bleiben, weil ich am Montag um 9 Uhr einen wichtigen Therapie-Termin hatte. Zum Glück ist am Freitag, 15. Mai noch die offizielle Meisterfeier, da will ich so lange wie es der Körper und die Kraft zulassen, bleiben und die Spieler gebührend feiern. 

So etwas erleben wir nicht oft und das muss richtig gefeiert werden - das haben der Verein und die Spieler mehr als verdient. Ich freue mich auf eine richtig tolle, lange Party(nacht).

Kannst du das Gefühl, als der Titel safe war, in Worte fassen?
Zuerst war da viel Anspannung. Nach dem zweiten Treffer der Sittener wurde es immer wahrscheinlicher, und als sie das dritte Tor erzielten, gab es kein Halten mehr. Das Gefühl zu beschreiben ist sehr schwierig, es war einfach unglaublich schön und extrem überwältigend - ich musste weinen, so richtig, aber vor purer Freude. 

So ein unbeschreibliches Glücksgefühl habe ich selten erlebt. Realisiert habe ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich. «Mein» FC Thun ist Schweizer Meister. Ich hoffe immer, dass ich nicht erwache und alles nur ein Traum war. 

Mit ein paar Tagen Abstand und auf einer Skala von 1 bis 10: Wie glücklich bist du?
100! Ich bin der glücklichste Mensch, obwohl es gesundheitlich im Moment nicht gut ist. Ich freue mich so riesig fest für die Mannschaft und für den Klub. Der FC Thun macht mich immer glücklich, aber dieser Meistertitel löst zusätzlich unglaublich viele Glücksgefühle und Kraft aus. Es war kein Traum, es ist real! Um das festzuhalten, gibt es ein Erinnerungstattoo.

Was soll jetzt noch kommen? Was wünscht du dir für dich und den FC Thun nächste Saison/für die Zukunft? 
Jetzt erst mal am Donnerstag das Derby gegen YB, anschliessend die Pokalübergabe und am Freitag wird noch einmal so richtig fest gefeiert, mit einer Freinacht in Thun. Es wird sicher einige Veränderungen im Team geben, das bringt der Erfolg leider mit sich. Aber ich bin überzeugt, dass der Sportchef wieder ein super Team zusammenstellt. Ich nehme es wie es kommt, werde immer Thun-Fan sein, egal was die Zukunft bereithält. 

Für den Klub wünsche ich eine gute und zufriedenstellende neue Saison. Die zweite Saison nach dem Aufstieg ist bekanntlich die schwierigste, erst noch, wenn du als Aufsteiger Meister wirst. Alle Augen sind auf Thun gerichtet und erwarten eine Bestätigung dieser unglaublichen Saison. 

Ich bin gespannt, wie das neue Team aussieht. Die neue Saison ist auch eine Chance für die Spieler, welche in der vergangenen Spielzeit weniger zum Zug gekommen sind. Ich wünsche mir, dass der FC Thun seine Ziele für die neue Saison gut umsetzen kann und sich die harte Arbeit lohnt. Als Fan hoffe ich natürlich, dass wir viel Freude haben werden. Kommt es anders bin ich da. Immer! 

 

Bild und Video: zVg Luana Montanaro