Erforschung der Mechanismen der neuronalen Schädigung bei Neuromyelitis-optica-Spektrumerkrankung.

Fragen an Marina Herwerth

Was ist die Hypothese Ihres Projekts?

Die Hypothese unseres Projekts ist, dass der Aquaporin4-Antikörper-vermittelte Astrozytenverlust bei NMOSD eine Störung im neuronalen Stoffwechsel und der neuronalen Netzwerkaktivität verursacht.

Wie gehen Sie vor, um Ihre Hypothese zu prüfen?

Um diese Hypothese zu überprüfen, werden wir in einem multimodalen Ansatz die Nervenzellen, die ihre astrozytären Nachbarn verloren haben, genau charakterisieren. 

Dazu werden wir die Nervenzellen mittels Zwei-Photonen-Mikroskopie in Kombination mit unterschiedlichen fluoreszierenden Sensoren über ein kraniales Fenster in einem kürzlich entwickelten NMOSD-Tiermodell genau verfolgen. 

Mit einer computergestützten Analyse werden wir dann zu bestimmten Zeitpunkten die genetische Information von diesen Nervenzellen untersuchen und funktionelle Messungen von wichtigen metabolischen Signalkaskaden durchführen. Im letzten Schritt werden wir testen, ob eine ketogene Diät die detektierte Störung im Metabolismus günstig beeinflussen kann.

Was soll sich dank Ihrem Projekt verändern, und für wen?

Wir erhoffen uns von diesem Projekt ein tieferes Verständnis von den Mechanismen zu gewinnen, die der neuronalen Schädigung bei NMOSD zugrunde liegen. Wir möchten ein Fundament für neue neuroprotektive Strategien legen, welche dazu führen, dass wir Personen mit NMOSD in Zukunft besser beraten und behandeln können.

Was bereitet Ihnen beim Forschen besondere Freude?

Als Wissenschaftlerin mit translationalem Schwerpunkt finde ich es unglaublich bereichernd, präklinische Erkenntnisse zur Pathogenese bestimmter Erkrankungen auf klinische Anwendungen übertragen zu können, und gleichzeitig durch den direkten Kontakt zu den Patienten ihre Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren, sondern diese als Ansporn zu nutzen, im präklinischen Modell neue Antworten zu finden.

Beschreiben Sie Ihren Werdegang:

Nach meinem Medizinstudium und meiner Promotion in Neurowissenschaften an der Universität Heidelberg habe ich meine neurologische Facharztausbildung am Klinikum rechts der Isar an der technischen Universität München absolviert. In dieser Zeit schloss ich mich wissenschaftlich der neuroimmunologischen Arbeitsgruppe von Prof. Bernhard Hemmer in Kooperation mit dem Institut für neuronale Zellbiologie, unter der Leitung von Prof. Thomas Misgeld, an. 

Im Sommer 2020 wechselte ich für einen Forschungsaufenthalt nach Zürich an das Labor für experimentelles Imaging am Institut für Pharmakologie und Toxikologie (IPT) der Universität Zürich unter der Leitung von Prof. Bruno Weber. 

Seit 2022 bin ich als Oberärztin an der neurologischen Klinik am Universitätsspital Zürich und seit 2023 als Gruppenleiterin am IPT tätig. Mein interdisziplinäres Team, bestehend aus klinisch und nicht klinisch tätigen Mitarbeitern, beschäftigt sich mit der Untersuchung von Pathomechanismen neuroimmunologischer Erkrankungen (wie NMOSD, MS) und der Entwicklung neuroregenerativer Strategien.