Bei MS kommt es häufig zu kognitiven Defiziten. Das sind Teilleistungs-Störungen, die Bereiche der Informationsaufnahme und -verarbeitung betreffen. Unterschiedliche Ebenen des Denkens, Planens oder Problemlösens sind mehr oder weniger beeinträchtigt.
Ungefähr 50% der MS-Betroffenen leiden unter diesen im Prinzip unsichtbaren Symptomen. Sie sind die direkte oder indirekte Folge von MS-bedingten Entzündungen und Vernarbungen im Gehirn. Die betroffenen Funktionen und Hirnleistungen sind individuell verschieden. Die Störungen können in jeder Phase der Krankheit auftreten.
Kognitive Defizite sind nicht an physische oder organische Symptome (z.B. Schmerzen, Spastik, Läsionen) gebunden. Ein Schub kann aber Verstärker oder Auslöser dieser Symptome sein.
Wichtig: Kognitive Störungen bedeuten nicht automatisch eine Verminderung der Intelligenz, sie beeinträchtigen aber das allgemeine Leistungsvermögen.
Symptome wie Vergesslichkeit, schlechtes Aufnahmevermögen, grosse geistige oder körperliche Ermüdbarkeit und Ablenkbarkeit schaffen am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft Verunsicherung und Missverständnisse, die sich durch gute Information und Behandlung teilweise verhindern lassen.
Stress, Müdigkeit, gewisse Medikamente oder eine Depression können kognitive Defizite überdecken oder zusätzlich verstärken.
Bei Schwierigkeiten im Alltag ist eine fachärztliche oder neuropsychologische Diagnostik und Abklärung sehr zu empfehlen. Für jede betroffene Person gibt es individuell abgestimmte Trainingsmöglichkeiten, Tipps und Tricks, um beispielsweise die Gedächtnisleistungen zu verbessern.
Leider gibt es noch keine Behandlung, die die Symptome vollständig und langfristig zum Verschwinden bringt.