Hintergrund
Unter Darmmikrobiom – auch Darmflora genannt – versteht man die Gesamtheit der nützlichen Darmbakterien, welche die Verdauung und Gesundheit unterstützen. Schon länger vermuten Forschende, dass Veränderungen des Darmmikrobioms das Immunsystem beeinflussen und zur Entstehung von MS beitragen können. Bisher war jedoch unklar, welche Bakterien tatsächlich eine krankheitsfördernde Wirkung haben.
Aktuelle Studie
Ein internationales Forschungsteam untersuchte 81 eineiige Zwillingspaare, bei denen jeweils nur ein Zwilling an MS erkrankt war. Zusätzlich wurden Darmbakterien aus dem Dünndarm ausgewählter Zwillinge auf keimfreie Mäuse übertragen, die für eine MS-ähnliche Erkrankung anfällig sind.
Ergebnisse
Die Darmflora von Personen mit MS unterschied sich in mehreren Bakterienarten von derjenigen ihrer gesunden Zwillinge. Mäuse, die Darmbakterien von Personen mit MS erhielten, entwickelten deutlich häufiger eine spontane MS-ähnliche Erkrankung als die Mäuse mit Bakterien gesunder Zwillinge. Besonders zwei Bakterien aus der Familie der Lachnospiraceae (Eisenbergiella tayi und Lachnoclostridium) standen mit der Krankheitsentstehung in Zusammenhang und könnten das Immunsystem in Richtung einer Autoimmunreaktion beeinflussen.
Fazit
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass bestimmte Darmbakterien die Entstehung einer MS-ähnlichen Erkrankung fördern können.
Studienergebnisse im Kontext
Die Ergebnisse gehen über frühere Mikrobiom-Studien hinaus, die meist nur Unterschiede in der Darmflora von Personen mit MS beschrieben haben. Durch die Kombination aus Zwillingsstudie und Übertragung der Darmbakterien auf ein Mausmodell der MS konnten die Forschenden zeigen, dass bestimmte Bakterienarten nicht nur mit MS in Zusammenhang stehen , sondern möglicherweise auch zu ihrer Entstehung beitragen. Dennoch handelt es sich um vorklinische Ergebnisse. Ob diese Bakterien beim Menschen tatsächlich eine ursächliche Rolle spielen, müssen weitere Studien klären.
Link zur Studie
Publiziert in: PNAS, 2026