Charakterisierung der CD4+ T Zell Antwort gegen Epstein-Barr Virus-infizierte B Zellen bei Personen mit Multipler Sklerose
Fragen an Roland Martin
Was ist die Hypothese Ihres Projekts?
Unsere Arbeitshypothese, die durch eine Vielzahl von Daten verschiedener Arbeitsgruppen einschliesslich unserer unterstützt wird, ist, dass der wichtigste Umweltrisikofaktor der MS, Epstein-Barr Virus (EBV), und der wichtigste genetische Risikofaktor, der HLA-DR15 Haplotyp, an der Aktivierung von B- und CD4+ T Lymphozyten bei MS beteiligt sind.
EBV infiziert B Zellen lebenslang, und selbst-reaktive CD4+ T Zellen führen zur chronischen Entzündungsreaktion im Gehirn von Personen mit MS (pwMS). B- und T Zellen interagieren intensiv miteinander und beginnen spontan zu wachsen (Autoproliferation, AP). Als Nächstes differenzieren sie in Subtypen, die die MS Entzündung unterstützen, in die Hirnhäute und das Gehirn einwandern. Sie spielen dort sowohl in der frühen als auch der chronischen Phase der Erkrankung eine wichtige Rolle.
Unser Projekt soll klären, welche EBV-Proteine und Autoantigene von EBV-infizierten B Zellen präsentiert und von krankheitsrelevanten CD4+ T Zellen sowohl aus dem Liquor als auch dem peripheren Blut erkannt werden.
Wie gehen Sie vor, um Ihre Hypothese zu prüfen?
Da die Zielantigene von CD4+ T Zellen, die gegen EBV-infizierte B Zellen reagieren, nicht bekannt sind, planen wir:
- zu prüfen, welche EBV- und Selbstantigene von EBV-infizierten B Zellen auf HLA-DR15 Molekülen präsentiert werden,
- ob die autoproliferierenden (AP+) und auch aus dem Liquor gewonnene CD4+ T Zellen EBV-infizierte B Zellen erkennen,
- welche Charakteristika diese T Zellen haben, und
- mit einem von uns entwickelten Verfahren sehr breit zu untersuchen, auf welche Zielantigene (EBV-, humane (Selbst-) Proteine, virale, bakterielle, Darm-Mikrobiom-abstammende, Pilz- und parasitäre) CD4+ T Zellen reagieren, die EBV-infizierte B Zellen erkennen.
Was soll sich dank Ihrem Projekt verändern, und für wen?
Wir glauben, dass EBV und HLA-DR15 bei der Auslösung und Fortschreiten der MS eine entscheidende Rolle spielen. Das Verständnis der Interaktion dieser Risikofaktoren und der EBV-spezifischen Immunantwort verspricht nicht nur, grundlegende Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und damit die Wissenschaft voranzutreiben, sondern insbesondere die Basis für zukünftige Behandlungen zu bilden, die vorbeugend und therapeutisch verwendet werden können. Damit würden wir gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag für pwMS leisten.
Was bereitet Ihnen beim Forschen besondere Freude?
Ich habe seit dem Medizinstudium immer aktiv geforscht und neben der Betreuung von pwMS grosse Motivation aus dem Forschen und Verstehen von Zusammenhängen gezogen. Insbesondere wie Viren zu Autoimmunität beitragen, hat mich von Beginn an fasziniert. Basierend auf dem Krankheitsverständnis haben wir darüber hinaus mehr als 10 neue Behandlungen von der Idee im Labor zur frühen klinischen Prüfung am Patienten gebracht, was in hohem Masse erfüllend ist.
Beschreiben Sie Ihren Werdegang:
Ich bin Neurologe und Immunologe, habe direkt nach dem Studium ein Postdoktorat in Immunologie und Virologie absolviert, dann 15 Jahre am Nationalen Gesundheitsinstitut der USA an MS Krankheitsmechanismen und Behandlungsentwicklung gearbeitet, danach in der grössten MS Abteilung in Spanien in Barcelona, habe ein Institut für Neuroimmunologie und Klinische MS Forschung in Hamburg geleitet und dann seit 2011 die MS Abteilung und -Forschung am Unispital Zürich.
Meine Arbeitsgruppe gehört in dem Bereich dieses Forschungsantrags zu den wichtigsten weltweit, wir haben mehrere MS Autoantigen entdeckt und auch mehrere neue Therapieansätze in frühen klinischen Studien geprüft.