Bisher gibt es keinen Bluttest, mit dem man MS nachweisen könnte. Daher sind verschiedene Untersuchungen nötig, um die Diagnose zu stellen.
Diese Untersuchungen dienen v.a. dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie die MS verursachen können.
Bei Verdacht auf eine Erkrankung des Nervensystems werden die Patienten fachärztlich (neurolo-gisch) untersucht. Hierbei wird die Krankengeschichte aufgenommen und die Schilderungen von Angehörigen oder Drittpersonen gegebenenfalls mit einbezogen.
Leider ist es nicht in jedem Fall möglich, länger zurückliegende Symptome als erste Krankheitszeichen einer MS zu definieren. Da mit der Diagnose eine Reihe von Veränderungen im Leben eines Betroffenen verbunden sind, ist die Diagnose äusserst sorgfältig zu stellen. Nur eindeutige, mindestens 24 Stunden anhaltende und nicht durch andere Erkrankungen erklärbare neurologische Symptome können rückwirkend in Einzelfällen als Erstereignis gedeutet werden.
Mittels neurologischer Untersuchungen überprüft der Arzt oder die Ärztin die Hirn- und Nervenfunktionen. Der Befund wird Neurostatus genannt. Die Untersuchung umfasst im Wesentlichen die Überprüfung folgender Aspekte:
Die Symptome werden standardisiert ermittelt und dokumentiert, so dass sie mit den Ergebnissen anderer behandelnder Fachärzte vergleichbar sind.
Beim MRI (Magnetic Resonance Imaging) wird ein starkes Magnetfeld (keine Röntgenstrahlen) eingesetzt, um das zentrale Nervensystem bildlich darzustellen. Mit einem Kontrastmittel, das intravenös verabreicht wird, können aktive Entzündungsherde sichtbar gemacht werden.
Verschiedene MRI Messmethoden geben Auskunft über das Alter der Läsionen und Gewebeverlust. Das MRI ist nicht nur ein Mittel zur Diagnosestellung, sondern es dient auch zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs, zur Standortbestimmung bei einem bevorstehenden Medikamentenwechsel und bei einem klinischen Verdacht auf einen MS-Schub.
Evozierte Potenziale sind elektrische Spannungsunterschiede, die nach einer Reizung abgeleitet und aufgezeichnet werden. Man unterscheidet folgende Potenziale:
Da die genannten Sinnessysteme nach einer Reizung die Signale über Nervenfasern weiterleiten, kann dann durch die Messung der jeweiligen Nervenleitgeschwindigkeiten auf die Funktionstüch-tigkeit der Nervenbahnen im Rückenmark sowie des Sehnerves zurückgeschlossen werden. Bei der MS kann diese Leitgeschwindigkeit durch die teilweise oder gänzliche Zerstörung der Myelinschicht verzögert oder ganz unterbrochen sein.
Bei einer Lumbalpunktion (LP) wird aus dem Rückenmarkskanal etwas Nervenwasser (Liquor) entnommen. Sind im Liquor bestimmte Eiweissmuster, v.a. sogenannte oligoklonale Banden (OKB), vorhanden, deutet das auf entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem hin.
Die Lumbalpunktion hilf auch, andere Erkrankungen, z.B. die Borreliose (verursacht durch einen Zeckenbiss), auszuschliessen.