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7 Fragen an MS-Bloggerin Sabrina

Alleine gegen die Multiple Sklerose? Nie. Was als Werkzeug entstand, persönlich mit einer unheilbaren Krankheit besser zurecht zu kommen, hat sich in vielerlei Hinsicht entwickelt. In ihrem Blog «me.against.ms» vereint Sabrina auf Instagram mittlerweile über 8´000 MS-Betroffene und Menschen aus aller Welt.

Wer ist Sabrina in einem Satz (er darf gerne länger sein)?
«Meine Schwester ist ein sehr willensstarker Mensch und sie hat eine Meinung und auch keine Probleme damit, dafür einzustehen, aber es gibt immer Raum für andere Meinungen, ausserdem ist sie kein Mensch, der ein einfaches Leben will, sondern sie will Abwechslung, Aktivität und Möglichkeiten zu lernen, das schätze ich sehr an ihr, weil mich das selbst aus versteiften Denkmustern befreit hat.» (Ich kann nicht gut über mich selbst schreiben, daher habe einfach mal meine Schwester gebeten, mich in einem Satz zu beschreiben.)

Seit wann und wie beeinflusst die MS dein Leben? 
Die Diagnose MS habe ich mit 23 bekommen, im Mai 2016, wir haben also bald 6-jähriges Jubiläum. Zur Diagnose kam es, weil ich im Februar 2016 Empfindungsstörungen in den Beinen und Füssen hatte, als würden ständig Ameisen über die Haut laufen. Ausserdem hatte ich während der Klausurenphase plötzlich Doppelsehen, habe auch Farben etc. nicht richtig gesehen und hatte Schmerzen in den Augen. Heute weiss ich: Das war meine erste Sehnerv-Entzündung. Davon hatte ich seither noch ein paar, mal rechts mal links, aber zum Glück nie bis zur vollkommenen Erblindung. Es hat teils sehr lange gedauert, über anderthalb Jahre, aber sie sind wieder gut abgeheilt. Ohne Cortison. Geduld ist hier unumgänglich glaube ich.

Ich hatte auch die ersten zwei Jahre stärker mit Wortfindungsstörungen und Problemen mit Erinnerung und Konzentration zu tun, weshalb ich mein Studium dann auch abgebrochen habe. Der Sommer 2016 war Büchern gewidmet, ich musste wieder lernen, wie man sich lange genug konzentriert, um tatsächlich mehr als einen Satz am Stück zu lesen. Brainfog und Fatigue waren damals sehr stark. Ich habe aber meinen gesamten Lebensstil und mein Mindset geändert seither und helfe meinem Körper über Ernährung, Supplements, Sport und Meditation fit zu bleiben und das funktioniert auch sehr gut so.

Du arbeitest auf deinem Account viel mit Sinnsprüchen. Welcher ist dein liebster? Welcher würde dich am besten beschreiben?
Definitiv «The Universe always works in my favour.», also «Das Universum arbeitet immer zu meinen Gunsten.» Ich bin der Meinung, dass nichts ohne Grund geschieht. Und wenn mir Dinge passieren, die schwer zu verarbeiten sind und weh tun, versuche ich mich nach dem Durchleben der Emotion immer zu fragen: «Was soll mir das gerade beibringen? Was kann ich daraus lernen?». Ich glaube, mir hilft diese Einstellung sehr, auch wenn es einfacher gesagt als getan ist, weil oft einfach Dinge passieren, die man nicht versteht. Ich hatte auch in Bezug auf die MS nie den Gedanken «Warum ich?».

Warum denn nicht ich? Würde ich das anderen eher wünschen? Sicher nicht. Und für mich war die Diagnose einfach sehr wichtig, um endlich mein Leben umzustellen und mehr auf mich zu achten. Es gibt mir die Verantwortlichkeit für mein Leben.  Ausserdem nimmt es einem glaube ich die Angst, Angst ist nämlich ein ganz schlechter Ratgeber und gar nicht gut für den Körper.

Wenn du 3 Dinge an dir ändern könntest. Welche wären das? 
Also ich arbeite aktiv an Dingen, die ich gern ändern würde. Ich wäre zum einen gern geduldiger, mit mir und anderen. Ich bin auch ein sehr empathischer Mensch, was ich gut finde, nur fehlt mir oft die Empathie für mich selbst, das möchte ich gern noch lernen. Und ich kann kaum zur Ruhe kommen, ich funktioniere super unter Stress, was aber gar nicht gut ist für mich, mein Kopf läuft immer auf 150% und schaltet nie ab.

Welches sind deine 3 besten Eigenschaften? 
Ohjeh. Also was andere so sagen, bin ich wohl eine gute Zuhörerin. Man kriegt von mir dann auch meist sehr lösungsorientiere, logische Vorschläge. Logisches Denken gehört glaube ich auch zu meinen Stärken. Und eben die Empathie, die auch einfach zu grosser Toleranz führt, ausser Leute äussern sich selbst intolerant.

Du kommunizierst mit deinen Fans konsequent auf Englisch, Deutsch wird eher mit ausgespielt... Wie international ist dein Publikum? Hast du einen Überblick, aus wie vielen Ländern der Welt deine «Fans» kommen? Wer lebt am weitesten weg? Gibt es sonst Spezielles zur Demographie? 
Also am weitesten weg sind vermutlich die Follower in Australien. Aber es kommen auch einige zum Beispiel aus dem Iran, Indien, Saudi-Arabien, Südafrika, Lateinamerika, der Türkei… Aber die grösste Zahl wird denke ich von den USA gestellt, gefolgt von UK und Deutschland. Ich habe dazu auch mal eine Karte erstellt, die man online einsehen kann, dort habe ich alle eingetragen, die Interesse hatten. Vom Alter her liegen die meisten zwischen 25 und 45.

Du hast jetzt über 8000 Follower. Spürt man da manchmal eine Art «Last der Verantwortung». Dass man permanent Inhalte «liefern» muss? Dass man eine Art «Vorbild» ist? Dass man trotz unheilbarer Krankheit mutig und optimistisch sein «soll/muss»?
Also ich weiss nicht, inwiefern ich für irgendwen ein Vorbild bin. Letztlich habe ich den Blog damals angefangen, um selbst irgendwie mit der Diagnose umzugehen und später wollte ich auch meinen alternativen Ansatz teilen, ein «es geht auch anders».

Ich bin ziemlich authentisch ich selbst auf dem Blog, mit allen Hochs und Tiefs und dazu gehört halt auch mal zu zeigen, wenn es mir nicht so gut geht. Allerdings sehe ich mich nicht als jemanden mit «unheilbarer Erkrankung», sondern einfach nur auf einer Reise zu mehr Gesundheit, mental wie körperlich.

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