BTK-Inhibitoren: neuer Therapieansatz bei sekundär progredienter MS

Fachartikel
BTK-Inhibitoren: neuer Therapieansatz bei sekundär progredienter MS

Sekundär progrediente Multiple Sklerose ist aktuell nur schwer behandelbar – eine neue Studie zeigt jedoch positive Ergebnisse mit einem neuen Ansatz – der Bruton Tyrosin Kinase – Hemmung (BTK-Inhibition)

Erklärung von Tolebrutinib – BTK-Inhibition

Tolebrutinib gehört zur Gruppe der BTK (Bruton-Tyrosin-Kinase) Inhibitoren. Das sind Moleküle, die die Reifung und Entwicklung von B-Zellen und auch die Funktion der Mikroglia beeinflussen können und derzeit in mehreren Studien bei der schubförmigen MS, der primär progredienten und der sekundär progredienten MS untersucht werden. B-Zellen und Mikroglia spielen eine wichtige Rolle im Krankheitsprozess bei der MS.

Hintergrund

Die aktuellen immunmodulierenden MS-Therapien können massive Effekte auf die entzündliche Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose erzielen. Dank ihnen kann sehr häufig ein schubfreier MS-Verlauf erreicht werden. Die bei einem Teil der Betroffenen im MS-Krankheitsverlauf einsetzende, sekundäre Progredienz ist durch eine langsame, schleichende, Verschlechterung gekennzeichnet. Sie kann nur wenig durch immunmodulierende Therapien beeinflusst werden. Insbesondere, wenn es sich um eine nicht-aktive (also schubfreie) Form der sekundär progredienten MS handelt.

Aktuelle Studie

In einer grossen, internationalen Phase-3-Studie, bei der die Teilnehmenden zufällig in die Placebo- bzw. Substanzgruppe eingeteilt wurden (Placebo-kontrolliert, randomisiert), wurde die Wirkung von Tolebrutinib auf die Krankheitszunahme (Progression) geprüft. Untersucht wurde die Progression anhand der EDSS-Skala (= Expanded Disability Status Scale). Der EDSS gibt über den Grad der Behinderung von Menschen mit Multipler Sklerose Auskunft.

Ergebnisse

Es wurden insgesamt 1131 Teilnehmende mit schubfreier, sekundär progredienter MS eingeschlossen. Zwei Drittel der Teilnehmenden erhielten das Tolebrutinib-Präparat als Tablette; ein Drittel erhielt ein Placebo. Im Durchschnitt wurden die Teilnehmenden etwa 2 Jahre (133 Wochen) untersucht. In der Tolebrutinib-Gruppe wurde bei 22.6% der Teilnehmenden eine relevante und anhaltende EDSS-Verschlechterung festgestellt, in der Placebogruppe war dies bei 30.7% der Teilnehmenden der Fall, was einen signifikanten Unterschied darstellte. Das Nebenwirkungsprofil war insgesamt gut, wenngleich es bei 4 % der Teilnehmenden unter Tolebrutinib (1.6 % in der Placebo-Gruppe) zu Leberwerterhöhungen kam, welche im Falle der Nutzung dieser Therapie in Zukunft überwacht werden sollten.

Fazit

Diese Studie konnte klar nachweisen, dass Tolebrutinib bei Betroffenen mit sekundär progredienter MS, einen positiven Effekt hat und gegen die chronische Verschlechterung der Erkrankung (Progression) wirkt. Die BTK-Inhibition könnten daher in Zukunft möglicherweise in dieser bisher schwer zu behandelnder Form eingesetzt werden, unter engmaschiger Überwachung möglicher Nebenwirkungen. Eine Zulassung der Therapie liegt aktuell allerdings noch nicht vor.

Link zur Studie (englisch, kostenpflichtig)

Tolebrutinib in Nonrelapsing Secondary Progressive Multiple Sclerosis

New England Journal of Medicine. Vol. 392, Number 19, 2025