Hintergrund
Bei der Verlaufskontrolle der MS werden regelmässig MRI-Untersuchungen durchgeführt. Manchmal zeigen sich neue MS-Läsionen, obwohl keine neuen Beschwerden auftreten – dies bezeichnet man als klinisch stumme MS-Läsion. Bislang galt eine einzelne neue Läsion oft als wenig bedeutsam und führte nicht zwangsläufig zu einer Therapieanpassung.
Aktuelle Studie
Forschende analysierten Daten von über 10’000 Menschen mit schubförmiger MS aus dem internationalen MSBase-Register. Es wurde untersucht, ob ein Wechsel auf eine wirksamere Therapie nach neu aufgetretenen MRI-Läsionen den weiteren Krankheitsverlauf verbessern kann.
Ergebnisse
Bereits eine neue klinisch stumme MRI-Läsion war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von späteren Schüben (60% höheres Risiko) und Behinderungszunahme (35% höheres Risiko) verbunden. Betroffene, die nach solchen MRI-Befunden auf eine wirksamere Therapie wechselten, hatten innerhalb von vier Jahren ein um mehr als 50% geringeres Schubrisiko als solche, die die Therapie nicht anpassten.
Fazit
Die Ergebnisse sprechen dafür, auch einzelne neue MRI-Läsionen ernst zu nehmen. Sie können ein frühes Warnsignal für eine unzureichende Krankheitskontrolle sein und Anlass geben, die Therapie gemeinsam mit dem Behandlungsteam zu überprüfen.
Studienergebnisse im Kontext
Die vorliegende Studie zeigt, dass bereits eine einzelne klinisch stumme MRI-Läsion mit einem erhöhten Risiko verbunden ist und eine frühzeitige Therapieanpassung das Schubrisiko deutlich senken könnte. Da MRI-Befunde jedoch nicht immer eindeutig sind, ist jeweils eine individuelle Bewertung der Situation vorzunehmen, um die Notwendigkeit von Therapiealternativen zu besprechen.
Link zur Studie
Publiziert in: Brain, 2026.