Vitamin-D in der Frühphase der MS – neue Daten

Fachartikel

Vitamin-D-Mangel ist ein Risikofaktor für MS. Die Datenlage zur Ergänzung (Substitution) von Vitamin-D ist jedoch widersprüchlich – eine grosse Studie aus Frankreich bringt nun neue Erkenntnisse.

Hintergrund

Allgemein wird empfohlen, einen Vitamin-D-Mangel zu vermeiden. Bisherige Studien zum Vitamin–D Bedarf bei MS-Betroffenen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen und führen dazu, dass die Dosierung, Dauer und Wichtigkeit einer Vitamin-D-Substitution bei MS-Betroffenen weiterhin unklar ist und ein einheitliches Behandlungskonzept fehlt.

Aktuelle Studie

In der «D-Lay MS-Studie» wurden 316 Personen mit KIS (Klinisch isoliertes Syndrom – oftmals eine Vorstufe zu MS) und einem Vitamin-D3-Mangel eingeschlossen. Die Hälfte der Teilnehmenden wurden über 24 Monate alle 2 Wochen mit hochdosiertem Vitamin-D substituiert (100’000 Einheiten). Die andere Hälfte erhielt ein Placebo. Untersucht wurde das Auftreten erneuter Krankheitsaktivität (Schübe oder Veränderungen im MRI).

Ergebnisse

In der Vitamin-D-Gruppe kam es bei 60.3 % der Teilnehmenden zu erneuter Krankheitsaktivität, im Vergleich zu 74.1 % in der Placebo-Gruppe. Die Dauer bis zum Auftreten erneuter Krankheitsaktivität war in der Vitamin-D-Gruppe mit 432 Tagen fast doppelt so lang wie in der Vergleichsgruppe von 224 Tagen. Im Nebenwirkungsprofil zeigten sich keine Hinweise auf eine schlechte Verträglichkeit der Substitution.

Fazit

In dieser Studie zeigte sich ein klarer positiver Effekt der Vitamin-D-Substitution bei Betroffenen mit klinisch isoliertem Syndrom. Ob diese in der Studie geprüfte hohe Dosierung notwendig ist, kann diese Studie jedoch nicht nachweisen, da kein Vergleich mit anderen, üblicheren (tieferen) Dosierungen stattgefunden hat. Ebenfalls ist nicht geklärt, ob der Effekt auch bei gleichzeitiger Einnahme von deutlich effektiveren immunmodulierenden Therapien noch messbar ist, da die grosse Mehrheit der Teilnehmenden unbehandelt war. Ob der Effekt langfristig ist und über die Studienperiode von 2 Jahren hinausgeht, muss ebenfalls noch untersucht werden. Bei insgesamt günstigem Nebenwirkungsprofil ist jedoch festzuhalten, dass ein bestehender Vitamin-D-Mangel, falls möglich, substituiert werden sollte.

Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)

High-Dose Vitamin D in Clinically Isolated Syndrome Typical of Multiple Sclerosis

Journal of the American Medical Association. 2025;333(16)