Tierisch gute Freunde: Mary & Royce

Tierisch gute Freunde

Ich heisse Mary, bin 44 Jahre jung und bin in der Nähe der schönsten Barockstadt der Schweiz zuhause – Solothurn. Ich lebe mit meinem Mann und unserem Hund zusammen und arbeite als Assistentin der Geschäftsleitung.

Und wer ist dein «tierischer Freund»?
Mein tierischer Freund heisst Royce und ist ein anderthalb Jahre junger Berger Blanc Suisse- Rüde. Er ist mein Best Buddy und mein Therapeut. Er ist sehr einfühlsam und ein absoluter Sonnenschein – auch wenn ich manchmal am «PubärTIER» verzweifle.

Wie habt ihr zueinander gefunden?
Das Thema Hund war bei uns immer präsent und wir haben uns immer wieder damit beschäftigt, bis wir eines Tages einen weissen Schäferhund gesehen haben und uns beide schockverliebten. Mein Mann hatte als Kind deutsche Schäferhunde und es kam eigentlich nur ein «Schäfi» in Frage. Als uns klar wurde, dass der «weisse Riese» unser neues Familienmitglied werden soll, sind wir auf die Suche nach einem Züchter gegangen und sind ganz in der Nähe fündig geworden. Ich habe offen mit der Züchterin über meine Krankheit gesprochen und sie hat mich bestärkt, dass genau diese Hunderasse zu mir passt. Das Warten auf den Wurf und «unseren» Hund kam mir vor wie eine Ewigkeit, aber es hat sich gelohnt.

Als ich das erste Mal die Welpen sah, war ich überfordert und fand alle Hunde so süss. Die Züchterin hat dann aufgrund des Charakters eine Vorauswahl getroffen, und bei der zweiten Begegnung hat sie uns mit den Hunden beobachtet. Als ein kleines weisses Fellknäuel mit schwarzem Halsband auf mich zukam, ich es hochhob und er sich sofort an meinen Nacken kuschelte, brachen bei mir alle Dämme und die Tränen liefen mir übers Gesicht. Die Züchterin schmunzelte und meinte leise – genau der ist es – er hat dich gefunden! Seitdem sind wir unzertrennlich!

Wirkt sich dein Tier positiv auf deinen Alltag mit Multipler Sklerose aus? Welche körperlichen und psychischen Vorteile bringt dir euer Zusammenleben?
Ich habe mit einem Welpen gelernt, die Welt mit neugierigen Augen anzusehen, sie neu zu entdecken und in kleinen Dingen wie Blümchen am Wegesrand, die seine Schnauze gelb färben, gelernt, wie viel grösser die Welt ist als nur meine «MS Bubble» zuvor. Royce ist gewachsen, hat Kraft bekommen und meine Muskulatur und Kondition mit ihm.

Jeder Morgen startet bei uns mit einem langen ruhigen Spaziergang am Bach und im Feld. Das Laufen aktiviert meine Muskulatur und weckt meinen Geist. Ich mache oft unterwegs Dehnübungen und Royce schnüffelt währenddessen um mich herum. Ich bin viel ausgeglichener und weniger gehetzt. Meine Kraft ist besser geworden und zurzeit arbeiten wir an meinem Gleichgewicht. Er schaut mich ganz verdutzt an, wenn ich versuche, auf einem Bein zu balancieren, und wenn ich mal stolpere und hinfalle, ist er sofort da und leckt mir besorgt das Gesicht. Ich glaube, dieses Gefühl können nur Hundehalter verstehen.

Gibt es auch Probleme, Sorgen?
Das Training mit so einem grossen Hund ist herausfordernd jedoch kein Problem. Ich bewege mich langsamer als andere Hundehalter in der Hundeschule und das ist ok so. Sorgen mache ich mir keine – das habe ich mittlerweile auch von meinem Hund gelernt – ich nehme jeden Tag, wie er kommt, und versuche, im Hier und Jetzt zu leben! Es gelingt mir, finde ich, immer besser.

Kannst du anderen MS-Betroffenen (d)ein Haustier empfehlen? Welche Voraussetzungen müssen für eine funktionierende «Partnerschaft» definitiv erfüllt sein?
Oh ja – absolut. Ich empfehle jedoch jeder und jedem, sich vorgängig sehr gut zu informieren. Es ist eine sehr grosse Verantwortung und dieser muss man sich bewusst sein. Es kann Situationen geben, in denen die Versorgung eines Haustiers nicht möglich ist. Zum Beispiel aufgrund einer Therapie oder eines Krankenhausaufenthaltes.

In solchen Situationen ist es wichtig, dass man auch ein gut funktionierendes menschliches Umfeld hat.

Vor langer Zeit habe ich mal einen Spruch gelesen, der mich seitdem nicht mehr loslässt: «Ein Hund ist ein Teil unseres Lebens, wir sind jedoch sein ganzes Leben!»


Immer gesucht: «Tierisch gute Freunde»

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Liebe Grüsse, deine Redaktion

P.S. Du magst/kannst nicht mitmachen, kennst aber jemanden, der gerne dabei wäre? Oder gut geeignet Dann erzähl’ es einfach weiter…