KI und MS: Chancen nutzen, Grenzen kennen

Das Schweizer MS Register

Künstliche Intelligenz kann Menschen mit MS dabei unterstützen, Gesundheitsinformationen besser zu verstehen und sich auf Gespräche mit Fachpersonen vorzubereiten. In einem Webinar wurde gezeigt, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann, warum ihre Antworten kritisch geprüft werden müssen und wo ihre Grenzen liegen.

Künstliche Intelligenz (KI) findet auch im Gesundheitsbereich immer häufiger Anwendung. Was könnten bestimmte Symptome bedeuten? Wie lässt sich ein medizinischer Bericht verständlich erklären? Welche Fragen sollte man beim nächsten Termin mit einer Fachperson stellen? Im Webinar «Gesundheitsinformationen aus KI: Was gibt es zu beachten?» zeigten Dr. Roman Gonzenbach und Prof. Viktor von Wyl, in welchen Bereichen KI Menschen mit MS unterstützen kann und wo Vorsicht geboten ist.

Ein kluger Praktikant mit Grenzen
Die Referenten verglichen KI anschaulich mit einem klugen und ausdauernden Praktikanten: Sie verfügt über viel Wissen, kann sich überzeugend ausdrücken und ist fast jederzeit verfügbar. Dennoch fehlt ihr oft das Verständnis dafür, wie das reale Leben funktioniert. Gerade weil ihre Antworten plausibel und sicher formuliert sein können, entsteht leicht der Eindruck, sie seien in jedem Fall richtig. Einer KI sollte jedoch nie ungeprüft vertraut werden.

KI ist besonders hilfreich, wenn es darum geht, Informationen zu erklären, zu übersetzen, zusammenzufassen oder zu strukturieren. So kann sie beispielsweise medizinische Begriffe in einfache Worte übersetzen, Symptome für einen Arzttermin als Zeitleiste ordnen oder Fragen für ein Gespräch mit einer Neurologin, einem Neurologen oder anderen Fachpersonen vorbereiten.

Auf was es ankommt
Entscheidend ist, der KI einen möglichst präzisen «Prompt» zu geben. Als «Prompt» bezeichnet man die Anweisung oder Frage, die in ein KI-Tool eingegeben wird. Es hat sich als hilfreich erwiesen, darin fünf Punkte festzulegen: die Rolle der KI, ihre Aufgabe, den notwendigen Kontext, das gewünschte Format und klare Vorgaben. Persönliche Informationen sollten nur sehr zurückhaltend eingegeben werden. Als Grundregel gilt: Es sollten nur Informationen mitgeteilt werden, die auch öffentlich bekannt sein dürfen.

Ebenso wichtig ist ein kritischer Blick auf die verwendeten Quellen. Denn KI kann sowohl auf unabhängige Quellen als auch auf Informationen von Unternehmen zurückgreifen, die eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen - beispielsweise beim Verkauf eines Medikaments. Daher sollte stets geprüft werden, worauf sich eine Antwort stützt, wie aktuell die Angaben sind und welche Interessen möglicherweise hinter einer Quelle stehen.

Fazit
Die wichtigste Botschaft des Webinars lautet: KI kann MS-bezogene Informationen verständlicher machen, Themen strukturieren und auf Gespräche mit Fachpersonen vorbereiten. Sie ersetzt jedoch niemals eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere medizinische Fachkraft, ebenso wenig wie eine Untersuchung, Diagnose oder Therapieentscheidung.


Wer das Webinar verpasst hat oder sich einzelne Inhalte noch einmal ansehen möchte, findet hier die Aufzeichnung und die Folien zum Referat:
 

Link zu den Folien (auf Deutsch)

Video: Gesundheitsinformationen aus KI (auf Deutsch)