Immundysregulation bei MOGAD: Präzise Charakterisierung und Analyse aktivierungsabhängiger Signalwege in zirkulierenden Immunzellen.

Fragen an Burkhard Becher

Was ist die Hypothese Ihres Projekts?

MOG-Antikörper assoziierte Erkrankung (MOGAD) und Multiple Sklerose (MS) sind Krankheiten des Nervensystems, die durch fehlgeleitete Immunzellen verursacht werden. In unseren bisherigen Analysen haben wir deutliche Veränderungen von Immunzellen im Blut von Menschen mit MOGAD gefunden. Obwohl MOGAD und MS klinisch ähnlich sind, denken wir, dass sich die beiden Erkrankungen anhand von detaillierten Blutbildern unterscheiden lassen.

Schübe beider Erkrankungen treten häufig nach Infektionen und manchmal auch nach Impfungen auf. Zudem haben wir bei Betroffenen mit MOGAD eine Vermehrung von bestimmten Immunzellen im Blut gefunden, die im Zusammenhang mit Infektionen beschrieben worden waren. Bei gesunden Menschen wird die Aktivierung des Immunsystems durch Infektionen oder Impfungen ohne Entzündung des Nervensystems wieder aufgelöst. Deshalb ist es unsere Hypothese, dass die Immunzellen von MOGAD- und/oder MS-Betroffenen im Vergleich zu Gesunden unterschiedlich auf diese Aktivierungen reagieren.

Wie gehen Sie vor, um Ihre Hypothese zu prüfen?

Aufbauend auf unseren bisherigen Resultaten möchten wir die Immunzellen im Blut von MOGAD- und MS-Betroffenen im Detail untersuchen, um Unterschiede im Vergleich zu Gesunden und zwischen den beiden Erkrankungen zu finden. Dafür wenden wir Methoden an, die sehr viele Parameter von Blutzellen messen, und werten diese Daten mithilfe von modernen Machine Learning Algorithmen aus. Zudem testen wir mit Blutproben im Labor, wie Immunzellen von Betroffenen auf simulierte Virusinfektionen reagieren. Diese können wir dann mit Proben von gesunden Personen vergleichen und so erkennen, was bei den Betroffenen falsch läuft.

Was soll sich dank Ihrem Projekt verändern, und für wen?

MOGAD ist eine ziemlich neue Diagnose in der Neurologie, und viele Aspekte der Erkrankung sind noch nicht gut verstanden. Es gibt aktuell keine Therapien, die spezifisch für MOGAD zugelassen sind und die wiederkehrenden Krankheitsschübe bei allen Betroffenen verhindern können. Mit unseren Untersuchungen wollen wir neue Erkenntnisse über die Krankheitsmechanismen gewinnen. Dies bildet die Basis für die Entwicklung von gezielten Therapien. Zudem könnten unsere Ergebnisse helfen, MOGAD besser von MS abzugrenzen und so die Diagnosestellung zu erleichtern. Indem wir den Zusammenhang zwischen Infektionen, Impfungen und Krankheitsschüben untersuchen, möchten wir ausserdem zur Prävention solcher Episoden bei MS- und MOGAD-Betroffenen beitragen.

Was bereitet Ihnen beim Forschen besondere Freude?

Am meisten begeistert mich, dass ich durch die Forschung die Möglichkeit habe, neue Erkenntnisse zu gewinnen, die zu besseren Behandlungsmethoden und einem tieferen Verständnis von Krankheitsmechanismen führen könnten. Der Prozess, komplexe Fragen zu stellen, Experimente zu entwerfen und Ergebnisse zu interpretieren, ist sowohl intellektuell herausfordernd als auch spannend. Besonders motiviert mich die Hoffnung, dass meine Arbeit dazu beitragen kann, das Leben von Betroffenen zu verbessern – das macht alle Herausforderungen der Forschung mehr als lohnenswert.

Beschreiben Sie Ihren Werdegang:

Ich habe Biologie an der Universität Köln in Deutschland studiert. Dann absolvierte ich mein Graduiertenstudium an der McGill University in Kanada und war anschliessend als Postdoc an der Dartmouth Medical School in den USA. 2003 erhielt ich einen Ruf als Assistenzprofessor für die Abteilung für Neurologie der Universität Zürich und 2008 wurde ich Professor und Institutsleiter am Institut für Experimentelle Immunologie, wo ich derzeit die Forschungsgruppe für Entzündungsforschung leite. 

Meine Forschung konzentriert sich auf Kommunikationsnetzwerke bei Entzündungen und Immuntherapien. Seit 2018 bin ich stets ein «highly cited scientist» (Clarivate), wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet und erhielt 2019 den ERC Advanced Grant.