Intimität und Sexualität sind für eine gesunde partnerschaftliche Beziehung sehr wichtig. Sie werden von jeden Menschen anders erlebt. Die Idee einer "normalen" Sexualität kann sehr belastend sein und verunsichern. Aber: Woher wissen wir, was eine "normale" oder "gute" Sexualität sein soll? Über die Hälfte der Befragten von Untersuchungen berichten von sexuellen Problemen oder sexuellen Funktionsstörungen. Unter MS-Betroffenen ist dieser Anteil noch höher. MS kann sexuelle Störungen verursachen und/oder verstärken.
Generell klagen MS-Betroffene häufig über fehlendes oder geringes sexuelles Verlangen ("keine Lust"). Auch äussern sie vielfältige Ängste und Unsicherheiten rund um die Sexualität.
Sehr oft kommen bei Männern Erektionsprobleme vor. Frauen sehen sich mit Problemen der Erregbarkeit (Befeuchtung der Vagina) und Empfindungsstörungen konfrontiert. Diese Symptome können eine direkte Folge von Entzündungsherden im Gehirn oder Rückenmark sein. Sie können aber auch Begleiterscheinungen von Blasenstörungen, Spastik oder Schmerzen sein.
Psychische Probleme wie Depression, Müdigkeit und Verunsicherung gegenüber dem eigenen Körper wirken zusätzlich komplizierend auf das Sexualerleben. Auch einige Medikamente (viele Antidepressiva) haben einen eher ungünstigen Einfluss auf die Sexualität.
Es lohnt sich, Mut zu fassen und mit dem Partner oder der Partnerin über das eigene Sexualerleben zu sprechen. Wenn die Probleme lang anhaltend und störend sind, ist eine Abklärung bei einem Arzt Ihres Vertrauens sinnvoll. Er wird allenfalls auch vorschlagen, einen Urologen zur Abklärung organischer (MS-bedingter) Ursachen beizuziehen.
Ist eine organische Ursache ausgeschlossen oder kann diese nicht behandelt werden, so ist eine Paar- oder Sexualberatung bei einer psychotherapeutischen Fachperson hilfreich.
Es sind diverse nützliche Hilfsmittel und Medikamente zur Behandlung sexueller Störungen auf dem Markt. Die Verordnung und Anwendung gehört unter ärztliche Aufsicht und sollte nur nach einer gründlichen Abklärung erfolgen.