Optimierung der stationären Rehabilitation – Untersuchung des Effekts von Kühlung während intensiver aktiver Trainings auf die Müdigkeit bei Personen mit MS

Fragen an Nadine Patt

Was ist die Hypothese Ihres Projekts?

Intensives Training während der stationären Rehabilitation hat positive Auswirkungen auf die Fitness, die Denkleistung und MS-typische Biomarker im Blut. Jedoch kann eine erhöhte Körpertemperatur als Folge von Training zu einer vorübergehenden Verschlechterung von MS-Symptomen beitragen (Uthoff-Phänomen).

Kühlmethoden wirken diesem Phänomen entgegen und haben positive Effekte auf die Trainingsleistung und die Regenerationszeit. Eine stationäre Rehabilitation beinhaltet aktive und intensive Therapien über einen kurzen Zeitraum (3-4 Wochen) und Personen mit MS geben oft am Ende einer Reha-Woche an, dass sie müde sind von den Therapien. Wir vermuten, dass Kühlung während dem Training dazu beiträgt, dass Personen mit MS weniger ermüden und sich schneller erholen nach einer Trainingseinheit und somit noch besser von einem Reha-Aufenthalt profitieren können.

Basierend darauf ist die Hypothese unserer Studie, dass Kühlung während intensiver aktiver Trainingseinheiten in der stationären Rehabilitation einer Erhöhung der Müdigkeit bei Personen mit MS entgegenwirkt.

Wie gehen Sie vor, um Ihre Hypothese zu prüfen?

Es werden 42 Personen mit MS in die Studie eingeschlossen, die eine dreiwöchige stationäre Rehabilitation im Rehazentrum Valens absolvieren. Die eine Hälfte der Teilnehmenden wird zuerst eine Woche lang eine Kühlweste tragen während dem Training, und anschliessend eine Woche lang ohne Kühlweste trainieren. Die andere Hälfte der Teilnehmenden trainiert zuerst eine Woche lang ohne Kühlweste und anschliessend eine Woche lang mit Kühlweste. 

Wir untersuchen den Effekt auf die Fatigue, die Gehausdauer, die Muskelkraft, die Balance und die Kognition. Ebenfalls werden wir den Effekt der dreiwöchigen Rehabilitation auf die Fitness und die Kraft untersuchen.

Was soll sich dank Ihrem Projekt verändern, und für wen?

Personen mit MS fällt es wegen der Hitzeempfindlichkeit schwer, körperlich anstrengende Aktivitäten durchzuführen. Körperliche Aktivität und Training sind jedoch auf nicht-medikamentöser Ebene sehr wichtig für die Verbesserung vieler MS-Symptome und der Lebensqualität. 

Es gibt jedoch noch keine spezifischen Empfehlungen für den Einsatz von Kühlmethoden bei Personen mit MS. Es gibt bisher auch keine Studien, die den Effekt von Kühlmethoden während eines stationären Reha-Aufenthaltes untersucht haben. Daher möchten wir mit unserer Studie einen Beitrag dazu leisten, um diese Wissenslücken in Zukunft zu schliessen und die stationäre Rehabilitation noch optimaler zu gestalten.

Was bereitet Ihnen beim Forschen besondere Freude?

Ich arbeite sowohl in der Sporttherapie als auch in der Forschung, diese Kombination ist sehr bereichernd. Die angewandte und praxisnahe Forschung ist sehr spannend und lehrreich, was mir besondere Freude bereitet. Mich motiviert, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann, damit sich die Rehabilitation und somit die Lebensqualität bei Personen mit MS verbessert.

Beschreiben Sie Ihren Werdegang:

Nach dem Studium in Gesundheitswissenschaften und Technologie an der ETH in Zürich begann ich 2018 in der Sporttherapie in der Klinik Lengg (Neurorehabilitation) zu arbeiten. 2020 wechselte ich ins Rehazentrum Valens, wo ich nun in der Sporttherapie und in der Forschung arbeite und mein Doktoratsstudium an der Universität in Bern absolviere.