Kognitives Training: positiv bei progredienter MS

Fachartikel

Eine aktuelle Studie zeigt, dass gezieltes kognitives Training bei Menschen mit progredienter MS messbare Veränderungen in Hirnnetzwerken bewirken kann – ein Hinweis darauf, dass das Gehirn auch in späteren Krankheitsstadien anpassungsfähig bleibt.

Hintergrund

Kognitive Beeinträchtigungen sind bei progredienter MS häufig. Frühere Studien deuteten bereits darauf hin, dass kognitive Rehabilitation die Gehirnfunktion positiv beeinflussen kann. Unklar war jedoch, ob solche Effekte auch bei fortgeschrittener Erkrankung und über einen längeren Zeitraum nachweisbar sind.

Aktuelle Studie

In der CogEx-MRI-Substudie wurden 87 Menschen mit progredienter MS und kognitiven Einschränkungen untersucht. Sie erhielten entweder ein kognitives Training (mithilfe eines computerbasierten Programms zur Förderung der Verarbeitungsgeschwindigkeit und Aufmerksamkeit), Ausdauertraining (über 12 Wochen zweimal pro Woche ein progressiv gesteigertes Ausdauer- und hochintensives Intervalltraining), eine Scheinbehandlung oder Kombinationen daraus. Mithilfe funktioneller MRI-Aufnahmen wurde untersucht, wie sich die Vernetzung wichtiger Hirnnetzwerke über 12 Wochen und bis zu 9 Monate verändert.

Ergebnisse

Teilnehmende mit kognitivem Training zeigten eine verbesserte Vernetzung in mehreren Hirnnetzwerken, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Denken wichtig sind. Diese Veränderungen waren teilweise noch sechs Monate nach Ende der Behandlung nachweisbar. Gruppen ohne echtes kognitives Training zeigten dagegen eher eine Abnahme der Vernetzung. Für das Ausdauertraining allein konnten keine eindeutigen zusätzlichen Effekte auf die untersuchten Hirnnetzwerke nachgewiesen werden.

Fazit

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass kognitive Rehabilitation die Anpassungsfähigkeit des Gehirns bei progredienter MS fördern kann. Solche Trainingsprogramme könnten daher helfen, Hirnfunktionen trotz fortschreitender Erkrankung länger zu erhalten.

Studienergebnisse im Kontext

Die Studie bestätigt frühere Untersuchungen, die positive Effekte von kognitivem Training auf die Gehirnaktivität bei MS gezeigt haben. Besonders bemerkenswert ist, dass diese Veränderungen auch bei Menschen mit fortgeschrittener und stärker beeinträchtigender MS beobachtet wurden. Allerdings war die Teilnehmerzahl begrenzt, sodass weitere Studien nötig sind, um die langfristige klinische Bedeutung der Befunde zu klären.

 

Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)

Increased functional network connectivity following cognitive rehabilitation in progressive multiple sclerosis with moderate to severe disabilty: findings from the CogEx study

Publiziert in: Journal of Neurology, 2026