Hintergrund
Es handelt sich bei der optischen Kohärenztomographie (auf Englisch OCT) um eine einfach durchzuführende und nicht-invasive Untersuchung der Netzhaut, mit der interessante Einblicke auf das zentrale Nervensystem gewonnen werden können. Es gibt gute Daten zur Verbindung zwischen dem OCT-Untersuchungsergebnis und zukünftiger Krankheitsaktivität (Schübe, MRI-Läsionen) sowie Schweregrad der Behinderungen.
Aktuelle Studie
An der hier vorgestellten libanesischen Studie nahmen 111 Personen mit schubförmiger MS teil. Es wurde mittels OCT untersucht, ob die Veränderungen der Schichten der Netzhaut im ersten Beobachtungsjahr eine zukünftige Krankheitsstabilität prognostizieren konnte.
Ergebnisse
Die Teilnehmenden wurden durchschnittlich etwa 5 Jahre lang beobachtet. Über den gesamten Zeitraum kam es bei 45.9 % der Teilnehmenden zu keinerlei Zeichen einer Krankheitsaktivität (sogenanntes «NEDA»- no evidence of disease activity) – was einer Krankheitsstabilität entspricht.
Im Vergleich zeigte sich bei diesen Teilnehmenden im ersten Jahr eine signifikant geringere Abnahme der Netzhautschichtdicke als bei jenen mit Anzeichen einer Krankheitsaktivität.
Beispielsweise blieb im ersten Jahr die wichtige «peripapilläre retinale Nervenfaserschicht» (pRNFL) bei den Teilnehmenden ohne Krankheitsaktivität (NEDA) soweit unverändert (+0.03 Mikrometer), während die Teilnehmenden mit Krankheitsaktivität im Durchschnitt eine Abnahme von 1.84 Mikrometeraufzeigten.
Fazit
Diese Studie bestätigt, dass mittels OCT-Untersuchungen frühzeitige Hinweise dargestellt werden können, die Aufschlüsse auf das Risiko zukünftiger Krankheitsaktivität und Krankheitsstabilität geben können. Inwiefern diese Untersuchungen standardmässig auch ausserhalb von Studien durchgeführt werden sollten, ist noch nicht einheitlich geklärt.
Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)
Multiple Sclerosis Journal. 2025 April