Detail

Sprachnavigation

Mobile Navigation

1‘000 Stimmen für ein Hallelujah

Der Dirigent und Ehrengast Howard Griffiths und die preisgekrönte Pianistin Claire Huangci verzauberten zusammen mit der Camerata Schweiz die ausverkaufte Tonhalle Maag am diesjährigen MS Benefizkonzert. Für Gänsehaut am Schluss sorgte der Überraschungsgast Axel Marena, der mit einem herzerwärmenden «Hallelujah» den kompletten Saal zum Mitsingen animierte.

«Das Licht, das wir für andere erleuchten, beleuchtet auch unseren eigenen Weg.» Mit diesem Zitat eröffnete Patricia Monin, Direktorin der Schweiz. MS-Gesellschaft, das diesjährige MS Benefizkonzert. Damit dankte sie dem zahlreich erschienenen Publikum, das mit jedem einzelnen Ticket einen Beitrag an Menschen mit MS stiftete. Anders als in den Jahren zuvor wartete Patricia Monin mit der Ehrung eines besonders engagierten Menschen nicht bis zur Pause, sondern leitete kurzerhand über zu einer Person, die sich schon seit über 21 Jahren immer wieder fürs Benefizkonzert engagiert und gute Stimmung in die Konzerthalle bringt: der Dirigent Howard Griffiths. Auf die Frage, wieso er schon so lange mit der MS-Gesellschaft verbunden ist, erzählte er von seiner Mutter, die MS gehabt habe und am Schluss vom Hals abwärts gelähmt gewesen sei. Trotzdem hat sie sich bis zum Ende kreativ betätigt, vor allem für das Malen hegte sie eine grosse Leidenschaft. Am allerersten Benefizkonzert der MS-Gesellschaft dirigierte Griffiths Die vier Jahreszeiten von Vivaldi. Passend dazu malte seine Mutter mit dem Mund vier schöne Bilder.

Huangci: Unglaubliches Tempo

Kurz nach Howard Griffiths betrat Claire Huangci in einem leuchtend blauen Einteiler die Bühne und wurde mit grossem, erwartungsvollem Applaus empfangen. Gerade erst hatte sie den anspruchsvollen Concours Géza Anda gewonnen, die Spannung im Publikum war daher fast schon greifbar. Und die Erwartungen wurden mehr als erfüllt: Was die 28-jährige Huangci vorführte, war schlicht und ergreifend atemberaubend. Mit einer Leichtigkeit und Eleganz dribbelten ihre Finger so schnell über die Tasten, dass von blossem Auge die Bewegungen der Hände nicht mehr trennscharf auszumachen waren. Die über 1‘200 Zuschauerinnen und Zuschauer blickten sich ungläubig an oder schüttelten die Köpfe. Zum Schluss von Beethovens 6. Klavierkonzert wurde die Virtuosin mit frenetischem Applaus, begeisterten Rufen und einer Standing Ovation belohnt. Zu Anfang der Pause drückte eine Besucherin ihre Freude aus: «Ich habe schon lange nicht mehr Klavier gespielt. Aber heute gehe ich gleich nach dem Konzert nach Hause und setze mich ans Klavier. Das Konzert hat mich total inspiriert.»

Gänsehaut-Moment

Die zweite Hälfte des Konzerts war von Howard Griffiths bereits humorvoll angekündigt worden mit den Worten: «Londoner mögen keine Musik, they only like the noise it makes.» Es folgte eine farbige und unterhaltsame Symphonie mit vielen Wechseln, die London Symphonie von Joseph Haydn. Das Orchester der Camerata Schweiz zeigte sich – wie bereits im ersten Teil – harmonisch und zugleich leidenschaftlich. Zum Schluss bat Griffiths für ein letztes Highlight einen Überraschungsgast auf die Bühne: Der Solist Axel Marena stimmte das bekannte Weihnachtslied «Stille Nacht, Heilige Nacht» an, gemeinsam animierten sie das Publikum, in die zweite Strophe einzustimmen und lautstark mit zu singen. Für einen absoluten Gänsehautmoment sorgte das zweite Lied, das als gewaltiger Chor durch die Tonhalle Maag schallte: «It's a cold and it's a broken Hallelujah. Hallelujah, hallelujah.»

×