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Positive Studienergebnisse mit Cladribin

Die CLARITY-Studie umfasste 1‘300 Testpersonen und dauerte zwei Jahre. Es wurden zwei verschiedene Dosierungen von Cladribin mit Placebo verglichen. Untersucht wurde in erster Linie, ob sich die Schubrate unter Cladribin reduziert. Zudem wurden der Anteil gänzlich schubfreier Testpersonen sowie das Fortschreiten der Behinderung ermittelt. Die Krankheitsaktivität wurde anhand von Magnetresonanztomographie-Bildern (MRT) ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im New England Journal of Medicine vom 4. Feb. 2010 (Volume 362:416-426) veröffentlicht.

 

Reduktion der Schubrate

Cladribin vermochte die Schubrate im Vergleich zu Placebo deutlich zu verringern: Mit der niedrigeren Dosierung von Cladribin traten 58% weniger Schübe auf als mit Placebo, mit der höheren Dosis betrug die Reduktion 55%. In den beiden Cladribin-Gruppen blieben 79% der Testpersonen schubfrei, wobei auch in der Placebo-Gruppe 61% keinerlei Schübe verzeichnete. Die Zunahme der Krankheitsbehinderung (bestätigt über drei Monate anhand der sogenannten EDSS-Skala) war mittels Cladribin um knapp 33% reduziert. In den MRT-Bildern waren zudem weniger Entzündungsherde erkennbar.

Bei 20 Personen, die Cladribin zu sich nahmen, trat eine Gürtelrose (Herpes Zoster) auf. Die häufigste Nebenwirkung war eine Lymphopenie (reduzierte Lymphozytenanzahl im Blut). Sie trat bei 22% (niedrige Dosierung) bzw. 32% (hohe Dosierung) der Testpersonen in milder bis mittelschwerer Form auf. Aufgrund der Wirkungsweise von Cladribin ist dies nicht unbedingt überraschend, es unterstreicht jedoch die Notwendigkeit einer sorgfältigen Therapiebegleitung durch Fachärzte. Drei Fälle von Krebs traten auf, wobei der Zusammenhang mit Cladribin nicht eindeutig feststellbar ist.

 

Bekannt aus der Krebsbehandlung

Cladribin wird heute bereits in der Krebsbehandlung eingesetzt. Der Wirkstoff hemmt die Aktivität und senkt die Zahl der Lymphozyten, einer Untergruppe der weissen Blutkörperchen, die für die Schädigung des Nervensystems verantwortlich gemacht werden. Darüber hinaus soll der Wirkstoff entzündungshemmend wirken.

Ein grosser Vorteil von Cladribin ist die Verabreichungsform: Die Herstellerin Merck Serono möchte das MS-Medikament in Tablettenform auf den Markt bringen. Der Zulassungsantrag wurde im November 2009 von der US-Zulassungsbehörde (FDA) jedoch vorerst zurückgewiesen, vermutlich aufgrund noch fehlender Informationen. Mit der Veröffentlichung der Resultate der CLARITY-Studie scheint die Sachlage wieder etwas optimistischer. Eine Anschlussstudie untersucht zur Zeit die Sicherheit und Wirksamkeit von Cladribin bei langfristiger Anwendung. Daneben sind die Studien ORACLE MS und ONWARD im Gange, die ebenfalls weitere Erkenntnisse bezüglich Cladribin liefern sollen.

Redaktion: Schweiz. MS-Gesellschaft, 10.2.2010